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Rabatte: Totschnig will Bauern den Rücken stärken

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Bei Rabatten tragen oft die Bauern die Kosten
©APA, THEMENBILD, HANS KLAUS TECHT
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) will Bäuerinnen und Bauern im Kampf gegen unlautere Praktiken des Lebensmitteleinzelhandels weiter den Rücken stärken. Insbesondere pocht der Politiker auf mehr gesetzliche Härte bei Rabattaktionen, deren Kosten in vielen Fällen von den Lieferanten und nicht vom Handel getragen würden. Dabei werde oft Druck auf die Produzenten ausgeübt, kritisierte er am Montag bei einer Pressekonferenz.

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Totschnig verwies auf eine Richtlinie der Europäischen Union (EU), die derzeit überarbeitet wird und die Grundlage für das sogenannte Faire-Wettbewerbsbedingungen-Gesetz (FWBG) bildet. Darin wird die Praxis, die Kosten für Aktionen und Preisnachlässe von den Lieferanten zu verlangen, auf der "Grauen Liste" geführt. Diese ist also nicht verboten, wenn der Lieferant im Vorfeld zustimmt. "Das Problem ist, dass die Zustimmung in vielen Fällen erzwungen wird", sagte Doris Hold vom "Fairnessbüro", das Landwirte bei Konflikten mit dem Lebensmittelhandel unterstützt.

Wenn solche Vereinbarungen - die, wie betont wurde, in manchen Fällen auch zum Vorteil der Bauern gereichen - zustandekommen, solle dies also auf Augenhöhe geschehen. "Bei den Rabattaktionen wird den Lieferanten häufig gesagt: Entweder du unterschreibst das so oder du lieferst das nicht. Und genau dagegen wollen wir uns EU-weit wehren", so Hold. Es gehe aber auch um Sensibilisierung der Konsumenten für die Thematik. "Denn viele wissen gar nicht, dass Aktionen wie die 25-Prozent-Rabattpickerl beim Billa von den Lieferanten und nicht vom Handel gezahlt werden." Explizit genannt wurde neben dem Rewe-Konzern auch Spar, bei Diskontern wie Hofer und Lidl gebe es so etwas in der Regel nicht.

Anlass für die Forderung war die Präsentation des aktuellen Berichts über die Tätigkeit des "Fairnessbüros", das 2022 unter der damaligen Agrarministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) aus der Taufe gehoben wurde. Landwirte können sich kostenfrei und anonym an die Stelle wenden, um sich besser gegen die Marktmacht der Handelskonzerne - in Österreich wird der Markt zu mehr als 90 Prozent von großen Ketten dominiert - zu behaupten. Das Büro vermittelt bei Konflikten zwischen den Parteien, in harten Fällen kooperiert die Stelle mit der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB), die als Durchsetzungsbehörde für Beschwerden fungiert.

Wie der Bericht zeigt, gingen im vergangenen Jahr 255 Beschwerden ein, nach 239 Fällen im Jahr davor. Insgesamt seien mehr als 750 Marktteilnehmer unmittelbar oder mittelbar von unfairen Handelspraktiken betroffen gewesen. Das Konfliktfeld sei breit, verstärkt komme es aber rund um die Lieferung von Frischeprodukten zu Disputen. "Je höher die Verderblichkeit von Lebensmitteln, desto größer der Druck", meinte Hold. In 65 Fällen sei es durch Mediation allerdings auch zu Lösungen gekommen, das sind deutlich mehr als im Jahr 2024. Totschnig sah darin einen Beweis, "dass sich das 'Fairnessbüro' zu einem echten Brückenbauer entwickelt hat und sich Konflikte auch auflösen lassen".

Die BWB betonte ihrerseits am Montag, eng mit dem "Fairnessbüro" zusammenzuarbeiten. Derzeit seien drei Verfahren vor dem Kartellgericht anhängig, außerdem habe man aufgrund von Beschwerden unlängst Ermittlungen zum Molkereimarkt eingeleitet. Hier sollen im Zuge der Einführung von Tierwohlstandards Liefervereinbarungen mit Milchbauern einseitig geändert worden sein. Erhebungen zum Sachverhalt laufen, hieß es in einer Aussendung.

Für den Handelsverband ist die Zusammenarbeit mit den Lieferanten "von Fairness geprägt". Negative Beispiele seien nicht repräsentativ für die "gelebte Praxis", außerdem bewege sich die Zahl der Beschwerden in Relation zu den Lieferanten im "Promille-Bereich". "Faire und verantwortungsvolle Lieferketten sind im Kerninteresse der Einzelhandelsunternehmen in Österreich", so Geschäftsführer Rainer Will. Gespräche würden immer mit dem Anspruch geführt, die rechtlichen Vorgaben zu 100 Prozent einzuhalten, betonte er in einer Mitteilung. Der WKÖ-Fachverband des Lebensmittelhandels begrüßte indes die "sachliche und lösungsorientierte Arbeit" des "Fairnessbüros".

Kritik kam hingegen von den Grünen. "Während der Druck der großen Handelskonzerne auf die kleinen landwirtschaftlichen Produzent:innen und Lieferant:innen immer weiter steigt und es an Transparenz entlang der Wertschöpfungskette noch immer in weiten Bereichen mangelt, wird der jährliche Bericht des Fairness-Büros immer schmäler. Auch mit Blick auf die Ausgaben der vergangenen Jahre hätte ich mir mehr Tiefgang erwartet", kritisierte Landwirtschaftssprecherin Olga Voglauer.

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