So stimmen BĂŒrger ĂŒber das Design ab: Die FriedensnobelpreistrĂ€gerin war schon auf dem 1.000-Schilling-Schein. Nun könnte sie den 200-Euro-Schein prĂ€gen.
Die neuen Euro-Banknoten könnten fĂŒr Ăsterreich ein historisches Comeback bringen. Bertha von Suttner, die bereits auf dem 1.000-Schilling-Schein abgebildet war, gehört zu den vorgesehenen Persönlichkeiten der Designserie âEuropĂ€ische Kulturâ. Ob die FriedensnobelpreistrĂ€gerin tatsĂ€chlich auf den 200-Euro-Schein kommt, hĂ€ngt allerdings vom Ausgang des Auswahlverfahrens ab.
Seit dem 23. Juli 2026 können BĂŒrgerinnen und BĂŒrger in einer öffentlichen Online-Umfrage der EuropĂ€ischen Zentralbank ĂŒber zehn vollstĂ€ndige Designserien abstimmen. Die Beteiligung ist bis zum 21. September 2026 möglich. Der Rat der EuropĂ€ischen Zentralbank, kurz EZB-Rat, will das endgĂŒltige Design voraussichtlich gegen Ende des Jahres auswĂ€hlen.
So funktioniert die Abstimmung
Die Umfrage ist ĂŒber die Internetseite der EuropĂ€ischen Zentralbank, kurz EZB, erreichbar. Teilnehmen kann grundsĂ€tzlich jeder Mensch mit Internetzugang, unabhĂ€ngig von Alter, NationalitĂ€t oder Wohnort. Der Fragebogen steht in allen 24 Amtssprachen der EuropĂ€ischen Union zur VerfĂŒgung.
Die Teilnahme erfolgt anonym. Namen, Kontaktdaten oder andere direkt identifizierende persönliche Angaben werden nach Angaben der EZB nicht erhoben. Demografische Fragen können mit der Antwort âKeine Angabeâ ĂŒbersprungen werden. Technische Vorkehrungen sollen verhindern, dass einzelne Personen mehrfach abstimmen.
Zur Wahl stehen zehn EntwĂŒrfe mit den Buchstaben A bis J. Dabei wird nicht ĂŒber einzelne PortrĂ€ts oder bestimmte Vogelarten abgestimmt, sondern ĂŒber komplette Serien fĂŒr die sechs StĂŒckelungen von 5 bis 200 Euro. FĂŒnf VorschlĂ€ge folgen dem Thema âEuropĂ€ische Kulturâ, fĂŒnf weitere dem Thema âFlĂŒsse und Vögelâ.
Abstimmung
Beethoven, Curie und von Suttner auf den Scheinen
Beim Thema âEuropĂ€ische Kulturâ sind die Persönlichkeiten fĂŒr die einzelnen Banknoten bereits festgelegt. Die fĂŒnf DesignvorschlĂ€ge unterscheiden sich vor allem bei Farben, Bildsprache, Typografie und Anordnung. Einige EntwĂŒrfe zeigen klassische PortrĂ€ts, andere arbeiten mit Collagen oder stark vergröĂerten Ausschnitten von Augen und Gesichtern.
Auf dem 5-Euro-Schein soll die griechische OpernsĂ€ngerin Maria Callas erscheinen. Der 10-Euro-Schein ist Ludwig van Beethoven gewidmet, der 20-Euro-Schein der Physikerin und Chemikerin Marie SkĆodowska Curie. FĂŒr den 50-Euro-Schein ist der spanische Schriftsteller Miguel de Cervantes vorgesehen, fĂŒr den 100-Euro-Schein Leonardo da Vinci. Bertha von Suttner soll den 200-Euro-Schein prĂ€gen.
Die RĂŒckseiten zeigen Orte und Situationen, in denen Kultur entsteht und erlebt wird. Dazu gehören StraĂenauffĂŒhrungen, ein Gesangsfestival, eine Schule oder UniversitĂ€t, eine Bibliothek, ein Museum und ein öffentlicher Platz. Die Serie soll europĂ€ische Kultur damit nicht nur ĂŒber historische Persönlichkeiten, sondern auch ĂŒber heutige Begegnungsorte darstellen.
Bertha von Suttners Comeback nach dem Schilling
FĂŒr Ăsterreich wĂ€re der 200-Euro-Schein mit Bertha von Suttner eine RĂŒckkehr auf vertrautes Terrain. Die Schriftstellerin und Friedensaktivistin war bereits auf einer österreichischen 1.000-Schilling-Banknote abgebildet. Der Geldschein trug das Ausgabedatum 1966 und kam am 21. September 1970 in Umlauf.
Mit Bertha von Suttner erschien damals erstmals eine namentlich bekannte Frau auf einer österreichischen Banknote. Wenige Tage spÀter folgte die Malerin Angelika Kauffmann auf dem 100-Schilling-Schein. Der 1.000-Schilling-Schein mit von Suttners PortrÀt wurde 1985 aus dem Verkehr gezogen.
