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Analysiert wurden in der Langzeitstudie die individuellen Verlaufsdaten aller Taferlklassler des Schuljahres 2004/05 - insgesamt 85.535 Personen - über 17 Jahre hinweg. Dabei zeige sich, "dass wir alle im selben Bildungssystem sind, aber je nach sozialem Hintergrund in ganz anderen Bildungswelten", so der Studienautor und IHS-Bildungsexperte Mario Steiner bei der Präsentation. Die sozialen Ungleichheiten würden sich früh manifestieren und im Laufe der Schulkarriere vergrößern. Den größten Einfluss hat dabei das Bildungsniveau der Eltern.
Bereits im Volksschulalter besuchen sechs Prozent der Kinder von Eltern, die nur eine Pflichtschule absolviert haben, eine Sonderschule, bei den Akademikerkindern ist es nur ein Prozent. Besonders stark vergrößert sich die Kluft dann nach der Volksschule: Während 65 Prozent der Akademikerkinder eine AHS-Unterstufe besuchen, sind es nur 11 Prozent der Nachkommen von Pflichtschulabsolventen. In den weiterführenden Schulen vergrößern sich die Unterschiede weiter: 83 Prozent der Kinder aus bildungsprivilegierten Haushalten besuchen eine maturaführende Schule, aber nur 24 Prozent der Bildungsbenachteiligten. Im Alter von 22 Jahren sind schließlich 59 Prozent der Akademikerkinder in tertiären Ausbildungen (Universität, Fachhochschule oder Pädagogische Hochschule), aber nur 11 Prozent der Kinder, deren Eltern maximal über einen Pflichtschulabschluss verfügen, studieren.
Überraschend geringer sind dagegen die Unterschiede der Bildungswege je nach Migrationshintergrund. Mit 16 Jahren besuchten 54 Prozent der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund eine maturaführende Schule. Bei jenen mit Migrationshintergrund in der ersten Generation waren es 39 Prozent, bei jenen der zweiten Generation immerhin 47 Prozent. Daher greife es zu kurz, Personen mit Migrationshintergrund pauschal als benachteiligte Personengruppe einzustufen, stattdessen müsse zwischen sozioökonomischen Untergruppen differenziert werden, meint Steiner.
Die Studienergebnisse würden zeigen, dass die Vererbung von Bildung in hohem Ausmaß gegeben sei, erklärt der IHS-Bildungsexperte. Um das zu ändern, empfiehlt Steiner einen starken Ausbau der Ganztagsschulen, damit die häusliche und private Unterstützung an Bedeutung verliert. "Von den Kindern, deren Eltern maximal einen Pflichtschulabschluss haben, schaffen es zwar viele, eine Lehre abzuschließen - also durchaus einen Bildungsaufstieg -, aber von der höheren Bildung bleiben sie weitgehend ausgeschlossen", so Steiner.
Deutliche Unterschiede in der Bildungslaufbahn zeigen sich auch zwischen den Geschlechtern. Der Bildungsweg führt Mädchen häufiger über die AHS an die Universität, Buben dagegen öfter über die Mittelschule in die Lehre. Im Alter von 13 Jahren besuchen mit 3 Prozent deutlich mehr Buben eine Sonderschule als Mädchen (1 Prozent). In der Lehre sind die Burschen (36 Prozent) deutlich überrepräsentiert (Mädchen 20 Prozent), dagegen im Studium die jungen Frauen (32 Prozent gegenüber 24 Prozent der Männer).
Der Besuch einer Sonderschule ist laut den Studienergebnissen ebenfalls mit deutlich unterschiedlichen Chancen auf Integration in Bildung und Beschäftigung im späteren Leben verbunden. 50 Prozent jener, die in der Pflichtschulzeit eine segregierte Sonderschule besucht haben, sind im Alter von 23 Jahren erwerbsfern, inaktiv oder arbeitslos. Nach dem Besuch einer integrierten Form der Sonderschule sind es 25 Prozent, bei Kindern im Regelschulsystem liegt der Anteil dagegen bei lediglich 11 Prozent.
