Die MedUni Wien hat eine Expedition mit acht Patient:innen aus fünf Ländern auf den 6.961 Meter hohen Aconcagua in Argentinien organisiert.
von
Acht Lungentransplantierte aus fünf Ländern sind im Jänner 2026 gemeinsam mit einem Ärzteteam der Medizinischen Universität Wien auf den 6.961 Meter hohen Aconcagua in Argentinien gestiegen. Die Mehrheit erreichte Höhen von über 5.500 Metern ohne zusätzlichen Sauerstoff. Am Gipfel des höchsten Bergs Amerikas stand als einziger Patient der Oberösterreicher Helmut Steigersdorfer, dem 2002 am AKH Wien eine Spenderlunge implantiert worden war.
Die Expedition wurde von der MedUni Wien und dem Allgemeinen Krankenhaus Wien organisiert und medizinisch begleitet. Die dabei erhobenen Daten werden nun wissenschaftlich ausgewertet. Bei einem Pressegespräch am Mittwoch in Wien berichteten Patientinnen und Patienten sowie das Ärzteteam von ihren Erfahrungen.
Drittes Hochgebirgsziel für Lungentransplantierte
Nach Expeditionen auf den Kilimandscharo (2017) in Tansania und den Jebel Toubkal (2019) in Marokko war der Aconcagua bereits das dritte Hochgebirgsziel für lungentransplantierte Patientinnen und Patienten. Initiator und Organisator der Tour war der Lungenfacharzt Peter Jaksch von der Universitätsklinik für Thoraxchirurgie. Ziel sei es gewesen, die Leistungsfähigkeit von Menschen nach Organtransplantationen sichtbar zu machen. "Mit Bedacht ausgewählte Patientinnen und Patienten sind körperlich belastbar, anpassungsfähig und in der Lage, auch unter Extrembedingungen Leistung zu erbringen - wissenschaftlich begleitet und medizinisch abgesichert", sagte Jaksch.
Teilgenommen haben Lungentransplantierte aus Österreich, der Schweiz, den USA, Kroatien und Dänemark sowie eine lebertransplantierte Frau aus der Schweiz. Steigersdorfer erreichte mit acht Teammitgliedern den Gipfel. "Ich wollte zeigen, was unter kontrollierten Bedingungen mit einer vor 24 Jahren transplantierten Lunge machbar ist, und damit Hoffnung und Zuversicht geben", sagte der 50-Jährige. Der Gipfelsieg war für ihn eine "außergewöhnliche Erfahrung - körperlich, mental, aber auch menschlich". Angst vor medizinischen Komplikationen hatte Steigersdorfer nicht: "Bei so einer Dichte an kompetenten Ärzten am Berg – da brauchte ich keine Zusatzversicherung."
Wissenschaftliches Feldlabor in großer Höhe
Die Expedition wurde engmaschig medizinisch überwacht. Laut Jakob Mühlbacher von der Universitätsklinik für Allgemeinchirurgie war die Tour "nicht nur eine sportliche Herausforderung, sondern vor allem ein wissenschaftliches Feldlabor unter realen Bedingungen". Durch regelmäßige Blutgasanalysen wurde untersucht, wie transplantierte Lungen unter Sauerstoffmangel arbeiten.
Zusätzlich wurden immunologische Marker erhoben sowie Stuhl- und Speichelproben vor und nach der Expedition analysiert. KI-gestützte Modelle kamen zur Auswertung von Lungenfunktion und Belastungsanpassung zum Einsatz. Vitalparameter, Herzratenvariabilität und Sauerstoffsättigung wurden täglich digital dokumentiert.


Die Expeditionsteilnehmer:innen beim Aufstieg auf den Aconcagua.
© Lunge Aktiv / Pablo BetancourtZu medizinischen Notfällen kam es nicht. Laut Clemens Aigner, Leiter der Universitätsklinik für Thoraxchirurgie, traten bei mehreren Teilnehmerinnen und Teilnehmern – transplantiert und nicht transplantiert – erwartbare Symptome einer akuten Höhenkrankheit wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Übelkeit auf. Diese seien jedoch gut kontrollierbar gewesen.
Symbol für moderne Transplantationsmedizin
Die erfolgreiche Expedition stehe symbolisch für das Potenzial moderner Transplantationsmedizin, betonte Aigner, der selbst den Gipfel erreichte. Sie zeige, welche Lebensqualität und Leistungsfähigkeit nach einer erfolgreichen Lungentransplantation möglich seien – vorausgesetzt, chirurgische Expertise und langfristige Nachsorge greifen ineinander.
Mit jährlich 100 bis 110 Lungentransplantationen zählt die Universitätsklinik für Thoraxchirurgie von MedUni Wien und AKH Wien zu den international führenden Zentren auf diesem Gebiet. Für viele Patientinnen und Patienten mit schweren Lungenerkrankungen stellt der Eingriff die letzte lebensrettende Therapieoption dar. Die gewonnenen Erkenntnisse aus den Hochgebirgsexpeditionen sollen zur weiteren Verbesserung von Nachsorge und Transplantationsmedizin beitragen.






