Österreich gibt jährlich rund 58 Milliarden Euro für Gesundheit aus – mehr als 11 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts. Das zeigen die aktuellen Daten von Statistik Austria (2024) und der OECD. Wir zählen damit zu den Spitzenreitern in Europa. Und trotzdem steigt die Zahl chronischer Erkrankungen weiter.

Steckbrief
Albert Schmidbauer
Gründer von BIOGENA, Gesundheitsunternehmer
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Österreich laut offizieller Todesursachenstatistik weiterhin die häufigste Todesursache. Rund 600.000 Menschen leben mit Diabetes oder Prädiabetes. Mehr als die Hälfte der Erwachsenen gilt als übergewichtig, etwa jeder Fünfte als adipös. Das betrifft längst nicht nur Risikogruppen – das ist die Mitte unserer Gesellschaft.
Internationale Fachgesellschaften, darunter die Weltgesundheitsorganisation WHO kommen zu einem klaren Schluss: Bis zu 80 Prozent der Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes-Fälle wären vermeidbar, wenn Risikofaktoren frühzeitig reduziert würden. Prävention ist damit kein Lifestyle-Thema, sondern Gesundheitsökonomie.
Wie wirksam frühes Handeln ist, zeigt die große „Diabetes Prevention Program“-Studie im New England Journal of Medicine: Eine strukturierte Lebensstilintervention mit Bewegung und Gewichtsreduktion senkte das Diabetesrisiko um 58 Prozent. Keine Hightech-Therapie – sondern konsequente Umsetzung.
Wir wissen also erstaunlich genau, was wirkt. Und dennoch ist unser System primär auf Intervention ausgerichtet. Wir reagieren, wenn Blutdruck, Blutzucker oder Cholesterin bereits entgleist sind. Wir therapieren auf höchstem Niveau – aber wir messen zu selten, bevor Schaden entsteht.
Natürlich ist Politik gefordert. Regelmäßige Vorsorgeprogramme, steuerliche Anreize und niederschwellige Diagnostik wären wichtige Schritte. Aber wir dürfen die Verantwortung nicht ausschließlich dem Staat zuschieben.
Auch Unternehmen profitieren von gesunden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – durch geringere Krankenstände, höhere Produktivität und mehr Innovationskraft. Betriebe sind zentrale Lebensräume unserer Gesellschaft. Der Arbeitsplatz ist ein Ort, an dem wir Menschen tagtäglich erreichen – strukturiert und mit nachhaltiger Wirkung.
Betriebliche Gesundheitsprogramme dürfen daher kein Feigenblatt sein. Sie sollten systematisch Präventionschecks, Bewegungsangebote und Aufklärung integrieren. Jeder vermiedene Ausfalltag ist nicht nur menschlich wertvoll, sondern auch ökonomisch sinnvoll.
Und schließlich tragen wir auch individuell Verantwortung. Ein einfacher metabolischer Basischeck kostet einen Bruchteil dessen, was eine chronische Therapie verursacht. Trotzdem warten viele, bis Symptome auftreten.
Wir haben ein exzellentes Reparatursystem.
Was uns fehlt, ist eine gemeinsame Präventionskultur – von Politik, Wirtschaft und jedem Einzelnen.
Gesundheit ist kein Zufallsprodukt. Sie ist das Ergebnis vieler kleiner Entscheidungen. Österreich kann gesünder werden. Aber nur, wenn wir früher handeln – nicht später reparieren.
Drei konkrete Schritte für Sie
Kennen Sie Ihre Basiswerte.
Lassen Sie Nüchternblutzucker, HbA1c, Cholesterin, Omega-3-Index und Vitamin-D-Spiegel bestimmen – auch ohne Beschwerden.Bewegen Sie sich strukturiert.
150 Minuten moderate Bewegung pro Woche senken Ihr Diabetesrisiko signifikant.Fordern und fördern Sie Prävention im Betrieb.
Sprechen Sie Gesundheitschecks und Bewegungsangebote aktiv an – gesunde Arbeitsplätze nützen allen.






