von
Erste Diskussionen darüber, die 14 für die Aus-, Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte zuständigen Pädagogischen Hochschulen (PH) von einer nachgeordneten Dienststelle des Bildungsressorts zu autonomen Einrichtungen zu machen, gab es schon vor zehn Jahren. "Jetzt wäre es wirklich an der Zeit, dass wir hier einen Schritt weitergehen", mahnte die frühere ÖVP-Wissenschafts- und Justizministerin Tempo ein und sah entsprechende Absichtserklärungen im Regierungsprogramm.
Dabei habe sie Verständnis, dass das Ministerium als einziger Dienstgeber der PH-Absolventinnen und Absolventen ein gewisses Mitspracherecht behalten will. Man sei sich einig, dass die Ausbildung so gestaltet sein muss, dass bundesweit die Qualität stimmt, der Lehrerbedarf gedeckt werden kann und Lehrkräfte unabhängig von der Ausbildungsstätte in jedem Bundesland unterrichten können.
Von einer Autonomie erwartet sich Karl mehr Freiräume, vor allem in Personalfragen. Derzeit sind die PH in einem Planstellensystem und bekommen Posten vom Ministerium zugewiesen. Als Ziel nannte Karl, dass an den PH wie in der Privatwirtschaft und an den autonomen Unis das Angestelltenrecht gilt und die PH dadurch flexibler werden. Bei der künftigen Finanzierung kann sie sich eine Mischung aus einem Globalbudget wie an den Unis und einer "bedarfsbezogenen Studienplatzfinanzierung" vorstellen. Die PH bekämen dann abhängig vom Bedarf Studienplätze für die verschiedenen Bereiche - Volksschule, Unterstufen, Oberstufen und auch die Kindergärten - finanziert.
"Es ist wichtig, dass wir die Bedarfe kennen und auch entsprechend ausbilden", betonte Karl, die daran erinnerte, dass es in Österreich nicht nur Zeiten mit zu wenigen, sondern auch zu vielen Lehramtsabsolventen gab. Um die Jahrtausendwende hatte die damalige Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) Maturantinnen und Maturanten wegen des damaligen Überangebots sogar explizit vom Lehramtsstudium abgeraten.
Über die Lehrerausbildung angehen müsste man aus Karls Sicht auch den in Österreich im EU-Vergleich hohen Anteil an fachfremdem Unterricht. An den Mittelschulen wird laut der jüngsten OECD-Lehrerstudie TALIS 2024 ein Fünftel der Lehrkräfte in einem Fach eingesetzt, für das sie eigentlich nicht oder nur zum Teil ausgebildet wurden. An den AHS sind es sieben Prozent. "Das ist schon ein wichtiges Thema".
Maßnahmen gegen den Lehrermangel seien gleichzeitig ein Hebel gegen fachfremden Unterricht, so Karl. Hier sei man bereits "auf einem sehr guten Weg" und das Ministerium sei auch sehr dahinter, hier ein gutes System zur Feststellung des Bedarfs aufzustellen. Wegen der Unwägbarkeiten (Ausbildungsdauer, Teilzeittätigkeit, Karenz) sei Planung hier allerdings alles andere als banal.
Eine große Hilfe wäre laut Karl aber auch, wenn beim Lehramtsstudium der Sekundarstufe (Mittelschule, AHS, berufsbildende mittlere und höhere Schulen/BMHS) wieder verpflichtend ein sogenanntes "Hauptfach" (Deutsch, Mathematik, Englisch) gewählt werden muss, wie es vor der Reform der Lehrerausbildung bei der Mittelschullehrer-Ausbildung an den PH üblich war. Absolventinnen und Absolventen mit zwei "Nebenfächern" hätten oft Probleme, damit auf ausreichend Unterrichtsstunden zu kommen und werden dann fachfremd eingesetzt. Derzeit könne man Studieninteressierte hier aber nur informieren und beraten.
Seit 2016 sind die PH gemeinsam mit den öffentlichen Unis für die Ausbildung der Sekundarstufen-Lehrer zuständig. Eine "Hauptfach"-Pflicht gibt es seither nicht mehr, bei der früheren Ausbildung der AHS- und BMHS-Lehrer an den Unis galt sie schon davor nicht. Eine etwaige (Wieder)einführung müsste freilich mit den Unis und dem Wissenschaftsministerium ausverhandelt werden.
An eine rasche Umsetzung glaubt Karl dabei aber nicht. "Wir sind natürlich alle einig, dass das fachfremde Unterrichten keine gute Lösung ist", stellte sie klar. Eine "Hauptfach"-Pflicht werde dabei auch immer wieder als eine mögliche Lösung ins Spiel gebracht. "Ich habe aber nicht den Eindruck, dass das jetzt sofort umgesetzt wird."
Beatrix Karl am Donnerstag, 05. Juni 2025, anl. einer konstituierenden Sitzung des ORF-Publikumsrats in Wien.






