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Mit der vom WU-Kompetenzzentrum für Nonprofit-Organisationen und Social Impact erstellten und vom Forschungsrat FORWIT unterstützten Studie habe man die Bedeutung gemeinnütziger Stiftungen und Fonds für den heimischen Forschungsstandort aufzeigen wollen - "und gemeinnützige Stiftungen verstehen wir als eine institutionalisierte Form der Philanthropie", sagte Studienautor Reinhard Millner. Man verfolgte bei der Datenerhebung zwei Ansätze.
Dem ersten Ansatz liegt vor allem eine Analyse des Stiftungsregisters zugrunde: Von den insgesamt 903 detektierten Stiftungen und Fonds in Österreich setzen sich gut ein Drittel (349) für den Bereich "Bildung und Forschung" ein - die Kategorie belegt Platz zwei hinter der Kategorie "Soziale Dienste" (398) und liegt vor "Kultur, Sport und Erholung" (182). Einen Fokus auf Wissenschaft und Forschung hätten laut Studie dabei 211 Stiftungen. Zähle man "gemischtnützige" Privatstiftungen noch hinzu - also jene, die in ihrem Stiftungszweck öffentlich nachvollziehbar zumindest die Möglichkeit vorsehen, sich neben eigennützigen Interessen auch für das Gemeinwohl zu engagieren -, dann komme man gar auf 262 Stiftungen mit Anliegen für Wissenschaft und Forschung, hieß es. Ein Ergebnis, das die Experten durchaus überraschte.
In einem zweiten Ansatz suchte man bei mehr als 300 gemeinwohlorientierten Forschungseinrichtungen in Österreich nach Hinweisen auf philanthropische Förderbeziehungen. Insgesamt konnten laut Millner knapp 500 Förderbeziehungen zu rund 280 Stiftungen identifiziert werden. "Die Zahl 500 dokumentiert dabei die Unterkante", so der Experte. Sie ergebe sich aus Förderbeziehungen, die sein Team anhand von Websites, Pressemitteilungen, Jahresberichten usw. zutage beförderte. Und: Zwei Drittel (191) der 280 Stiftungen kommen aus 21 anderen Ländern, wobei 64 ihren Sitz in Deutschland, 53 in den USA und 20 in der Schweiz hätten.
Die Studie weist auch die 30 meistgeförderten Forschungseinrichtungen aus: Besonders erfolgreich bei der Einwerbung von privaten Mitteln im Zeitraum Anfang 2020 bis Mai 2026 waren dabei die Central European University (CEU) mit 22 Fördergebern, die gemeinnützige Organisation "Salzburg Global Seminar" (20), gefolgt von der Diplomatischen Akademie Wien (18), dem International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA), der Meduni Wien und der WU Wien (je 14) und dem ISTA (12). Die Förderer können die Institutionen dabei auch durchaus mehrfach unterstützt haben.
Thematisch zeigte sich, dass am häufigsten der Bereich Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften gefördert wird, gefolgt von der Gruppe der Sozialwissenschaften und den Kultur- und Geisteswissenschaften. Förderungen meinen dabei z.B. finanzielle Zuwendungen, Infrastrukturausbau bis hin zur Wissenschaftskommunikation sowie Auszeichnungen und Preisverleihungen.
Verbandsvorstand Oliver Lehmann, Wissenschaftsmanager des Institute of Science and Technology Austria (ISTA), verwies auf die Beobachtung, dass internationale Stiftungen oftmals einzelne Forscher oder Forscherinnen fördern. Die hohe Anzahl von Stiftungen in Österreich in der Kategorie "Bildung und Forschung" sei eine gute Ausgangslage - gleichzeitig brauche es hierzulande auch noch eine gute Portion Professionalisierung in diesem Bereich. Das starke Investment internationaler Stiftungen in Österreich könne aber zugleich auch "als Qualitätsausdruck für Forschung in Österreich" gewertet werden. Politisch könne aber auch noch die eine oder andere Weichenstellung erfolgen, um insbesondere Privatstiftungen mehr Anreize zur Förderung zu bieten, so die anwesenden Experten.
Das "Fördervolumen als große Unbekannte", so Millner, kann auch diese Studie nicht auflösen: Er verwies aber auf eine Auswertung der Wissensbilanzen aller 22 öffentlichen Universitäten für die Jahre 2020 bis 2025. Sie zeigt, "dass private Mittel, die Stiftungen zugeordnet werden können, eine kleine, aber wachsende Einnahmequelle darstellen", wie es in der Studie heißt. Dennoch bleibe der Anteil an den gesamten Drittmittelförderungen sehr gering.
"Mit den Geldern wird man nicht kurzfristig Budgetlücken schließen können", sagte FORWIT-Geschäftsführer Thomas König. Stiftungsgelder dürften immer nur komplementär zur Förderung durch die öffentliche Hand gesehen werden und eben auch sehr speziellen Dingen, etwa innovativen Methoden, zugute kommen. Die stark internationalisierte Landschaft in Österreich sei - bei aller Freude und Würdigung der österreichischen Forschung - zugleich auch "ein Armutszeugnis".
Bei der Studie, die auch die aktivsten Stiftungen in Österreich im Bereich Forschung anführt (auf den ersten drei Plätzen finden sich die Marshallplan-Jubiläumsstiftung, gefolgt von der B&C Privatstiftung und der VolkswagenStiftung), tat sich aber auch eine weitere Lücke auf, wie VgS-Geschäftsführer Günther Lutschinger anführte: Stiftungen und ihre Fördermöglichkeiten seien vielfach noch zu wenig sichtbar - auch hier wolle man mit der Studie etwas mehr Einblick bieten.
(S E R V I C E - Die WU-Studie "Das Engagement von Stiftungen und Fonds im Bereich Wissenschaft und Forschung in Österreich" ist ab Mittwoch auf der VgS-Website abrufbar: https://www.stiften.at/der-verband/ )
ZU APA-TEXT II - THEMENBILD - Illustration zu den Themen Sparpaket, Euro, Steuern und Geld aufgenommen am Montag, 6. Februar 2012. Die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP verhandeln über ein umfassendes Sparpaket. APA-FOTO: HELMUT FOHRINGER
