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Autosicherheitssysteme schützen Frauen schlechter

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++ ARCHIVBILD ++ Frauen werden häufiger schwer verletzt
©APA, dpa, Robert Michael
Frauen haben bei Autounfällen im Vergleich zu Männern ein um 60 Prozent höheres Verletzungsrisiko. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Österreichischen Verkehrssicherheitsfonds finanzierte Studie der TU Graz. Besonders betroffen seien Beifahrerinnen und Frauen ab 50 Jahren. Die Erkenntnisse würden auf einen Aufholbedarf hinsichtlich der Sicherheit von Frauen in Fahrzeugen hinweisen, wie die TU Graz mitteilte.

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Ziel der Studie war es, anhand realer österreichischer Frontalunfälle zu untersuchen, ob Frauen und Männer bei vergleichbaren Unfallbedingungen ein ähnliches Verletzungsrisiko aufweisen oder ob systematische Unterschiede bestehen. In der Studie wurden daher echte Frontalunfälle aus den Jahren 2014 bis 2024 mit jeweils einer Frau und einem Mann im Auto rekonstruiert und mit virtuellen Menschmodellen in unterschiedlichen Sitzpositionen simuliert. So sollten die Belastungen, die auf den weiblichen und männlichen Körper wirken, objektiv vergleichbar werden.

Die Analyse der Unfalldaten habe gezeigt, dass das Verletzungsrisiko für Frauen generell höher ist als für Männer - unabhängig, ob sie hinter dem Lenkrad oder als Beifahrerinnen im Fahrzeug sitzen: Das durchschnittliche Verletzungsrisiko (leicht, schwer, tödlich verletzt) lag für Frauen bei 89,6 Prozent, während es für Männer bei 56,5 Prozent lag. Das entspricht einem um 60 Prozent höheren Risiko für Frauen. Auffällig war auch, dass Frauen schon bei niedrigeren Geschwindigkeiten schwerere Verletzungen aufwiesen als Männer.

"Unsere Analysen zeigen, dass Frauen vor allem im Bereich des Brustkorbs, der Wirbelsäule sowie an Armen und Beinen überproportional häufig verletzt werden", schilderte die Leiterin der Studie, Corina Klug vom Institut für Fahrzeugsicherheit der TU Graz. Besonders Frauen ab 50 Jahren sind einem höheren Risiko ausgesetzt.

Massiven Einfluss auf das Verletzungsrisiko hat die Sitzeinstellung der Beifahrerin. "Einen weit nach hinten geschobenen oder sogar zurückgelehnten Beifahrersitz haben wir alle schon gesehen. Airbags und Gurte sind für solche Nicht-Standard-Positionen aber nicht ausgelegt", betonte Klug. Das dürfte sich auf das Verletzungsrisiko von Frauen auswirken, denn sie fahren öfter auf dem Beifahrersitz mit.

Die Expertinnen und Experten der TU Graz leiten aus den neuen Erkenntnissen klare Empfehlungen ab. Künftige Fahrzeugsicherheitssysteme sollten jedenfalls besser auf unterschiedliche Körperformen und Sitzpositionen abgestimmt werden. Sie plädieren für realistischere Tests, in denen die unterschiedlichen Körperstaturen von Männern und Frauen - Brustumfang, Beckenbreite, Schultergeometrie - berücksichtigt werden: "Hier sind digitale, biomechanisch realistische Menschmodelle ein wesentlicher Baustein: Wir können mit differenzierten Computersimulationen die historisch männlich geprägten und starren Testverfahren entscheidend erweitern", erklärte Klug. Die digitalen Modelle könnten nicht nur verschiedene Körperformen simulieren, sondern auch die Untersuchung der Auswirkungen in verschiedenen Sitzpositionen ermöglichen, wurde betont.

Die Studie zeigte auch, dass dicke Jacken oder Decken im Auto gefährlich sein können: Sie verschlechtern die Kraftübertragung, wodurch die Gefahr bestehe, dass der Körper bei einem Aufprall unter dem Gurt durchrutscht. Dieses sogenannte 'Submarining' könne zu schweren inneren Verletzungen führen, da der Gurt nicht am stabilen Beckenknochen, sondern in der Region der verletzlichen Weichteile wirkt.

"Neben Designmaßnahmen, damit sichere Sitzpositionen auch bequeme Sitzpositionen sind, ist verstärkte Aufklärung zur richtigen Sitzeinstellung und Gurtposition nötig", zeigte sich Klug überzeugt. "Es ist wichtig, nicht zu weit hinten zu sitzen, die Rückenlehne aufzurichten und den Gurt so zu positionieren, dass der Beckengurt auf dem Beckenknochen liegt und der Schultergurt über das Schlüsselbein läuft. So können die Rückhaltesysteme am besten ihre Funktion entfalten und im Falle eines Unfalls die Person möglichst schonend abbremsen."

Service: Studie "DIVERSE - Unterschiede zwischen Männern und Frauen im Fahrzeug-Insassenschutz". Download unter https://go.apa.at/xKKiUyeB

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