Unter dem Motto „Ohne Klimaschutz ist alles nix“ hat Fridays for Future am 16. Oktober zu einem österreichweiten Klimastreik aufgerufen. Demonstriert wird in sieben Landeshauptstädten. Anlass sind der Hitzesommer und das Klimagesetz, das noch bis Ende Oktober in Begutachtung ist.
Ein Aktionstag in ganz Österreich
Die Klimabewegung Fridays for Future hat für Freitag, 16. Oktober, zu einem Klimastreik in ganz Österreich aufgerufen. Das Motto lautet „Ohne Klimaschutz ist alles nix“. Kundgebungen und Demonstrationszüge sind in Wien, Graz, Salzburg, Linz, Innsbruck, Bregenz und Klagenfurt angemeldet, also in sieben der neun Landeshauptstädte.
Die Bewegung fordert nach eigenen Angaben „wirksame Maßnahmen“ und eine klare Linie der Bundesregierung in der Klimapolitik. Verantwortliche sollen für eine aus Sicht der Organisatorinnen und Organisatoren zu schwache Reaktion auf den heißen Sommer zur Rechenschaft gezogen werden.
Wo und wann demonstriert wird
In Wien beginnt der Großstreik laut Fridays for Future um 14.30 Uhr mit einer Auftaktkundgebung auf der Hauptallee beim Praterstern. Ab 15 Uhr zieht der Demonstrationszug in die Innenstadt, gegen 15.45 Uhr ist eine Zwischenkundgebung vor dem Klimaschutzministerium geplant. Die Schlusskundgebung mit Reden und Musik findet ab 17 Uhr am Maria-Theresien-Platz statt, das Ende ist für 18.30 Uhr angesetzt.
In Klagenfurt startet die Demonstration um 14 Uhr am Neuen Platz, in Innsbruck um 15.30 Uhr mit dem Ziel Landhausplatz. In Salzburg geht es um 16 Uhr vom Hauptbahnhof über die Staatsbrücke zum Residenzplatz, in Linz um 16 Uhr vom Pfarrplatz zum Landhaus. In Bregenz ist der Treffpunkt um 16 Uhr am Kornmarktplatz. Der ÖAMTC rechnet vor allem am Nachmittag mit Staus und Behinderungen in den Innenstädten.
Raddemo in Graz gegen den Ausbau der A9
In Graz ist eine Fahrraddemonstration angemeldet. Sie richtet sich gegen den geplanten Ausbau der Pyhrnautobahn A9, den die Grazer Gruppe als fossiles Großprojekt bezeichnet. Treffpunkt ist der Europaplatz, gegen 18.15 Uhr soll der Zug den Mariahilferplatz erreichen. Die Organisatorinnen und Organisatoren hatten ursprünglich eine Route über die Autobahn angekündigt, laut ÖAMTC ist eine Fahrt auf der A9 aber nicht vorgesehen.
Fridays for Future Graz kritisiert zudem, dass bei Investitionen in Klimaschutz gespart werde, während Straßenprojekte weiterlaufen. Den Entwurf für das neue Klimagesetz bezeichnet die Gruppe als zahnlos.
Der Hitzesommer als Anlass
Ein zentraler Bezugspunkt der Proteste ist der vergangene Sommer. Die Gesundheitsagentur AGES schätzt die Zahl der hitzebedingten Todesfälle in Österreich für Juni bis August 2026 auf 995. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Auswertungen im Jahr 2017. Im Jahr davor lag die Schätzung bei 428, im Hitzejahr 2024 bei 948.
Die AGES weist darauf hin, dass es sich um modellbasierte Schätzungen handelt und nicht um gezählte Einzelfälle. Die Unsicherheitsspanne für 2026 reicht von 625 bis 1.276 Todesfällen. Fridays for Future verweist außerdem auf Schäden in der Landwirtschaft durch die Dürre.
Was das geplante Klimagesetz vorsieht
Politisch fällt der Streik in eine entscheidende Phase. Die Bundesregierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS hat am 18. September den Entwurf für ein neues Klimagesetz in Begutachtung geschickt, Stellungnahmen sind noch bis 30. Oktober möglich. Es ist ein Rahmengesetz mit dem Ziel, Emissionen außerhalb des EU-Emissionshandels bis 2040 auf Klimaneutralität zu bringen. Zentrales Instrument ist ein Klimafahrplan mit Reduktionspfaden und Maßnahmen von Bund und Ländern, der erstmals bis Ende 2027 beschlossen werden soll.
Kommt Österreich vom Zielpfad ab, muss die Regierung laut Umweltministerium binnen sechs Monaten ein Sofortprogramm vorlegen. Neu sind außerdem eine Steuerungsgruppe von Bund und Ländern und ein wissenschaftlicher Klimabeirat. Eine sogenannte Standortklausel erlaubt es, den Fahrplan anzupassen, wenn schwere wirtschaftliche oder soziale Folgen drohen. Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) sagte bei der Präsentation, das Gesetz habe „eine klare ökosoziale Handschrift“. NEOS-Umweltsprecher Michael Bernhard betonte, Österreich bekomme nach mehr als 2.000 Tagen ohne Klimagesetz „endlich einen verbindlichen Rahmen“.
