ABO

Lange Astronacht: Partielle Sonnenfinsternis begeisterte landesweit

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
6 min
Blick von der Sophienalpe in Wien zu Beginn des Ereignisses
©APA/APA/MAX SLOVENCIK/MAX SLOVENCIK
Die hierzulande vielleicht eindrucksvollste Sonnenfinsternis seit dem Jahr 1999 hat am Mittwochabend eine besondere astronomische Nacht eingeläutet. Die Eklipse entpuppte sich landesweit als regelrechter Publikumsmagnet, wie eine APA-Umschau ergab. So wurden zahlreiche Events von astronomischen Vereinigungen oder Forschungseinrichtungen bei bestem Wetter regelrecht gestürmt. Nach der Sonnenfinsternis lockte auch die Aussicht auf Sternschnuppen den Rest der Nacht über.

von

Nach dem Naturphänomen, bei dem der Mond die Sonnenscheibe von Österreich aus gesehen zu fast 90 Prozent verfinstert untergehen ließ, hatten sich für die Nacht auf Donnerstag auch mit dem Maximum des Meteorstroms der Perseiden noch viele Sternschnuppen angesagt. Während in Wien die Bedeckung um 19.22 Uhr begann, um mit der maximalen Verfinsterung beim Sonnenuntergang um 20.13 Uhr zu enden, hatte man weiter im Westen länger die Möglichkeit, dem Spektakel zu folgen, das in Spanien, Grönland und Island sogar eine totale Finsternis brachte. Die letzte komplette Verfinsterung, die von Österreich aus zu sehen war, war jene am 11. August 1999.

Bundesweit hatten viele astronomische Verbände zum mehr oder weniger geführten bzw. unterstützten gemeinsamen Beobachten geladen - Angebote, die von hunderten bis teilweise tausenden Interessentinnen und Interessenten dankend angenommen wurden. Schon vor Beginn des Ereignisses fanden sich zum Beispiel zahlreiche Besucherinnen und Besucher auf der Wiener Sophienalpe ein. Hier hatten die Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA) in Kooperation mit dem Österreichischen Astronomischen Verein aufgrund der Waldbrandgefahr zwar von einem "Public Viewing" abgesehen, Experten, Laien und sonstige Schaulustige fanden sich ohnehin in großer Zahl an dem beliebten Platz nahe der Stadt mit guter Sicht Richtung Westen ein.

Von tieferen hauptstädtischen Lagen, wie beim gemeinschaftlichen Beobachten, das das Planetarium Wien sowie die Kuffner- und Urania-Sternwarten an der Neuen Donau organisierten, hatte man bereits gegen 19.50 Uhr schon keine Sicht mehr auf die verfinsterte Sonne. Viele Beobachterinnen und Beobachter fanden sich unweit davon auch am Wiener Donauturm oder auf dem Bisamberg im Norden Wiens ein. Unter dem Titel "From Eclipse to Starlight" lud zudem das Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Klosterneuburg (NÖ) in Hauptstadt-Nähe rund 850 Interessierte zum vorrangig Livestream-Erlebnis und im Anschluss zum Beobachten der Perseiden mit Forscher-Unterstützung.

Anneliese Haika von der WAA freute sich auf der Sophienalpe im Vorfeld auf ein "recht spektakuläres Ereignis. Immerhin geht die Sonne verfinstert als dünne Sichel mit den Spitzen voran unter". Eine Sonnenfinsternis sei ein schöner Anlass, um zu sehen, "wie die Natur arbeitet" - und die Natur lieferte dementsprechend. Gegen 20.00 Uhr war nur noch ein Rudiment der Sonne durch die Finsternisbrillen und mit Spezialblenden ausgestatteten Teleskope zu sehen.

Am Grazer Schlossberg verfolgten u.a. die Astrophysikerinnen Manuela Temmer, Astrid Veronig und 15 Jungforschende von der Universität Graz das Phänomen und beantworteten hier auch Fragen von den wohl tausenden Schaulustigen. Das Institut für Physik der Uni Graz hatte Teleskope und spezielle Sichtbrillen vorbereitet, durch die Interessierte einen Blick auf die verdunkelte Sonne werfen konnten. Diese wurden regelrecht gestürmt. Enttäuschung herrschte dann aber gegen 19.45 Uhr, als die zu rund 40 Prozent verdeckte Sonne hinter den Plabutsch verschwand.

Die längste Sicht auf die partielle Sonnenfinsternis gab es in Vorarlberg, wo die Sonne am Mittwoch erst um 20.39 Uhr unterging. Dort veranstaltet bereits seit vielen Jahren der Lech-Zürs-Tourismus auf dem Rüfikopf (2.350 Meter Seehöhe) oberhalb von Lech die "Laurentiusnacht", um zur Perseiden-Beobachtung zu laden. Heuer nutzte man die partielle Sonnenfinsternis als Auftakt.

Mit 250 Personen war bei der "Sofi"-Beobachtung und der "Laurentiusnacht" das erlaubte Maximum an Besuchern ausgeschöpft, wie der Vorarlberger Astronom Robert Seeberger der APA berichtete: "Es gab optimale Bedingungen, klaren Himmel und gute Stimmung." Der Vorarlberger Fotograf Paul Baumgartner brachte eine Reihe von Perspektiven und Teleskopen mit, mit denen den Besuchern die Sonnenfinsternis gezeigt wurde. Man blieb danach noch zur Perseiden-Beobachtung bis kurz vor Mitternacht.

So bot die aktuelle Neumondphase nämlich ideale Bedingungen, um in den Nächten rund um die Sonnenfinsternis nach Sternschnuppen Ausschau zu halten. Vor allem Richtung Ende der Nacht gegen 4.00 Uhr könne an Orten mit günstigen, also sehr dunklen Bedingungen, wie etwa in den Bergen, bis zu 90 Sternschnuppen pro Stunde gerechnet werden, wie Experten schätzten.

Die Erde kreuzt alljährlich Mitte August die Staubspur, die der Komet Swift-Tuttle auf seiner Bahn hinterlässt. Wenn diese Staubpartikel mit hoher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre eindringen, verglühen sie dort und rufen in der Luft Leuchteffekte hervor - den Meteorstrom der Perseiden. Der Name des Meteorstroms kommt daher, weil es so aussieht, als würden Sterne aus dem Sternbild des Perseus fallen. Der Sternschnuppenschauer wird auch "Tränen des Laurentius" genannt, weil sein Erscheinen mit dem Namenstag des Märtyrers Laurentius am 10. August zusammenfällt und als Tränen des Himmels über dessen Martyrium gedeutet wurden. Die Sichtbarkeitsperiode für die Perseiden endet heuer um den 24. August.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER