Nach der Signa-Pleite droht ehemaligen Aufsichtsräten wie Gusenbauer und Riess-Hahn massiver finanzieller Ärger: Insolvenzverwalter prüfen Haftungsansprüche in Millionenhöhe – im Extremfall mit Zugriff auf Privatvermögen. Brisant: Auch die Versicherung könnte sich querstellen.
Der frühere Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, die Ex-Spitzenpolitikerin Susanne Riess-Hahn und weitere ehemalige Aufsichtsräte der Signa-Gruppe bangen wegen möglicher Haftungsansprüche der Insolvenzverwalter. Im Raum stehen Forderungen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro, für die sie unter Umständen mit ihrem Privatvermögen haften sollen. Nach News-Recherchen könnte sich zudem die Versicherung querstellen.
Am vergangenen Mittwoch musste Alfred Gusenbauer mehr als sieben Stunden lang vor dem Wiener Handelsgericht Rede und Antwort stehen. Es wird um fünf Millionen Euro an Signa-Honoraren aus den Jahren 2022 und 2023 gestritten – ein Bruchteil jener Summen, die der Altkanzler in rund 15 Jahren an die Signa-Gruppe verrechnet haben soll.
Faktum „GUS“
Am Donnerstag durchsuchten Ermittler der Soko Signa Wohnsitze Gusenbauers in Wien und Niederösterreich. Der heute 66-jährige Pensionist steht laut Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft im Verdacht, in seiner Funktion als Signa-Aufsichtsratschef einem Vorstand unrechtmäßig Abschlagszahlungen von rund zehn Millionen Euro genehmigt zu haben. Soko-Intern laufen die Ermittlungen unter dem Faktum „GUS“ laut einem News vorliegenden Anlassbericht der Kriminalisten.
Gusenbauer weist sämtliche Vorwürfe über seinen Anwalt zurück; für ihn gilt die Unschuldsvermutung. Bereits vor Gericht betonte er, sich als Aufsichtsrat stets an die gesetzlichen Vorgaben gehalten zu haben.
Tatsächlich scheinen diese ersten Schritte der Vergangenheitsbewältigung wohl nur Aufwärmübungen für das, was noch bevorstehen könnte. Zumindest aus wirtschaftlicher Sicht. Denn über Alfred Gusenbauer, Susanne Riess-Hahn und sämtlichen ehemaligen Aufsichtsräten der Signa-Tochter-Gesellschaften schwebt das Damoklesschwert möglicher Haftungsansprüche, die von den Masseverwaltern des insolventen Konglomerats geltend gemacht werden könnten.
Bierdeckel
Der Hintergrund: René Benko und seine Manager dürften im Signa-Konzern auf eine spezielle Form der Liquiditätsplanung gesetzt haben. Auf Basis einer simplen Excel-Tabelle, intern „Bierdeckel“ genannt, wurden von verantwortlichen Managern teils hohe Millionenbeträge zwischen einzelnen Konzerngesellschaften hin- und hergeschoben – bis zum Untergang.
Das Problem dabei: Das österreichische Recht verbietet solche verdeckten Gewinnausschüttungen innerhalb eines Konzerns. Dafür – ebenso wie im Fall einer möglichen Konkursverschleppung – haften nicht nur Geschäftsführer und Vorstände, sondern auch Aufsichtsräte, die derartige Praktiken nicht verhindert haben.
Das bedeutet im Klartext: Ehemalige Aufsichtsräte wie Alfred Gusenbauer, Susanne Riess-Hahn oder Robert Peugeot könnten im Ernstfall solidarisch mit ihrem Privatvermögen haften. Bereits im Jänner 2025 erhob der Masseverwalter der Signa Prime Selection AG eine Forderung von rund einer Milliarde Euro. Derzeit laufen diskrete Vergleichsgespräche zwischen den Parteien.
Niedrige Versicherungssumme
Grundsätzlich schließen Unternehmen für Vorstände und Aufsichtsräte entsprechende Versicherungen ab – so auch die Signa. Doch nach Recherchen von News und Krone gibt es dabei zwei Hürden: Zum einen soll die Versicherungssumme für mögliches Fehlverhalten der Organe lediglich 105 Millionen Euro pro Jahr betragen.
Zum anderen hat die Versicherung laut vorliegenden vertraulichen Unterlagen bereits nach dem Zusammenbruch des Benko-Imperiums im Jahr 2024 darauf hingewiesen, sich beim Vertragsabschluss getäuscht zu fühlen.
Faktischer Geschäftsführer
Der Vorwurf der Versicherung lautet: Benkos „Mann der Unterschriften“, Marcus Mühlberger, soll bereits im Jahr 2013 in einer „Risikoerhebung“ gegenüber der Versicherung falsche, teils handschriftliche Angaben gemacht haben. Benko war damals nach einer strafrechtlichen Verurteilung offiziell von seinen Funktionen zurückgetreten, doch die Versicherung sieht sich offenbar hinters Licht geführt. In einem Schreiben ist von „belastbaren Informationen“ die Rede, wonach Benko weiterhin faktischer Geschäftsführer beziehungsweise Vorstand gewesen sein soll.
Für Alfred Gusenbauer war Benko jedenfalls das Mastermind der Signa, wie er vor dem Handelsgericht mehrmals ausführte.







