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Tiroler Tech-Start-Up startet mit Mio.-Finanzierung in nächste Phase

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Das Tech-Start-Up fibionic mit Sitz in Götzens (Bezirk Innsbruck-Land) hat eine 3-Mio.-Euro-Finanzierung durch Investoren lukriert. Damit kann das auf Leichtbau spezialisierte Unternehmen in die nächste Phase eintreten und seine Technologie präzisieren sowie den Mitarbeiterstand deutlich ausbauen. "Wir wollen einen neuen technologischen Standard im Leichtbau etablieren", sagte Co-Gründer Elias Hirschbichler zur APA. Zuletzt wurde etwa ein Fahrradsattel auf den Markt gebracht.

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Am Anfang des 2021 gegründeten Unternehmens stand für den Gründer und Materialwissenschafter Thomas Rettenwander die Frage, wie Strukturen in Bauteilen bzw. Produkten möglichst effizient eingesetzt werden können. Als Inspiration diente schließlich die raffinierte Flügelstruktur einer Libelle. "Es werden nur dort Verstärkungen aufgebracht, wo es notwendig ist", beschrieb CFO Hirschbichler das Prinzip.

Gemeinsam mit dem Mechatroniker Johannes Mandler wurde schließlich das patentierte Luftstromverfahren namens "fibionic fiber placement" (FFP) für die Massenfertigung entwickelt. Mithilfe bionischer Prinzipien werden Fasern gezielt entlang realer Lastpfade ausgerichtet. So wird beispielsweise bei einem Fahrradsattel dort Material verstärkt aufgebracht, wo die Kräfte einwirken - an anderen Stellen wird wiederum reduziert. Laut eigenen Angaben kann so bis zu 60 Prozent an Material eingespart und das Produktgewicht um bis zu 50 Prozent reduziert werden. Damit soll die Produktion ressourcenschonend und günstig sein.

Für fibionic liegt im Sportbereich ein Schwerpunkt. Mit der italienischen Bike-Traditionsmarke Selle Italia wurde im Februar erstmals mit einem Fahrradsattel ein Produkt in Großserie auf den Markt gebracht. Ein weiteres interessantes Feld ist neben der Robotik, der Unterhaltungselektronik, diversen Bauteilen für die Autoindustrie auch die Herstellung von Drohnenkomponenten. Es könne nämlich "in kurzer Zeit eine hohe Stückzahl produziert werden. 3-D-Drucker sind teilweise 50 Mal so langsam wie 'FFP'", hielt Hirschbichler fest. Im Laufe des Jahres sei indes die Markteinführung einer Verstärkungskomponente für Drohnenpropeller geplant.

Die nun gesicherten Investitionen sollen dem Start-Up - das klassisch in der Garage und im Dachboden von Rettenwander seinen Anfang nahm - jedenfalls zu einem weiteren Wachstumsschub verhelfen. Im Fokus steht nun bis zum Sommer der Personalaufbau: "Wir haben Bedarf an unterschiedlichen Enden und Ecken", sagte Hirschbichler. Bis zum Sommer soll der Mitarbeiterstand von aktuell sieben auf 19 erhöht werden. Zudem soll die interne Produktion weiter ausgereift werden. Darüber hinaus will man so weit kommen, dass auch fertige Anlagen an Kunden verkauft werden können. "Der Hersteller produziert selbst oder lässt produzieren", beschrieb der Co-Gründer die Stoßrichtung.

Als Investoren wurden Redstone, Euregio Plus, Caesar, Leap435 und weitere sogenannte Angel-Investoren ins Boot geholt. Damit wurden vorwiegend deutsche und Südtiroler Investoren überzeugt. Das Aufstellen einer Finanzierung sei gerade am Anfang hierzulande "sehr schwierig", meinte Hirschbichler. Während es ein "sehr gutes öffentliches Fördersystem und Netzwerk" gebe, seien in Deutschland eben viel mehr größere Geldgeber aktiv als in Österreich. Es sei eben "ein kleines Land" und "speziell in Westösterreich passiert nicht gerade übertrieben viel im Tech-Bereich". Allerdings sei die Vernetzung über die Landesgrenzen hinweg sehr gut.

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