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Das Unternehmen stuft mit seiner Methodik heuer drei Forscherinnen und 19 Forscher als Favoriten für die wissenschaftlichen Nobelpreise ein. Wer diese tatsächlich erhält, wird in wenigen Wochen bekannt gegeben: Den Auftakt macht eben die Medizin, gefolgt von Physik (6.10.), Chemie (7.10.) und den Wirtschaftswissenschaften (12.10.).
Ausgangspunkt für die alljährliche Kür des Institute for Scientific Information (ISI) von Clarivate sind die Publikations- und Zitationsdaten wissenschaftlicher Arbeiten von einflussreichen Forschern in jenen Forschungsbereichen, in denen Nobelpreise vergeben werden. Von den rund 67 Millionen seit 1970 im "Web of Science" erfassten wissenschaftlichen Artikeln wurden weniger als 0,02 Prozent mehr als 2.000 Mal zitiert. Ihre Urheber, die "Citation Laureates", seien einflussreiche Forscher, "deren Beiträge mit denen von Nobelpreisträgern vergleichbar sind", heißt es seitens Clarivate.
Seit Beginn des Programms im Jahr 2002 wurden rund 500 "Citation Laureates" vor den Vorhang geholt. Von ihnen haben 89 tatsächlich den Nobelpreis erhalten - viele davon aber auch erst Jahre nach der Nennung durch das Datenunternehmen.
16 der 22 diesjährigen Favoriten sind an akademischen Institutionen in den USA tätig, jeweils einer an Einrichtungen in Kanada, Dänemark, Israel, Japan, China und der Schweiz. Österreicher bzw. in Österreich tätige Forscher finden sich heuer keine in der kurzen Liste. In den vergangenen Jahren wurden unter anderen die beiden österreichischen Physiker Anton Zeilinger und Ferenc Krausz seitens Clarivate genannt. Sie erhielten 2022 (Zeilinger) bzw. 2023 (Krausz) tatsächlich den Physik-Nobelpreis.
Im Bereich "Medizin" billigt man mehreren Forscherinnen und Forschern große Chancen zu: Für ihre Beiträge zu den Grundlagen von GLP-1-Medikamenten werden Daniel J. Drucker (University of Toronto/Kanada), Jens Juul Holst (University of Copenhagen/Dänemark) und Svetlana Mojsov (Rockefeller University/USA) angeführt. Wirkstoffe, die das Verdauungshormon GLP-1 nachahmen (GLP-1-Rezeptor-Agonisten), sind inzwischen bewährte Medikamente gegen Typ-2-Diabetes und für "Abnehmspritzen" zugelassen. Stoffwechselexperte Holst hat erst vor wenigen Tagen einen Vortrag an der Universität Wien zu diesem Thema gehalten. Für die Entwicklung der optischen Kohärenztomographie (OCT) in der medizinischen Bildgebung werden James G. Fujimoto und Eric A. Swanson (beide Massachusetts Institute of Technology/USA) sowie David Huang (Oregon Health & Science University/USA) ins Spiel gebracht. Seine Forschungen am Immunsystem führten zur Nennung von Timothy A. Springer (Harvard Medical School/USA).
In der Physik könnten der Auswertung zufolge Chihaya Adachi (Kyushu University/Japan), Stephen R. Forrest (University of Michigan/USA) und Mark E. Thompson (University of Southern California/USA) mit Erkenntnissen, die ultrahocheffiziente organische Leuchtdioden ermöglichen, reüssieren. Den Weg für energieeffiziente Materialien für Computertechnik hat Nicola A. Spaldin (ETH Zurich/Schweiz) geebnet und rückt damit ebenso in den Kreis der Nobelpreis-Favoriten wie Qikun Xue (Tsinghua University/China) für seine Arbeiten zu Quanten-Elektronik.
Für den Chemie-Nobelpreis werden David L. Allara (Pennsylvania State University/USA), Ralph G. Nuzzo (University of Illinois at Urbana-Champaign/USA) und Jacob Sagiv (Weizmann Institute of Science/Israel) gehandelt. Sie haben sich selbst organisierende Nanomaterialien (Self-Assembled-Monolayer - SAM) entwickelt, die in der Regel nur eine einzige Moleküllage dick sind. Für wichtige Erkenntnisse über den Elektronentransfer in Proteinen wurden Harry B. Gray und Jay R. Winkler (beide California Institute of Technology/USA) nominiert. David R. Liu (Harvard University/USA) hat wiederum durch die Entwicklung von Technologien zur präzisen Genbearbeitung gute Chancen.
In den Wirtschaftswissenschaften dominieren erneut Experten aus US-Institutionen: Susan C. Athey (Stanford University/USA) und Hal R. Varian, früherer Chefökonom von Google und Professor an der University of California Berkeley/USA, könnten für "wegweisende Analysen der Wirtschaftlichkeit von Informationstechnologie" den Zuschlag erhalten. Michael D. Woodford (Columbia University/USA) steht mit seinen Beiträgen zur Geldpolitik ebenso auf der Clarivate-Liste wie Sidney G. Winter (University of Pennsylvania/USA) für Studien zu organisatorischer Innovation und wirtschaftlicher Dynamik.
(S E R V I C E - "Citation Laureates": https://go.apa.at/e0etgM2w ; Nobelpreise: https://www.nobelprize.org/ )
