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E-Control-Chef Strebl: "Das Zauberwort heißt Flexibilität"

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E-Control-Vorstand Michael Strebl
©APA, GEORG HOCHMUTH
Damit die Energiewende gelingt, sind neue gesetzliche und regulatorische Spielregeln notwendig, sagt E-Control-Vorstand Michael Strebl. So setzt der Energieregulator künftig auf flexible Tarife, um die Netzlast zeitlich zu verteilen und die Netzausbaukosten zu dämpfen. Die Elektrifizierung müsse deutlich an Fahrt gewinnen, sagte Strebl am Freitag in Wien. Seit 35 Jahren liege der Anteil des Stroms an der gesamten Energieversorgung unverändert bei 22 Prozent.

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Trotz eines enormen Zuwachses an dezentralen Erzeugungsanlagen habe sich am Gesamtmix bisher wenig verändert, sagte Strebl im Klub der Wirtschaftspublizisten. Während es etwa in Wien vor 25 Jahren nur vier bis fünf Kraftwerke gegeben habe, seien es heute durch den Photovoltaik-Ausbau rund 60.000 dezentrale Erzeugungsstätten. Dennoch habe sich bei der Elektrifizierung wenig getan. Mehr Elektrizität sei aber unverzichtbar für Klimaschutz und geopolitische Unabhängigkeit. Vorrangige Felder für den Umstieg von fossilen Energieträgern auf Strom seien der Verkehrssektor, die Raumwärme mittels Wärmepumpen sowie industrielle Prozesse. "Der Switch vom Verbrennermotor zu Elektromobilität ist einfach ein Gebot der Stunde."

Um die Netzkosten langfristig zu begrenzen, müssen laut E-Control die Verbrauchsspitzen geglättet werden. "Wenn wir es schaffen, dass wir diese Spitzen wegbringen und zu einer gleichförmigeren Belastung kommen, dann können wir uns, das sind die Berechnungen aus unserem Hause, ca. 300 Millionen Euro per anno an zusätzlichen Netzkosten ersparen", sagte Strebl. Mit der Umstellung der Netztarife ab Jänner 2027 (mit Übergangsfrist bis Ende Juni 2028) von der reinen Verbrauchsmenge hin zum Leistungspreis sollen Verursacher von Lastspitzen stärker zur Kasse gebeten werden. Tendenziell seien normale Haushalte ohne Großverbraucher die Gewinner der Reform. Wer hingegen Großgeräte wie E-Auto-Ladestationen, Saunen und Backöfen gleichzeitig betreibe und sein Verhalten nicht anpasse, müsse mit Mehrkosten von 10 bis 15 Euro pro Monat rechnen.

Dabei wolle man aber in den Stromverbrauch der Kunden nicht direkt eingreifen, betonte Strebl. "Ich halte es nicht für zumutbar, dass man dem Kunden vorschreibt, wie er seinen Stromverbrauch gestaltet, sondern es muss sich der Kunde selber aussuchen. Das Zauberwort in der neuen Energiewirtschaft heißt Flexibilität." Durch zeitvariable Tarife wie den Sommer-Nieder-Arbeitspreis (SNAP) oder den künftigen Winter-Nieder-Arbeitspreis (WiNAP in den Nachtstunden von 23 bis 5 Uhr) sowie Vereinbarungen zur flexiblen Entnahme - bei der Kunden gegen einen 75-prozentigen Leistungspreis-Rabatt dem Netzbetreiber temporäre Drosselungen erlauben - ließen sich Netzkosten spürbar reduzieren. Günstige Zeitfenster für den Verbrauch lägen vor allem um die Mittagszeit bei hoher Solarerzeugung sowie in den späten Nachtstunden. Zwar würden die Netzkosten durch die Energiewende langfristig steigen, Verhaltensanpassungen und Mengeneffekte könnten diesen Anstieg jedoch abfedern.

Insgesamt gab es Ende 2025 in Österreich rund 4,37 Millionen Haushaltskunden mit etwa 5,25 Millionen Strom-Zählpunkten. Nach Berechnungen der E-Control gehören rund 75 Prozent der Haushaltskunden zu den Gewinnern der Tarifreform, weil sie keine extremen Leistungsspitzen aufweisen. Etwa 3 Prozent bleiben kostenneutral, während rund 22 Prozent der Kunden durch leistungsstarke Geräte potenziell höhere Netzentgelte zahlen müssten, wenn sie ihre Nutzungszeiten nicht anpassen oder Energiemanagementsysteme nutzen.

Was die Gasnetze angeht, warnte Strebl vor einem unkoordinierten Ausstieg. "Das Schlimmste, was den Gasnetzbetreibern passieren kann und das Teuerste für die Volkswirtschaft ist, dass da ein richtiger Fleckerlteppich entsteht." Durch den Wegfall eines großen Teil des Gastransits seien große Transportmengen weggebrochen, was bei unveränderten Netzkosten zu steigenden Gebühren für die verbleibenden Kunden führe. Nötig seien geordnete Rückzugspläne und die Abschaffung veralteter rechtlicher Vorgaben, etwa der Anschlusspflicht für Gasnetzbetreiber. Wasserstoff werde auch in Zukunft bei der Raumwärme keine Rolle spielen, sondern Großabnehmern in der Industrie sowie ausgewählten Kraftwerken vorbehalten bleiben. Ungefähr 85 Prozent des bisherigen Gasverbrauchs ließen sich durch andere Energieträger ersetzen.

Mit Blick auf den steigenden Strombedarf durch Großprojekte wie geplante Rechenzentren verwies Strebl auf internationale Vorbilder. Zwar verteile eine höhere Verbrauchsmenge die Infrastrukturfixkosten auf mehr Schultern, der stark steigende Bedarf könnte jedoch zu Verteuerungen am Strommarkt führen. Strebl schlägt daher Auflagen nach US-amerikanischem Vorbild vor: Bei Großrechenzentren könnte das Prinzip "Bring your own energy" greifen, womit Betreiber verpflichtet würden, einen beträchtlichen Teil ihres enormen Strombedarfs durch eigene, zusätzlich errichtete Erzeugungsanlagen abzudecken.

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