von
Wiederkehrs Pläne wären noch weiter gegangen und hätten den Lateinunterricht noch stärker beschnitten. Es sei ihm dabei aber nicht um eine "Agenda" gegen ein Fach gegangen, sondern darum, Platz für die neuen Inhalte zu schaffen, so der Minister bei einer Pressekonferenz am Mittwoch.
Im Detail ist die Regelung komplex und kann sogar dazu führen, dass die Stundentafeln gleich bleiben. Im Schulalltag verwenden nämlich nur rund zehn Prozent der Schulen die vom Ministerium vorgegebenen Stundentafeln. Für sie fallen tatsächlich zwei Lateinstunden in der Oberstufe weg sowie eine weitere noch festzulegende Stunde - umgekehrt wird der Informatikunterricht um das Thema KI ergänzt und von zwei auf drei Wochenstunden ausgebaut. Außerdem gibt es für sie ein eigenes Fach Medien und Demokratie im Umfang von zwei Wochenstunden. Die Gesamtstundenanzahl bleibt gleich.
Für die überwiegende Mehrzahl sieht es etwas anders aus: Sie können Medien und Demokratie ebenfalls als Pflichtgegenstand einführen und dafür auch bei anderen Fächern statt Latein oder Sprachen kürzen - einzige Vorgabe: Sie dürfen nicht unter die für die Fächer vorgegebene Mindeststundenzahl fallen. Ebenfalls möglich ist, Medien und Demokratie mit anderen Gegenständen zu koppeln und integriert zu unterrichten. Die Schule muss dann aber nachweisen, dass die Inhalte des Fachs tatsächlich vermittelt werden. Laut AHS-Direktorensprecherin Isabella Zins wäre es etwa möglich, ein eigenes Fach Deutsch und Medien zu schaffen und die Inhalte von Medien und Demokratie dort zu unterrichten. In diesem Fall könnten die Stundentafeln sogar gleich bleiben.
Abseits der Stundentafeln gibt es aber noch weitere Änderungen. So wird etwa das kompetenzorientierte Lernen weiter forciert - also der Fokus weg von der Wissensvermittlung hin zur konkreten Anwendung des Wissens. Außerdem werden die 13 lehrplanübergreifenden Themen von Gesundheitsförderung über Verkehrserziehung bis Umweltbildung auch in den einzelnen Lehrplänen selbst verankert werden, "damit sie auch gelebt werden", so Wiederkehr.
In Geografie und wirtschaftlicher Bildung wiederum werden Themen wie Finanzbildung stärker forciert. Gleichzeitig werden alle Lehrpläne adaptiert - aktuelle Themen sollen dazukommen, gleichzeitig andere aber auch wegfallen. Für die Geografie nannte Wiederkehr etwa die genauere Ausgestaltung von Klimadiagrammen oder naturräumlicher Gegebenheiten.
Für Zins ist das nunmehrige Vorgehen ebenfalls eine gute Lösung. Man habe gewusst, dass sich die Schülerinnen und Schüler die von Wiederkehr vorgeschlagenen neuen Inhalte wünschen und dass sie keine zusätzlichen Stunden haben wollten. Gleichzeitig wäre den Schulen selbst die Erhaltung ihrer autonomen Schwerpunkte wichtig gewesen und dass in der zweiten lebenden Fremdsprache die Erreichung des B1-Niveaus möglich sei.
Nach wie vor Kritik übte dagegen die FPÖ: "Anstatt die Allgemeinbildung zu stärken, werden bewährte Fächer geschwächt, um Platz für neue, ideologisch motivierte Inhalte zu schaffen", meinte Bildungssprecher Hermann Brückl in einer Aussendung. Vor allem die Einführung von "Medien und Demokratie" auf Kosten von Stunden in Latein und lebenden Fremdsprachen stört ihn: "Es ist zu befürchten, dass hier unter dem Deckmantel der 'Medienkompetenz' eher eine politische Gesinnung als Wissen und Bildung vermittelt werden soll."
Anders die SPÖ: Bildungssprecher Heinrich Himmer sah "eine sinnvolle Lösung, die den Schulen ihre Freiheiten lässt". Er erkennt sogar eine "klare sozialdemokratische Handschrift".
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) am Mittwoch, 1. April 2026, anl. der PK des Bildungsministeriums "Details zu den neuen Lehrplänen der AHS-Oberstufe" in Wien.






