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30 Millionen Euro in wenigen Wochen: Der mysteriöse Ausverkauf der Benko-Stiftung in Innsbruck

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René Benko

©Weißfuß, IMAGO

Wenige Wochen vor der Insolvenz machte die Laura Privatstiftung der Benkos mehrere Liegenschaften in Innsbruck zu Geld. Das Volumen der Transaktionen lag bei über 30 Millionen Euro.

Der zeitliche Ablauf ist jedenfalls bemerkenswert: Ende Jänner 2026 wurde der Stiftung durch ein internationales Schiedsgericht ein folgenschweres Urteil zugestellt. Der österreichische Vermögensbunker der Benkos sah sich mit Forderungen von insgesamt rund einer Milliarde Euro konfrontiert.

Da sich in der Stiftung Vermögenswerte von lediglich rund 300 Millionen Euro befanden, meldeten die Stiftungsvorstände am 12. März Insolvenz an.

Top-Liegenschaften

Zwischen der Zustellung des Schiedsspruchs und dem Gang zum Innsbrucker Insolvenzgericht wurden noch mehrere Immobilientransaktionen im Grundbuch öffentlich. Die Laura Privatstiftung veräußerte mehrere Top-Liegenschaften in Innsbruck an Tiroler Unternehmer beziehungsweise deren Gesellschaften. Betroffen waren die Adressen Museumsstraße 25, Museumsstraße 9-11, Adamgasse 9 sowie Meraner Straße 1. Das Gesamtvolumen: über 30 Millionen Euro.

Bemerkenswert ist auch, wie Recherchen von News und Krone zeigen, wer die Verkäufe der Benko-Stiftung Mitte Februar begleitete: die Kanzlei Stefan Geiler Ullmann Geiler und Partner. Geiler und zwei Kollegen wurden im März vom Innsbrucker Insolvenzgericht zu Masseverwaltern der Laura Privatstiftung bestellt.

Zu ihren Aufgaben gehört es im Interesse der Gläubiger zu prüfen, ob es vor der Insolvenzeröffnung noch Vermögensverschiebungen oder Verkäufe gab – und ob die Kaufpreise angemessen waren. Falls nicht, könnten Geschäfte angefochten und im Extremfall rückabgewickelt werden.

„Interessen der Käuferin“

Steht damit ein möglicher Interessenkonflikt im Raum? Geiler erklärte auf Anfrage, seine Kanzlei sei bei den Transaktionen als Treuhänder tätig gewesen. Nach vorliegenden Unterlagen trat die Kanzlei auf Käuferseite auf. So heißt es im Kaufvertrag wörtlich: „Die Vertragsverfasser […] haben im Zusammenhang mit der Ausarbeitung dieses Vertrages die Interessen der Käuferin wahrgenommen.“

Geiler betont, man habe die Verkäufe „dem Insolvenzgericht offengelegt“. Die Geschäfte hätten nicht unmittelbar die Laura Privatstiftung betroffen, sondern Tochter- beziehungsweise Enkelgesellschaften. Sollte sich daraus Prüfungsbedarf ergeben, sehe das Gericht dafür einen besonderen Verwalter vor.

Weitere Mandate

Auch befand sich einem der Kaufverträge, der Immobilie Museumstraße 9-11, eine "aufschiebende Bedingung" im Vertrag. Rechtswirksam wurde das Geschäft demnach erst am 19. März und damit nach Eröffnung der Insolvenz sowie nach dem Amtsantritt der Kanzlei als Masseverwalter.

Geiler befasst sich seit März 2025 mit dem Benko-Komplex. Er fungiert auch als Insolvenzverwalter der Herkules Holding, die früher Laura Holding hieß. An der Herkules Holding hält die Laura Privatstiftung 42 Prozent und ist damit größte Gesellschafterin.

Causa René Benko

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