DUBUQUE, IOWA, 1. NOVEMBER 2026: US-Präsident Donald Trump spricht nach der Landung mit der Air Force One am Regionalflughafen Dubuque mit den Medien. Er reist nach Iowa und Kansas, um vor den Zwischenwahlen am 3. November bei Wahlkampfveranstaltungen republikanische Kandidaten zu unterstützen.
©AFP, APA, BRENDAN SMIALOWSKINach den Zwischenwahlen in den USA reagieren die Finanzmärkte deutlich. Der Euro legt zum Dollar zu, der ATX steigt spürbar. Was hinter den Bewegungen steckt und was sie für Urlauberinnen, Urlauber und heimische Exporteure bedeuten.
Ein Euro kostete am Mittwoch 1,1267 Dollar. Das ist der Referenzkurs, den die Europäische Zentralbank am Nachmittag festgestellt hat, am Wahltag waren es noch 1,1179 Dollar. Der Euro legte damit binnen eines Tages um rund 0,8 Prozent zu und erreichte den höchsten Wert der vergangenen zwei Wochen. Umgekehrt heißt das: Der Dollar hat gegenüber dem Euro an Wert verloren.
Noch deutlicher fiel die Bewegung an der Wiener Börse aus. Der Leitindex ATX stand laut Wiener Börse am Mittwoch kurz nach 17 Uhr bei 6.532,93 Punkten, ein Plus von 2,14 Prozent gegenüber dem Vortag. Für einen einzelnen Handelstag ist das ein kräftiger Anstieg. Die Schlusskurse standen zu diesem Zeitpunkt noch aus.
Worauf die Märkte reagieren
Im Mittelpunkt steht der Ausgang der Zwischenwahlen vom Dienstag. Laut Hochrechnungen US-amerikanischer Medien haben die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat gewonnen. Ein amtliches Ergebnis gibt es noch nicht, die Mitgliederliste des Repräsentantenhauses führt noch die bisherige Zusammensetzung mit einer knappen republikanischen Mehrheit. Für die letzten beiden Amtsjahre von Präsident Donald Trump würde ein demokratisch kontrollierter Kongress bedeuten, dass er Gesetze kaum noch ohne die Opposition durchbringt.
Die Reaktion verlief nicht geradlinig. In der Nacht und in Asien gaben die Kurse zunächst nach, zur Eröffnung in New York legten die großen US-Indizes dann nach Agenturberichten deutlich zu. Unter Druck gerieten vor allem Betreiber von Rechenzentren und Teile der Chipbranche, die besonders stark vom Ausbau künstlicher Intelligenz abhängen. Auch die Tesla-Aktie verlor, Elon Musk hatte im Wahlkampf die Republikaner unterstützt. An den Märkten wird erwartet, dass ein demokratischer Kongress strengere Regeln für Rechenzentren und eine Rücknahme einzelner US-Zölle anstreben könnte. Zusätzlich gab der Ölpreis nach, was Börsen in Europa ebenfalls stützt.
Was die US-Renditen zeigen
Schon vor dem Wahltag waren die Renditen der US-Staatsanleihen gestiegen. Laut dem US-Finanzministerium lag die Rendite zehnjähriger Anleihen am 2. November bei 4,91 Prozent und am Wahltag bei 4,95 Prozent. Die Werte für Mittwoch veröffentlicht das Ministerium erst nach Handelsschluss. Sinkende Renditen würden bedeuten, dass Anlegerinnen und Anleger verstärkt in die als sicher geltenden Anleihen ausweichen oder mit niedrigeren Zinsen rechnen.
Was der stärkere Euro für Österreich bedeutet
Für Reisende in die USA ist ein stärkerer Euro ein Vorteil, sie bekommen für ihr Geld mehr Dollar. Auch Waren, die in Dollar abgerechnet werden, verbilligen sich tendenziell. Für Unternehmen, die in die USA exportieren, gilt das Gegenteil: Ihre Produkte werden dort teurer.
Die USA sind für Österreich ein wichtiger Markt. Laut Statistik Austria gingen 2025 Waren im Wert von 12,92 Milliarden Euro dorthin, das waren 6,8 Prozent aller Exporte und Platz zwei hinter Deutschland. Gegenüber 2024 brachen die Ausfuhren in die USA allerdings um 20,4 Prozent ein. Ob ein demokratisch kontrollierter Kongress die Zölle tatsächlich lockern kann, ist offen, Trump behält sein Vetorecht.
Quellen
Europäische Zentralbank: Euro foreign exchange reference rates, US dollar (4. November 2026)
Wiener Börse: Aktuelle Indexwerte (4. November 2026)
U.S. Department of the Treasury: Daily Treasury Par Yield Curve Rates (November 2026)
Statistik Austria: Außenhandel 2025, vorläufige Ergebnisse (9. März 2026)
Office of the Clerk, U.S. House of Representatives: Members (4. November 2026)
Weitere Quelle: Reuters, Wall Street rallies after Democrats win Congress, data center stocks slide (4. November 2026)
