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Institute halbierten deutsche Wachstumsprognose für 2026

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Der Iran-Krieg dämpft die aufkeimende Erholung
©Afp, APA, Ralf Hirschberger
Die Folgen des Iran-Kriegs mit stark gestiegenen Energiepreisen bremsen das Wirtschaftswachstum in Deutschland aus. Führende Forschungsinstitute erwarten, dass das Bruttoinlandsprodukt 2026 nur noch um 0,6 Prozent zulegt. Der "Energiepreisschock" im Zuge des Iran-Kriegs treffe die Erholung der deutschen Wirtschaft hart, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser in Berlin. Vor rund einem halben Jahr hatten die Institute noch mit einem Wachstum von 1,3 Prozent gerechnet.

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Für 2027 prognostizieren die Wirtschaftsforscher nun ein Wachstum von 0,9 Prozent. Auch das ist deutlich pessimistischer: Zuvor hatten sie mit 1,4 Prozent gerechnet.

Die Institute erwarten außerdem ein spürbares Anziehen der Verbraucherpreise. Nach ihrer Einschätzung wird die Inflationsrate in Deutschland heuer auf durchschnittlich 2,8 Prozent steigen und 2027 auf 2,9 Prozent. An der "Gemeinschaftsdiagnose" beteiligt sind unter anderem das Münchner Ifo-Institut und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar ist es zu Preissprüngen bei Öl und Gas gekommen. Der Schiffsverkehr in der Straße von Hormuz, die sehr wichtig ist für den internationalen Transport von Öl und Flüssiggas, ist wegen des Kriegs und drohender iranischer Angriffe praktisch zum Erliegen gekommen. Ob und wann eine Durchfahrt der Meerenge wieder möglich sein wird, ist ungewiss.

Nach Jahren der Flaute und einem Mini-Wachstum 2025 sollte es in diesem Jahr eigentlich wieder deutlich bergauf gehen für die deutsche Wirtschaft - auch wenn das Wachstum getrieben wird vor allem durch die staatlichen Milliardenausgaben für Verteidigung und zur Modernisierung der Infrastruktur. Diese staatlichen Ausgaben verhinderten ein stärkeres Abrutschen der Konjunktur, sagte Wollmershäuser. Die Institute rechnen damit, dass der "Energiepreisschock" in diesem und im nächsten Jahr jeweils 0,3 Prozentpunkte Wachstum kostet.

Und es könnte noch schlimmer kommen. In der Prognose wird unterstellt, dass die Straße von Hormuz im Lauf des zweiten Quartals wieder voll passierbar sein wird und die Energiepreise ab dem Sommer sinken. Wäre aber der Handelsverkehr durch die Straße von Hormuz auch den Sommer über blockiert, könnten die wirtschaftlichen Folgen noch viel gravierender sein. Dann wäre mit noch weitaus höheren Erdöl- und Erdgaspreisen zu rechnen, so die Institute. "Auch der Welthandel würde gebremst und erhebliche Probleme in den globalen Lieferketten wären zu erwarten." Auch die Inflation in Deutschland könnte über 3 Prozent steigen.

Der Anstieg des Erdgaspreises verteuere nicht zuletzt auch Düngemittel, was auf die Nahrungsmittelpreise ausstrahle, heißt es in der Prognose. Zudem dürfen auch höhere Produktions- und Transportkosten auf die Preise für Waren durchschlagen. Die gestiegene Inflation dämpfe den privaten Konsum. Vor einem halben Jahr noch hatten die Institute für 2026 einen Anstieg der Verbraucherpreise um 2,0 Prozent und für 2027 um 2,3 Prozent vorhergesagt.

Im März trieben die Folgen des Iran-Kriegs die Verbraucherpreise bereits auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Die Inflationsrate lag bei 2,7 Prozent nach 1,9 Prozent im Februar.

Die Institute empfehlen, Preissignale auch in Energiekrisen wirken zu lassen. Wollmershäuser wandte sich gegen einen kurzfristigen Aktionismus. "Wir raten dringend von pauschalen Markteingriffen wie einem Tankrabatt ab. Dieser ist kostspielig, er kommt vielen zugute, die eine Entlastung nicht brauchen." Außerdem werde das Knappheitssignal des Preises verzerrt.

Sozialpolitisch sinnvoller wären gezielte Transfers, so könnten die Regelsätze der Grundsicherung an höhere Lebenshaltungskosten angepasst werden. Stefan Kooths vom Kiel Institut für Weltwirtschaft rät zu einer "Politik der ruhigen Hand". Die schwarz-rote Koalition prüft Entlastungen wegen der gestiegenen Energiepreise.

Auf dem deutschen Arbeitsmarkt verzögere sich die Aufhellung, heißt es in der Prognose der Institute weiter. Die schwache Konjunktur und der verschärfte Strukturwandel hinterließen deutliche Spuren.

"Erst im kommenden Jahr dürfte es zu einer zaghaften Erholung der Beschäftigung kommen, wenn bei besserer Konjunktur die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen steigt." Laut Prognose steigt die Arbeitslosenquote von 6,3 Prozent im vergangenen Jahr auf 6,4 Prozent im laufenden Jahr.

Auch die deutsche Bundesregierung dürfte nachziehen und innerhalb der kommenden Woche ihre Erwartungen für die Wirtschaft des Landes herunterschrauben. Bisher erwartet sie in diesem Jahr ein Wachstum von 1,0 Prozent. Die Frühjahrsprojektion bildet die Grundlage für die Steuerschätzung.

Ein geringeres Wirtschaftswachstum könnte zu geringeren Steuereinnahmen führen als bisher erwartet. Das würde den Spardruck auf die Regierung im Kernhaushalt noch einmal verschärfen. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) plant, Eckpunkte des Haushalts 2027 sowie der Finanzplanung der kommenden Jahre Ende April vorzulegen. Es klaffen bereits Milliardenlücken im Etat.

Die deutsche Bundesregierung hat außerdem grundlegende Reformen bei Gesundheit, Pflege und Rente angekündigt mit dem Ziel, dass die Beiträge nicht aus dem Ruder laufen. Wirtschaftsverbände beklagen zudem im internationalen Vergleich hohe Energiepreise, eine hohe Steuerlast und zu viel Bürokratie. Die Institute forderten die Bundesregierung auf, "Wachstumsbremsen" zu lösen. Die deutsche Wwirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sagte: "Der Konflikt im Nahen Osten erhöht den Druck auf die deutsche Politik, Strukturreformen konsequent anzugehen."

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