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Der EZB-Rat ist weiter wachsam: "Die Unsicherheit ist nach wie vor hoch, und die Auswirkungen des Energieschocks auf die Inflation sind noch nicht vollständig zum Tragen gekommen." Man sei fest entschlossen, die Geldpolitik so auszurichten, dass sich die Teuerungsrate auf mittlere Frist beim Zielwert von 2 Prozent stabilisiere.
Berichte über Angriffe der mit dem Iran verbündeten jemenitischen Huthis auf Öltanker im Roten Meer und die verschärfte Lage im Iran-Krieg haben die Ölpreise jüngst auf den höchsten Stand seit Anfang Juni katapultiert. Die Notenbank sei in einer schwierigen Lage, meint Maximilian Wienke, Marktanalyst bei der Handelsplattform eToro: "Hält sich der Ölpreis dauerhaft über 90 Dollar (79 Euro) je Barrel, könnte das Inflationsgespenst schneller zurückkehren, als vielen lieb ist."
Entscheidend werde sein, wie Lagarde den Ölpreisanstieg einordne. In der Vergangenheit betonte die 70-Jährige immer wieder, dass die EZB nicht auf jeden kurzfristigen Angebotsschock reagieren müsse. "Die Frage ist nun, ob sie den jüngsten Anstieg weiterhin als vorübergehendes Ereignis bewertet oder Anzeichen für dauerhaften Inflationsdruck sieht", so Wienke.
Keinesfalls wollen die Notenbanker im Frankfurter EZB-Turm es wieder so weit kommen lassen wie 2022, als Russlands Invasion in der Ukraine einen zunächst unterschätzten Inflationsschub auslöste. Jetzt droht wieder Gefahr: Denn die vom Iran-Krieg angeheizten hohen Energiekosten für Verbraucher und Unternehmen bergen das Risiko, dass sich Löhne und Preise gegenseitig hochschaukeln und so die Inflation weiter antreiben.