von
Dennis Wang von den Centers for Disease Control (CDC) der Vereinigten Staaten und seine Co-Autoren haben ihre wissenschaftliche Arbeit im wöchentlichen Bericht über Erkrankungen und Mortalität (Morbidity and Mortality Weekly Report/MMWR) der staatlichen US-Institution veröffentlicht. Die Publikation ist seit Jahrzehnten hoch angesehen. Ehemals wurden in ihr die ersten verdächtigen Befunde bezüglich HIV/Aids publiziert.
In der neuesten Ausgabe (28. Mai) haben sich die Epidemiologen eines der ersten viel beachteten Masern-Ausbrüche in den Vereinigten Staaten zwischen 20. Jänner und 18. März im vergangenen Jahr in West-Texas angenommen. Ehemals gab es in den USA bis auf importierte Fälle überhaupt keine Masern mehr. Das Land wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2000 als "masernfrei" qualifiziert. Doch offenbar kam es zunehmend zu Lücken bei der Durchimpfung. Für eine ausreichende Herdenimmunität müssten 95 Prozent der Menschen die notwendigen zwei Teilimpfungen erhalten haben.
Die Entwicklung in den USA mit dem Nachlassen der Impffreudigkeit führte schließlich wieder zu massiven Ausbrüchen, die weltweit für Aufsehen sorgten. 2026 wurden bis 21. Mai bereits 1.943 Fälle in 40 US-Bundesstaaten registriert. 2025 waren es landesweit insgesamt 2.288 gemeldete Erkrankungen gewesen.
In West-Texas zeigte sich jedenfalls laut den Wissenschaftern ganz klar die Gefährlichkeit der Virusinfektion bei den dort innerhalb von zwei Monaten aufgetretenen 325 Fällen. Dennis Wang und seine Co-Autoren: "60 Patienten (18,5 Prozent) mussten stationär behandelt werden. Die verfügbaren Krankenakten von 54 ins Spital aufgenommenen Kranken wurden ausgewertet: 49 (90,7 Prozent) waren jünger als 18 Jahre, 48 (88,9 Prozent) hatten keine Vorerkrankungen. Alle 54 waren ungeimpft oder ihr Impfstatus war unbekannt."
Im Mittel dauerte der Krankenhausaufenthalt zwar nur zwei Tage, es gab aber eine Bandbreite von bis zu 20 Tagen Spitalsaufenthalt. "Viele Betroffene hatten Komplikationen, darunter Lungenentzündung (39; 72,2 Prozent), Dehydration (25; 46,3 Prozent) (...) und Fieberkrämpfe (ein Patient; 1,9 Prozent). 38 (70,4 Prozent) der stationär aufgenommenen Kranken benötigten zusätzlichen Sauerstoff, vier (7,4 Prozent) wurden auf eine Intensivstation verlegt, zwei (3,7 Prozent) mussten intubiert und beatmet werden, ein Patient (1,9 Prozent) verstarb."
Die Wissenschafter lassen keinen Zweifel daran, dass die Masernimpfung die einzig wirksame Maßnahme zur Beseitigung der Gefahr ist. "Die Krankheitsverläufe von Patienten, die während dieses Ausbruchs stationär behandelt wurden, unterstreichen die Schwere einer Maserninfektion und verdeutlichen, dass Masern lebensbedrohliche Komplikationen an mehreren Organsystemen verursachen und sowohl Patienten als auch das Gesundheitssystem erheblich belasten können", fassten sie ihre Erkenntnisse zusammen.
In Österreich gab es im Jahr 2024 laut der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) 542 Masernfälle. Damals mussten 120 Personen (22,8 Prozent) im Krankenhaus behandelt werden, vier davon auf einer Intensivstation. 2025 wurden 152 Masernfälle registriert. Von 141 Betroffenen mit vollständig vorhandenen Angaben über den Verlauf der Erkrankung kamen 35 (24,8 Prozent) ins Spital. 2026 gab es bis 20. Mai erst vier bestätigte Masernerkrankungen. Allerdings, so die AGES: "Mit weiteren Fällen ist zu rechnen."
A person walks past a sign at a health center where the MMR (measles-mumps-rubella) vaccine is administered in Lubbock, Texas, on February 27, 2025. Dozens of children are being rushed to a health center in the US state of Texas to get the measles vaccine, after the recent death in the area of a child who was not immunized against the highly contagious virus. The death came as immunization rates have declined nationwide, with the latest cases in the west Texas town of Lubbock concentrated in a Mennonite religious community that has historically shown vaccine hesitancy. (Photo by RONALDO SCHEMIDT / AFP)






