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Kärntner Seenforscher sehen zahlreiche Herausforderungen

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"Was wir machen, könnte man so beschreiben: Wir messen die Seetemperaturen, bevor die Urlauber es tun", erklärt Georg Santner. Der Leiter des Kärntner Instituts für Seenforschung (KIS) weiß aber sehr wohl, dass das nur eine der vielen Aufgaben von ihm und seinem Team ist: Denn zum Monitoring der Kärntner Seen gehört viel mehr. Die Herausforderungen werden jedenfalls nicht weniger - dazu zählen etwa steigende Temperaturen, die fehlende Zirkulation und die Quagga-Muschel.

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Das KIS feiert sein 50-jähriges Bestehen - und zu diesem Zweck hat man sich stilgerecht ein Wörthersee-Ausflugsschiff gemietet, um den Auftakt des Jubiläums zu begehen. Doch neben dem gemütlichen Beisammensein steht natürlich auch der Wissenschaftsgedanke im Vordergrund. Drei Fachvorträge gibt es, zum Beispiel zur Entwicklung der Unterwasserpflanzen in Österreich oder zur "Röhrichtentwicklung" im Wörthersee.

Die Entwicklung dieser Uferpflanzen konnte das KIS-Team in den vergangenen Jahrzehnten live verfolgen. Gab es um das Jahr 1950 herum noch einen Gesamtbestand im Wörthersee von 559.000 Quadratmetern, so sank dieser um 57 Prozent, auf 241.000 Quadratmeter, im Jahr 2019. Ein dramatischer Trend, denn der Röhricht erfüllt gleich mehrere Aufgaben: Als Erosionsschutz, als Gewässerreiniger sowie als Lebensraum und Nahrungsquelle für Tiere - einmal ganz abgesehen vom Landschaftsbild.

Sowohl beim Thema Röhricht als auch bei den Unterwasserpflanzen fallen immer wieder Stichworte, die für Meinungsverschiedenheiten der unterschiedlichen Interessensgruppen sorgen: Schädlicher Wellenschlag durch Motorboote und der Zusammenhang mit der Uferverbauung - denn an einem flach auslaufenden Ufer wird eine auftretende Welle absorbiert, während sie an einem senkrecht verbauten Ufer reflektiert wird. Dagegen wurden am Wörthersee bereits Schilfschutzzäune aufgestellt, die zu einer Erholung des Bestandes beitragen. Langsam, aber doch.

Wie irrtümlich zum KIS-Jubiläum bestellt wurde da in der vergangenen Woche die Forderung der Wirtschaftskammer Kärnten bekannt, die den Wörthersee im Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan rechtlich als "erheblich veränderten Wasserkörper" neu einstufen lassen wollte. Bisher gilt der See, wie die meisten in Österreich, als "natürlicher Wasserkörper". Begründet wurde der Antrag mit touristischer Weiterentwicklung, auch Seeeinbauten sollen möglich sein.

Die zuständige Landesrätin Marika Lagger-Pöllinger (SPÖ) ist da die erste, die diesen Elefanten am Ausflugsschiff adressiert: "Den Wörthersee mit einem erheblich veränderten Wasserkörper wie einem Stausee zu vergleichen, ist völlig absurd", sagt sie. Und: "Gerade der Tourismus und die Wirtschaft profitieren von der hohen Qualität. Eine Herabstufung würde genau das Gegenteil bewirken, nämlich Kärnten als Tourismusstandort schwächen." Etwas diplomatischer formuliert es dann Santner: "Im Rahmen des Seendialogs wurde das bereits gut ausgeführt: Es gibt keine Möglichkeit, dass der Wörthersee als erheblich veränderter Wasserkörper ausgewiesen wird. Und damit ist eigentlich alles gesagt."

Abgesehen von solchen Diskussionen setzen den Kärntner Seen aber ganz reale Phänomene zu, so Santner: "Die Klimaerwärmung zum Beispiel, auch wenn wir derzeit noch nicht merken, dass der ökologische Zustand dadurch überall schlechter wird. Dazu sind die Seen zu verschieden, etwa was den Fischbestand oder die Unterwasserpflanzen angeht. Aber: Die Entwicklung darf nie von dem menschlichen Tun entkoppelt werden."

In den letzten Jahrzehnten hat die Temperaturerhöhung der Seen im Schnitt zwei Grad betragen. Das bedeutet auch eine geringere Eisbedeckung und hat Auswirkungen auf die Zirkulation, erklärt Santner: "Im Sommer ist das Wasser in einem See stabil geschichtet, ist also sehr warm an der Oberfläche, deshalb können wir darin baden." Im Frühjahr zirkuliert das Wasser, was dazu führt, dass Nährstoffe und Sauerstoff gleichmäßig verteilt werden: "Aber dieser Zeitraum wird immer knapper." Auch in Kärnten ein Thema ist die invasive Quagga-Muschel, die bereits in allen großen Kärntner Seen und auch in der Drau nachgewiesen wurde.

Was sich das KIS für die kommenden Jahrzehnte wünscht? Eine gute Zusammenarbeit mit der Politik, bekräftigt Santner - das habe eben bereits in den 1970er-Jahren begonnen, als die großen Seen eutrophiert, also überdüngt, waren, was zu einer großen Algenblüte geführt hatte. Unter großer Anstrengung habe man dann aber alle großen Seen sanieren können. Nun wünscht man sich, dass man auch in Zukunft die gewohnte Datenqualität über den Zustand der Seen liefern könne - und dass man bei ökologischen Problemen mit Vorschlägen Gehör finde.

Zu guter Letzt spricht der KIS-Leiter ein Thema noch einmal an: Das menschliche Zutun. "Hier müsste man die Bewusstseinsbildung noch verstärken", meint er. Wie zum Beweis bietet sich den Forschern am Schiffsdeck wenige Minuten später ein besonderer Anblick: Die Besatzung von zwei kleinen Booten hat es geschafft, den Schilfschutzzaun an der streng geschützten Kapuzinerinsel zu überwinden. Die Leute planschen dort, wo sich eigentlich der Schilfgürtel erholen sollte. Das KIS hat offensichtlich - in mehrerer Hinsicht - noch viel Arbeit vor sich.

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