Sollte der EZB-Rat einen der fĂŒnf KulturentwĂŒrfe auswĂ€hlen, wĂŒrde Bertha von Suttner damit mehrere Jahrzehnte nach dem Schilling auf europĂ€isches Papiergeld zurĂŒckkehren. Sicher ist dieses Comeback jedoch noch nicht. Gewinnt die alternative Serie âFlĂŒsse und Vögelâ, werden auf den Vorderseiten der neuen Banknoten keine historischen Persönlichkeiten erscheinen.
Ganz verschwunden ist Bertha von Suttner aus den österreichischen Geldbörsen ohnehin nicht. Ihr PortrĂ€t befindet sich auf der nationalen Seite der österreichischen 2-Euro-MĂŒnze. Die EZB bezeichnet sie dort als Symbol fĂŒr Ăsterreichs jahrzehntelangen Einsatz fĂŒr den Frieden.
Von Suttner erhielt 1905 als erste Frau den Friedensnobelpreis. Ihr 1889 erschienener Roman âDie Waffen nieder!â machte sie zu einer der international bekanntesten Stimmen der Friedensbewegung. Sie starb am 21. Juni 1914, wenige Wochen vor dem Beginn des Ersten Weltkriegs.
Eisvogel und WeiĂstorch als Alternative
Die zweite Themenwelt verzichtet vollstÀndig auf historische Persönlichkeiten. Sie erzÀhlt den Weg eines Flusses von der Quelle bis zum Meer und verbindet die Landschaften mit europÀischen Vogelarten. Die Motive sollen die biologische Vielfalt Europas sowie die Bedeutung des Umwelt- und Naturschutzes darstellen.
Auf dem 5-Euro-Schein ist ein MauerlĂ€ufer in einer Gebirgslandschaft vorgesehen. Der 10-Euro-Schein zeigt einen Eisvogel an einem Wasserfall, der 20-Euro-Schein Bienenfresser an einem Flusstal. Auf dem 50-Euro-Schein fliegt ein WeiĂstorch ĂŒber einen mĂ€andernden Fluss. SĂ€belschnĂ€bler und FlussmĂŒndung sind fĂŒr 100 Euro vorgesehen, ein Basstölpel ĂŒber dem Meer fĂŒr 200 Euro.
Auf den RĂŒckseiten erscheinen GebĂ€ude wichtiger Einrichtungen der EuropĂ€ischen Union. Dazu gehören das EuropĂ€ische Parlament, die EuropĂ€ische Kommission, die EuropĂ€ische Zentralbank, der Gerichtshof der EuropĂ€ischen Union, der EuropĂ€ische Rat, der Rat der EuropĂ€ischen Union und der EuropĂ€ische Rechnungshof.
Mehr als 1.200 Bewerbungen aus der EU
Die zehn Serien sind das Ergebnis eines europaweiten Designwettbewerbs. Insgesamt gingen 1.241 Bewerbungen von Designerinnen und Designern aus allen Staaten der EuropÀischen Union ein. Davon wurden 25 Bewerber aufgefordert, konkrete Serien zu entwickeln.
Bis zum 24. April 2026 wurden 39 VorschlĂ€ge eingereicht. Davon entfielen 23 auf das Thema âFlĂŒsse und Vögelâ und 16 auf âEuropĂ€ische Kulturâ. Eine unabhĂ€ngige Jury wĂ€hlte daraus jeweils fĂŒnf EntwĂŒrfe pro Themenwelt aus.
Die Jury bestand aus 21 Fachleuten, die von den nationalen Zentralbanken des Euroraums nominiert worden waren. Vertreten waren unter anderem die Bereiche Grafikdesign, Industriedesign, Architektur, Kommunikation und Neurowissenschaften. Die eingereichten EntwĂŒrfe wurden ohne öffentliche Nennung der Designer bewertet, damit Herkunft und Bekanntheit die Auswahl möglichst wenig beeinflussen konnten.
Schon bei der Auswahl der Themen hatte die Bevölkerung mitgewirkt. An einer frĂŒheren Befragung beteiligten sich nach Angaben der EZB mehr als 365.000 Menschen. Aus mehreren VorschlĂ€gen gingen schlieĂlich die Themen âEuropĂ€ische Kulturâ und âFlĂŒsse und Vögelâ hervor.
Warum die Abstimmung nicht bindend ist
Parallel zur offenen Internetumfrage lÀsst die EZB dieselben Fragen von einem unabhÀngigen Marktforschungsunternehmen an eine reprÀsentativ ausgewÀhlte Gruppe von Menschen aus dem Euroraum stellen. Dadurch soll ein aussagekrÀftigeres Bild entstehen, das nicht nur besonders interessierte oder digital gut erreichbare Gruppen widerspiegelt.
