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CO2-Speicheroption könnte Klimaschutzverzögerung bringen

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In Nordeuropa betreibt man CCS auf hoher See
©JONATHAN NACKSTRAND, Afp, APA
Die Regierung will per Gesetz das seit 2011 geltende Verbot zur CO2-Speicherung in Österreich aufheben. Die Begutachtungsfrist dazu ist Ende Oktober ausgelaufen. Aus Sicht von Expertinnen und Experten birgt alleine die theoretische Aussicht auf CO2-Speicherung die reale Gefahr, dass Maßnahmen zur Treibhausgasemissionsreduktion verzögert oder unterlassen werden, hieß es am Freitag. Mit einer raschen Umsetzung von Speicheranlagen sei angesichts des CO2-Preises nicht zu rechnen.

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Um die Erderhitzung zu bekämpfen, muss der Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlenstoffdioxid (CO2) bekanntlich drastisch reduziert werden. Einige sehr energieintensive Industriezweige, etwa die Stahl-, Zement- oder Papierproduktion, können ihre Emissionen allerdings nur bedingt signifikant reduzieren. Um solche sozusagen "unvermeidbaren" Treibhausgase dennoch nicht in die Atmosphäre entweichen zu lassen, setzen bereits Länder wie Dänemark und Norwegen auf CO2-Abscheidung und -Speicherung, auch als "Carbon Capture and Storage" (CCS) bekannt. Das Kohlenstoffdioxid wird dabei gesammelt, verflüssigt und über Rohrleitungen oder in Lastwagen zum Speicherort transportiert. Es wird dann in geologische Strukturen, wie etwa ausgeförderte Gasfelder, gepumpt und dort gespeichert.

Bei dem von "Diskurs. Das Wissenschaftsnetz" organisierten Pressegespräch monierten Alina Brad und Etienne Schneider von der Universität Wien, dass in dem Gesetzestext die Chance verabsäumt wurde, "unvermeidbare Emissionen" klar zu definieren. Der Text spreche von einem "vorrangigen" Einsatz von CCS im Zusammenhang mit eben nicht näher ausgeführten unvermeidbaren Emissionen, erklärte Brad.

Klar sei, will man mit CO2-Speicherung tatsächlich zum Netto-Null-Treibhausgasemissionen beitragen, müsse auch darüber gesprochen werden, was wir gesellschaftspolitisch als absolut notwendig ansehen. So stelle sich beispielhaft die Frage, ob der mit hohem Treibhausgasausstoß behaftete hohe Fleischkonsum sozusagen als unverrückbar angesehen wird. Zurück im CCS-Kernbereich könne man auch darüber diskutieren, wie viel Zement es für Bauprojekte braucht bzw. wie viel überhaupt gebaut werden muss. Aus bisherigen politikwissenschaftlichen Arbeiten sei in Bezug auf CCS abzulesen, dass alleine die politische Option auf CO2-Speicherung die Umsetzung von teils viel näher liegenden Maßnahmen zur ursächlichen Vermeidung von Emissionen untergraben kann, betonte Schneider.

An eine breitere Umsetzung von CCS-Projekten hierzulande in absehbarer Zeit glaubt Tobias Pröll von der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien aber ohnehin nicht. Das liegt an den prognostizierten Kosten von rund 200 Euro pro Tonne CO2 und darüber. Behalte man im Kopf, dass eine Tonne im Emissionshandel momentan unter 100 Euro kostet, ist der Anreiz für die betroffenen Industriesparten, in konkrete CCS-Projekte zu investieren, entsprechend gering. Wenn man in Europa bei einem tatsächlich "wirksamen CO2-Preis" angelangt wäre, würde auch die Industrie automatisch nach günstigeren Optionen suchen. Ergo: "CCS kommt, wenn wir Klimaziele wirklich anstreben", so Pröll. Sehe man sich aber an, wie belastet Europas Industrie etwa durch hohe Energiepreise aktuell ist und wie sich höhere Produktionskosten letztlich in höhere Kosten für ebenso gebeutelte Konsumenten übersetzen, dann sei nicht klar, wie man einen höheren CO2-Preis durchbringt "und dabei noch Wahlen gewinnt", so der Wissenschafter vom Institut für Verfahrens- und Energietechnik der Boku.

Prinzipiell gibt es in Österreich frühere Öl- und Gaslagerstätten, die für das Einpressen von abgeschiedenem CO2 aus Industrieprozessen geeignet wären. Diese liegen bekanntlich im Raum Wien, im Marchfeld oder im oberösterreichischen Alpenvorland. Der Bedarf an derart technisch eingespeicherten CO2 liegt laut Pröll immerhin bei 10 bis 30 Millionen Tonnen pro Jahr. Durch die vorhandenen Lagerstätten seien die Voraussetzungen für CCS hierzulande also prinzipiell gegeben, entscheidend für die Umsetzung sei aber eben nicht unbedingt ein Gesetz, sondern der Preis.

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