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74.000 Menschen leben in Österreich mit Demenz, knapp 200.000 sind an ihrer Betreuung beteiligt. Der "TeleCareHub", der u. a. an der Fachhochschule Vorarlberg (FHV) entwickelt wird, bietet ihnen digitale Unterstützung, wie Katrin Paldán von der FHV erklärte. Das Projekt umfasse 11 Partner, darunter Hochschulen, Kliniken, Sozialdienste und Technologieunternehmen. Neu sei dabei, dass mehrere digitale Angebote für Angehörige in einem Portal gebündelt sind.
Dazu zählen Wissensmodule, Selbst-Checks, Video-Beratung und Online-Selbsthilfegruppen. Zudem ist die Anbindung von Sensordaten im Wohnraum der Betroffenen neu, die im Rahmen einer Alltagsanalyse Verhaltensmuster nachvollziehen sollen, um Auffälligkeiten früh zu erkennen.
Solche digitalen Begleitservices können die Pflegebelastung verringern und zu besserer Vorbereitung und Beziehungsqualität beitragen, so die Hypothese der Forschenden. Eine Feldstudie zeigte hierbei, dass Vorbereitung pflegende Angehörige stärkt und Beziehungsspannungen abbaut. Jedoch kompensiert TeleCareHub Belastungen nicht allein, so Paldán - vielmehr liege das Potenzial darin, frühzeitig zu lokalen Hilfs- und Entlastungsangeboten zu vermitteln.
Pflegekräfte gehören zu den Berufsgruppen, die am stärksten unter Stress stehen und einem hohen Burn-out-Risiko ausgesetzt sind, sagte Vanessa Leung von der University of Applied Sciences St. Pölten (USTP, bisher FH St. Pölten). Da setzt das im Rahmen des EU-Programms "Horizon Europe" geförderte Forschungsprojekt "XR2ESILIENCE" an: Mithilfe eines Virtual-Reality-Headsets durchlaufen Teilnehmende ein acht Wochen langes Trainingsprogramm, das ihnen dabei helfen soll, eigene Resilienzressourcen zu erkennen und einzusetzen. In diesem Rahmen wird auch eine randomisierte kontrollierte Studie mit mehr als 200 Pflegekräften in Österreich, Spanien, Portugal, Kroatien und Deutschland durchgeführt.
In diesem internationalen und -disziplinären Team sei ein Teil der Aufgabe der USTP, die digitalen Biomarker der Teilnehmenden zu messen und zu analysieren, darunter Herzfrequenz, Kopfbewegungen und Sprache. "So können wir nachvollziehen, wie sich Stress- und Entspannungslevel während des Trainings von Moment zu Moment verändern, und im Vergleich der Ergebnisse über mehrere Wochen hinweg feststellen, ob die Intervention tatsächlich einen Unterschied bewirkt", so Leung.
Auch bei "SimuDementia" geht es um Demenz: Das Endprodukt des Projekts ist eine VR-Brille, die drei Stadien der Demenz darstellen kann. Gedacht ist das u. a. für Pflegefachkräfte, aber auch Heimhilfen oder Reinigungspersonal. "Also all jene Personen, die, in welcher Form auch immer, Kontakt mit Demenzerkrankten haben", sagte Christina Wiesenhofer. Im Auftrag der Firma VitaBlick übernahm man an der Hochschule Burgenland den "wissenschaftlichen Part" der Kooperation mit dem Unternehmen - das heißt, dass die VR-Szenarien und die Beschreibung von Demenzstadien von dem interdisziplinären Team der Hochschule stammen.
Ziel dahinter sei es, Menschen dafür zu sensibilisieren, wie sich eine mit Demenz erkrankte Person fühlt. Wiesenhofer war vor ihrer Tätigkeit als Forscherin selbst Pflegerin. "Ich kenne das Problem deswegen: Ich weiß theoretisch, wie sich Menschen in so einer Phase fühlen. Aber nachvollziehen, wie das von innen ausschaut, kann man einfach nicht. In der VR wird man ganz anders für das Thema sensibilisiert", so Wiesenhofer. Gerade in der Lehre biete das neue Möglichkeiten, den Studierenden das Krankheitsbild näher zu bringen.
Technologie kann ein wichtiger Teil der Antwort auf aktuelle Herausforderungen in der Pflege sein, sind sich die Forscherinnen einig. Das gelte nur, wenn diese menschenzentriert ist, so Leung. So können etwa assistive Technologien eine patientenzentrierte Pflege zu Hause ermöglichen oder KI-gestützte Systeme den Verwaltungsaufwand für Pflegekräfte reduzieren. "Für mich liegt der Schlüssel darin, Technologien für die Dinge einzusetzen, für die sie sehr gut geeignet sind, um den menschlichen Pflegekräften zu ermöglichen, das zu tun, was nur sie tun können: zum Beispiel Vertrauen aufzubauen und eine Verbindung zu den Patientinnen und Patienten herzustellen", sagte sie.
So ein Modell sei ein cooles "Add-on". "Aber es kann nie das wegnehmen, was das persönliche Miteinander im Pflegeberuf bedeutet", ergänzte Wiesenhofer. Das könne generell keine Technologie ersetzen.
"Wir sollten nicht dem Irrglauben verfallen, dass eine zukunftsfähige Gesellschaft allein durch technische Innovationen 'konstruiert' werden kann", so auch Paldán. Vielmehr gehe es darum, den Qualitätsanspruch für eine medizinische und pflegerische Versorgung aufrechtzuerhalten. Für ein "gutes Altern" seien Beziehungen, Zugehörigkeit, Sinnhaftigkeit und Gemeinschaften wichtig. Digitale Tools, Telemedizin und Smart Homes könnten Gesundheit, Sicherheit und Selbstständigkeit nur dann wirklich fördern, wenn sie mit den regionalen Versorgungsnetzwerken verknüpft sind und, wenn die Menschen über die Kompetenzen verfügen, sie in ihrem Sinne anzuwenden.
(S E R V I C E - FFH 2026: 15. und 16. April am FH Campus 02 in Graz; Link zum Event: https://www.campus02.at/ffh-2026/ )
ST. PÖLTEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/UAS St. Pölten, Christoph Böhm
DORNBIRN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/Nina Bröll





