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Die Gewerkschaft vida verhandelt im Herbst mit der Wirtschaftskammer (WKÖ) die kollektivvertraglichen Lohnabschlüsse für die Bereiche Bus, Eisenbahn, Handel (Arbeiter), Lkw, Reinigung und private Sicherheitskräfte. Weil die Belastung und der Personalbedarf in diesen Bereichen hoch sei, müssten die Löhne spürbar steigen, fordert die Gewerkschaft. Die Herbstlohnrunde startet dieses Jahr im Oktober ohne Metaller, weil sich die Sozialpartner im Vorjahr auf einen zweijährigen "Krisenabschluss" geeinigt haben. Die rollierende Inflation der vergangenen zwölf Monate beträgt aufgrund der höheren Dienstleistungs- und Energiepreise über drei Prozent. Bei den Handelsarbeitern lagen die KV-Abschlüsse in den vergangenen zwei Jahren unter der rollierenden Inflation. "Diese Krisenabschlüsse haben die Lebensmittel nicht billiger, aber die Beschäftigten ärmer gemacht", kritisierte der Gewerkschaftschef.
Hebenstreit plädiert für einen positiven Blick auf die heimische Wirtschaft: "Höhere Löhne sind der Sprit, den der Wirtschaftsmotor jetzt braucht." Die Nationalbank (OeNB) prognostizierte zuletzt für Österreich im laufenden Jahr ein reales Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent und eine Inflationsrate von 3,0 Prozent. "Die Krisenerzählung der Wirtschaftsvertreter schadet dem Standort. Es waren immer nur Teile der österreichischen Industrie in der Krise", so der Spitzengewerkschafter. Es gebe "viele Sektoren in Österreich, die boomen, etwa der Tourismus oder der Verkehr".
Großen Handlungsbedarf sieht der vida-Chef im Bereich Ausbildung. Ende August gab es laut Arbeitsmarktservice (AMS) 11.600 sofort verfügbare Lehrstellensuchende und nur rund 6.300 sofort verfügbare offene Lehrstellen. "Wir erleben seit längerem einen Ausbildungsstreik der Wirtschaft", monierte der Gewerkschafter. Anstatt Fachkräfte selbst auszubilden, würden viele Unternehmen "mehr und mehr" auf Saisonkontingente für ausländische Arbeitskräfte aus Drittstaaten und die Rot-Weiß-Rot-Karte setzen. "Österreich hat keine Bodenschätze, gut ausgebildete Menschen hierzulande sind unsere einzige Ressource für Wohlstand."
Den von Wirtschaftsvertretern beklagten Fachkräftemangel kann der Gewerkschaftschef nicht nachvollziehen. "Wenn es wirklich zu wenige Fachkräfte geben würde, dann müssten die Löhne steigen." Man habe "ein Lohndrückerkartell der Unternehmen". Bei den zuletzt 11.800 aufrechten Aufenthaltstitel im Rahmen der Rot-Weiß-Rot-Karte seien nicht IT-Arbeitskräfte, sondern 900 Köche und Küchenhilfen aus China, die mit Abstand größte Personengruppe." Man müsse Menschen "die bereits in Österreich sind, in den Arbeitsmarkt integrieren und aufhören damit, dauernd neue zu holen", so der Gewerkschafter.
"Dass im Vorjahr 46 Millionen Mehr- und Überstunden weder mit Geld noch durch Zeitausgleich abgegolten wurden, ist Betrug", kritisierte der vida-Chef. Den Beschäftigten würden dadurch geschätzte 2,5 Mrd. Euro Bruttoentgelt und dem Staat 1,23 Mrd. Euro an Steuern und Abgaben entgehen. "Dagegen muss härter vorgegangen werden, es braucht ein Arbeitsstrafrecht", forderte Hebenstreit. Nicht abgegoltene Überstunden würden auch nicht in die Produktivitätszahlen der heimischen Wirtschaft einberechnet.
