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Ausgehend von der Mikrozensus-Befragung aus dem Jahr 2016 zeigte sich, dass der Kinderwunsch von Frauen im Alter zwischen 19 und 45 Jahren in den Städten kaum geringer ausgeprägt ist als auf dem Land, so Bernhard Riederer und Daria Shapoval vom Institut für Demographie der ÖAW. In Wien, anderen Städten sowie Klein- und Vorstädten lag die insgesamt gewünschte Kinderzahl im Durchschnitt etwas über 1,8. In ländlichen Gebieten waren es knapp zwei, was besonders auf die kleinsten Ortschaften zurückzuführen ist. Zu der Annäherung dürfte vor allem ein rückläufiger Kinderwunsch am Land beitragen, erklärte Riederer im Gespräch mit der APA.
Größere Unterschiede gibt es aber bei der Realisierung, was vor allem an der Zusammensetzung der Bevölkerung liegt. In Wien wurde der Kinderwunsch im Untersuchungszeitraum von 2016 bis 2023 nur zu 35,1 Prozent umgesetzt. In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern (inkl. Wien) waren es 40 Prozent und in ländlicheren Gebieten 49,8 Prozent. Letztere erfüllen ihren Wunsch auch deutlich schneller als Großstädterinnen.
Hauptursache ist laut Studie, dass sich ein höherer Anteil der Frauen mit Kinderwunsch in großen Städten noch in Ausbildung befindet, allein lebt und noch keine Kinder hat. Wer schon Nachwuchs hat, bekommt häufiger und schneller ein weiteres Kind. Eine Rolle spielt auch die geringere durchschnittliche Wohnfläche pro Person und ein geringerer Anteil an Immobilien im Eigentum. "Frauen in Eigentums- oder Genossenschaftswohnungen haben eine größere Realisierungswahrscheinlichkeit als Frauen in Mietwohnungen", sagte Riederer.
Generell nahm die Wahrscheinlichkeit einer Geburt im Lauf des Untersuchungszeitraums ab. Dies sei zu erwarten gewesen, da die Umsetzung schon aus biologischen Gründen mit zunehmendem Alter sinke. Eine Auswertung nach Kalendermonaten ergab, dass das in Österreich übliche Muster einer erhöhten Geburtswahrscheinlichkeit im dritten Quartal in den Jahren 2020 (Pandemie) und ab 2022 (Krieg in der Ukraine sowie steigende Lebenshaltungskosten) gehemmt worden ist.
"Nachdem wir so viele Krisen hintereinander oder teilweise gleichzeitig überlappend gesehen haben, ist es schwierig zu sagen, was der Hauptfaktor dieser Entwicklung ist", so der Demograph. Es gebe Hinweise darauf, dass die Krisen in Wien stärkere Spuren hinterlassen haben. Auch hier könnte der zur Verfügung stehende Wohnraum eine Rolle spielen. Weiteres Ergebnis der Studie: Frauen, deren Väter in Drittstaaten geboren wurden, bekommen früher ein Kind und weisen insgesamt höhere Realisierungschancen auf, was die Stadt-Land-Unterschiede reduzieren dürfte.
Für die von der Stadt Wien geförderte Untersuchung wurden Daten des österreichischen Mikrozensus und des Austrian Micro Data Center (AMDC) der Statistik Austria kombiniert.
Service: Forschungsprojekt: https://www.oeaw.ac.at/vid/research/research-projects/kiwu-ii
ARCHIV - 07.05.2025, Sachsen, Leipzig: Ein Baby, das auf dem Schoß seiner Mutter sitzt, zeigt mit der Hand nach vorne. (zu dpa: «Kinderwunschpaare: Weniger Geld, weniger Chancen») Foto: Elisa Schu/dpa +++ dpa-Bildfunk +++






