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Der Rekord von nun gleich vier Raumfahrern, die so weit ins All vorgedrungen sind wie nie ein Mensch zuvor, kommt da passend zum Internationalen Tag der bemannten Raumfahrt am 12. April, der auf Gagarins Flug zurückgeht. Er wird auch auf der Internationalen Raumstation ISS begangen, wo Russen und Amerikaner zusammenleben. Zwar ist die ISS inzwischen mehr als 27 Jahre in Betrieb, ein Ende ist nicht in Sicht. Allerdings hat Russland den Bau einer eigenen Raumstation für die 2030er-Jahre angekündigt.
Der "Artemis 2"-Erfolg der US-Raumfahrtbehörde NASA rückt vor allem eins in den Vordergrund: den Wettlauf zum Mond, bei dem die USA und China Russland längst auf der Strecke lassen. Während die USA schon 2028 auf dem Mond landen wollten, sei Russland nicht einmal in der Lage, seine Pläne für die Mondsonden zu erfüllen, sagt der russische Raumfahrtexperte Georgi Trischkin. Er fürchtet, dass sich der Abstand eher noch vergrößert.
Tatsächlich verschiebt die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos immer wieder Expeditionen, nachdem ihre erste unbemannte Mondmission seit 1976 kläglich gescheitert war. Die Sonde "Luna-25" zerschellte im August 2023 an der Mondoberfläche - eine teure Schlappe. Indien hatte zuvor eine Sonde mit Erfolg zum Mond gebracht.
Klar ist, dass Russland viel Geld in seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine steckt, das an anderer Stelle fehlt. Zusätzlich spürt das Land den Druck westlicher Sanktionen. Aber zu Sowjetzeiten im Kalten Krieg hielt das Moskau nicht davon ab, führend zu sein. Schon 1957 löste das Land den "Sputnik"-Schock aus, als es überhaupt erstmals ins Weltall vordrang. Gut zehn Jahre später – 1968 – gelang den USA eine bemannte Mondlandung.
Experte Trischkin hält Russlands Probleme heute für tiefgreifend. "Die Branche befindet sich in einer Stagnationsphase, die mit einem Personalüberhang, untragbaren Schulden bei den wichtigsten Unternehmen und einer Unterfinanzierung in allen Bereichen einhergeht", schreibt er in einer Analyse für die Denkfabrik Carnegie.
Zwar hält Russland an seinen Mondplänen fest. Roskosmos-Chef Dmitri Bakanow träumt sogar davon, dass Kosmonauten von dort aus zum Mars fliegen. Trischkin allerdings meint, das Land habe den Anschluss verpasst und könne allenfalls noch technische Lösungen für eine künftige Mondstation beisteuern - etwa bei der Nutzung von Kernenergie für den Betrieb einer solchen Anlage.
Bei der noch bis zum 12. April laufenden ersten "Woche der Raumfahrt" in Moskau hat der Atomkonzern Rosatom gerade angekündigt, er wolle kleine atomare Reaktoren für einen solchen Außenposten der Menschheit auf dem Mond bauen, die mindestens zehn Jahre autonom laufen könnten. Auch ein atomarer Antrieb für Raketen sei möglich.
Zum Erfolg der vier NASA-Astronauten, die den Mond nun umrundet haben, sagt der Kosmonaut Alexej Subrizki in Moskau, dass dies Ansporn für eine bemannte Mission womöglich in Kooperation mit anderen sein sollte. "Solche Errungenschaften unserer Partner in der Raumfahrt zwingen uns, uns selbst in diese Richtung zu bewegen und womöglich sogar die Schritte zu beschleunigen", sagt er vorsichtig.
Naheliegend für eine Zusammenarbeit für Russland wäre China. So unterzeichneten beide Länder 2025 eine Absichtserklärung für den gemeinsamen Bau eines Mondkraftwerks bis zum Jahr 2036. China treibt seine Pläne für eine bemannte Mondmission bis 2030 schon lange mit großen Schritten voran. 2024 gelang es den Chinesen erstmals in der Geschichte der Menschheit, mit der unbemannten "Chang'e 6"-Mission Bodenproben von der Rückseite des Mondes auf die Erde zurückzubringen.
In diesem Jahr soll die Mission "Chang'e 7" den Südpol des Erdtrabanten erreichen, um dort nach Wassereis zu suchen. Das Unterfangen leitet auch die Erkundung für den Bau einer Mond-Forschungsbasis ein, die China mit der Folgemission "Chang'e 8" errichten will.
Wann genau China erstmals in seiner Raumfahrtgeschichte Menschen auf den Mond schicken will, steht noch nicht fest. Peking gab bisher als Ziel den Zeitraum bis 2030 an. Im Wettrennen mit Raumfahrer-Nationen wie den USA absolvierten die für die Mondmission konstruierte Rakete vom Typ "Langer Marsch 10" und die Rückkehrkapsel im Februar wichtige Tests im südchinesischen Meer vor der Insel Hainan.
Aus Sicht von Experten liegt Chinas Vorteil darin, dass das Raumfahrtprogramm zentral organisiert ist. Dadurch kann Peking Entwicklungen zielgenau steuern und beschleunigen. Chinas Raumfahrtindustrie lief laut Beobachtern den USA etwa in der Raketentechnologie hinterher. Doch die Branche holt auf. Mittlerweile arbeiten mehrere Unternehmen an wiederverwendbaren Raketen-Modellen ähnlich jenen des Raumfahrtunternehmens SpaceX von Elon Musk.
Zudem kooperieren die Chinesen mit vielen anderen Nationen. Ein Astronaut aus Pakistan soll etwa die chinesische Weltraumstation "Tiangong" besuchen. "Chang'e 6" hatte unter anderem Instrumente aus Frankreich an Bord. Zudem wählte China Projekte mehrerer Länder im Rahmen seines Mondprogramms aus, darunter Italien, Russland, Thailand oder der Türkei.






