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Medial kolportierte, mögliche Hilfesummen wollte das Landwirtschaftsministerium gegenüber der APA nicht kommentieren. Im Dürrejahr 2018 etwa belief sich das Bauern-Hilfspaket des Bundes und der Länder auf 60 Mio. Euro, und die versicherten Dürreschäden der Landwirte bei der Hagelversicherung beliefen sich auf über 230 Mio. Euro.
Wenn es so weitergeht wie im ersten Halbjahr, könnte 2026 das trockenste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen werden. Die klimawandelbedingte Rekord-Trockenheit hat den Getreideanbau heuer stark belastet. Mit rund 2,5 Mio. Tonnen liege die Getreideproduktion ohne Mais laut Agrarmarkt Austria (AMA) um 19 Prozent unter dem guten Vorjahreswert und um 14,4 Prozent unter dem 5-Jahres-Durchschnitt, teilte die Agrarmarkt Austria (AMA) am vergangenen Mittwoch mit. Für den noch am Feld stehenden Mais wird ebenfalls eine unterdurchschnittliche Ernte erwartet.
Im Grünland drohen laut Landwirtschaftsministerium auf zahlreichen Futterflächen Ausfälle von bis zu 50 Prozent. Auch bei Mais, Erdäpfel, Soja, Zuckerrüben und Kürbis zeichnen sich laut Expertenschätzungen massive Ernteeinbußen ab. In einzelnen Regionen kommt es zu vorgezogenen Almabtrieben, Futter- und Wassermangel sowie Notverkäufen und Schlachtungen von Rindern. Die trockenheitsbedingte Futterknappheit veranlasst viele Bauern, einen Teil ihrer Rinder frühzeitig zu verkaufen. "In den vergangenen Wochen kamen rund dreimal so viele Schlachtkühe zur Vermarktung wie üblich", hieß es am Donnerstag von der ARGE Rind, der Dachorganisation von acht Rindererzeugergemeinschaften.
Aufgrund der Rekord-Trockenheit und den damit verbundenen Herausforderungen für die Bauern hat das Landwirtschaftsministerium Erleichterungen in der Förderungsabwicklung im Rahmen des Agrarumweltprogramms ÖPUL und der Bergbauern-Ausgleichszulage beschlossen. Totschnig will betroffenen Betrieben helfen, sobald die tatsächlichen Schäden feststehen. "Auf dieser Basis werden wir den Bedarf zusätzlicher Mittel prüfen. Dabei können auch Mittel aus dem Katastrophenfonds des Bundesministeriums für Finanzen eine Rolle spielen", so der Landwirtschaftsminister. Die SPÖ-Bäuerinnen und Bauern drängen im Zusammenhang mit dem Hilfspaket auf "einen klaren Schwerpunkt auf Vorsorge statt auf bloße Schadensverwaltung". Die Österreichische Berg- und Kleinbäuer_innen Vereinigung (ÖBV-Via Campesina Austria) sieht durch die Trockenheit die Existenz von vielen Bauern bedroht und fordert mehr Klimaschutz im Rahmen der Agrarpolitik.
Am kommenden Montag wird der Agrar-Versicherer Hagelversicherung erste Zahlen zu den Dürreschäden präsentieren. In Österreich sind bei der Hagelversicherung rund 80 Prozent der Ackerbauern und 40 Prozent der Grünlandbetriebe gegen Dürre versichert. Hierzulande erhalten Bauern von Bund und Ländern einen Prämienzuschuss von insgesamt 55 Prozent auf die Versicherungsprämie für zugelassene Agrarversicherungen. Dafür wurden laut Landwirtschaftsministerium im Jahr 2025 rund 160 Mio. Euro aufgewendet. Dieser Betrag werde in den nächsten Jahren voraussichtlich deutlich steigen, hieß es vom Ministerium.
Wifo-Agrarökonom Franz Sinabell warnte vor undifferenzierten Unterstützungsmaßnahmen für die Bauern. "Das Hilfspaket sollte so konzipiert sein, dass die Bauern, die sich gegen Dürre versichert haben, nicht als Dumme dastehen", sagte er am Freitag im Gespräch mit der APA. Der Ausbau der Futtermittel-Börsen und Stundungen von Investitionskrediten seien auch "sehr hilfreiche" Maßnahmen. Das aktuelle Dürre-Jahr 2026 ist nach Ansicht von Sinabell bisher "eine Katastrophe für einzelne Betriebe", nicht aber für ganze Bundesländer. Auch könne sich Österreich ausreichend mit Lebensmitteln versorgen. Der Agrarökonom erwartet, dass Bauern als Reaktion auf die Rekord-Trockenheit ihren Versicherungsschutz gegen Dürre erhöhen werden. Die seit 2015 verfügbare Dürreindex-Versicherung der Hagelversicherung ohne Schadenserhebung vor Ort sei ein "sehr gutes Instrument".
Angesichts der länger andauernden Trockenheit wird das Thema Bewässerung in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Wenn Österreich das landwirtschaftliche Produktionsniveau aufrechterhalten wolle, dann brauche es zusätzliche oder effizientere Bewässerung, und Acker- sowie Wiesenflächen dürften nicht durch die Umwandlung in Siedlungs-, Industrie- und Verkehrsflächen verloren gehen, so der Wifo-Agrarökonom. Auch wassersparende Bewirtschaftungspraktiken würden an Bedeutung gewinnen, mehr hitzeresistente Sorten in den Fokus rücken, und die Vielfalt und Bandbreite der angebauten Nutzpflanzen auf Acker- und Grünland werde sich ändern.