Der EZB-Rat wird deshalb nicht automatisch den Entwurf mit den meisten Stimmen aus der offenen Umfrage auswĂ€hlen. In die Entscheidung sollen die öffentliche Befragung, die reprĂ€sentative Erhebung und das Ergebnis des Designwettbewerbs einflieĂen. Eine genaue Gewichtung der einzelnen Bestandteile hat die Zentralbank bislang nicht veröffentlicht.
Die Bezeichnung âAbstimmungâ ist daher nur eingeschrĂ€nkt zutreffend. BĂŒrgerinnen und BĂŒrger können ihre PrĂ€ferenzen Ă€uĂern. Einen Anspruch darauf, dass der beliebteste Vorschlag tatsĂ€chlich gedruckt wird, gibt es nicht.
Neue Sicherheitsmerkmale fĂŒr das Bargeld
Die Neugestaltung ist nicht nur ein Ă€sthetisches Projekt. Die neue Banknotenserie soll verbesserte Sicherheitsmerkmale erhalten und mit nachhaltigeren Materialien sowie Produktionsverfahren hergestellt werden. Zudem sollen die Scheine fĂŒr Menschen mit SehbeeintrĂ€chtigungen leichter zu erkennen und zu unterscheiden sein.
Der Euro gilt bereits als vergleichsweise fÀlschungssicher. Im Jahr 2025 wurden rund 444.000 gefÀlschte Scheine aus dem Verkehr gezogen, 20 Prozent weniger als im Vorjahr. Das entsprach 14 FÀlschungen je eine Million echter Banknoten. Rund 80 Prozent der sichergestellten FÀlschungen entfielen auf 20-Euro-Scheine und 50-Euro-Scheine.
Trotz der niedrigen Zahl mĂŒssen Zentralbanken ihre Sicherheitsmerkmale regelmĂ€Ăig weiterentwickeln. Drucktechniken, Kopierverfahren und digitale Bildbearbeitung verĂ€ndern sich. Die neue Serie ermöglicht es, Wasserzeichen, Sicherheitsfolien, Druckelemente und maschinenlesbare Merkmale technisch zu ĂŒberarbeiten.
Bargeld bleibt fĂŒr viele Menschen wichtig
Die Neugestaltung erfolgt in einer Zeit, in der Karten und Smartphonezahlungen an Bedeutung gewinnen. Dennoch wurden 2024 im Euroraum noch 52 Prozent der Zahlungen an physischen Verkaufsstellen bar abgewickelt. Nach dem Wert der EinkÀufe lag der Bargeldanteil bei 39 Prozent.
Damit bleibt Bargeld trotz rĂŒcklĂ€ufiger Nutzung das am hĂ€ufigsten verwendete Zahlungsmittel an der Ladenkasse. Es spielt zudem eine wichtige Rolle fĂŒr Menschen, die keine digitalen Zahlungsmittel verwenden können oder verwenden wollen.
Die Gestaltung der Scheine ist deshalb mehr als eine Designfrage. Banknoten gehören zu den wenigen europĂ€ischen Symbolen, die tĂ€glich von Millionen Menschen berĂŒhrt und weitergegeben werden. Ein PortrĂ€t Bertha von Suttners wĂŒrde den 200-Euro-Schein zugleich mit der österreichischen WĂ€hrungsgeschichte und der europĂ€ischen Friedensbewegung verbinden.
Erste neue Scheine wohl Anfang der 2030er Jahre
Nach der Entscheidung des EZB-Rats muss das ausgewÀhlte Design technisch weiterentwickelt und getestet werden. Dazu gehören Produktionsversuche, Haltbarkeitstests, die Integration der Sicherheitsmerkmale sowie die Anpassung von Geldautomaten und Banknotensortiermaschinen.
EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone erklĂ€rte im Juni 2026, das Eurosystem bereite die Ausgabe der ersten StĂŒckelungen fĂŒr die frĂŒhen 2030er Jahre vor. Ob alle Werte gleichzeitig oder schrittweise erscheinen, ist noch offen.
Die heutigen Banknoten verlieren durch die EinfĂŒhrung der neuen Serie nicht automatisch ihren Wert. Sie sollen zunĂ€chst parallel weiterlaufen. Die Europa-Serie wurde zwischen 2013 und 2019 schrittweise eingefĂŒhrt und umfasst Scheine von 5 bis 200 Euro. Der 500-Euro-Schein wird seit dem 27. April 2019 nicht mehr ausgegeben, bleibt aber gĂŒltig und kann bei den nationalen Zentralbanken des Euroraums zeitlich unbegrenzt umgetauscht werden.
FĂŒr Bertha von Suttner fĂŒhrt der Weg zurĂŒck aufs Papiergeld damit ĂŒber die Stimmen der Bevölkerung und die anschlieĂende Entscheidung des EZB-Rats. Aus dem möglichen Comeback der frĂŒheren 1.000-Schilling-Frau könnte ein europĂ€isches Symbol werden. Noch aber konkurriert sie mit Beethoven, Curie und da Vinci sowie mit Eisvogel, WeiĂstorch und Basstölpel.
