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KI, Luxus und Co. fressen CO2-Einsparung auf

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©Unsplash / Carles Rabada

Der globale Energiehunger ist seit dem Pariser Klimavertrag 2015 stärker als der Ausbau der Stromgewinnung aus Erneuerbaren gestiegen.

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Der rasch fortschreitende Ausbau der Solarenergie im ersten Dreivierteljahr 2025 konnte erstmals das Plus beim weltweiten Strombedarf decken – soweit die gute Nachricht.

Alles in allem wuchs der globale Energiehunger seit dem Pariser Klimavertrag 2015 aber immer noch stärker als der Ausbau der Stromgewinnung aus Erneuerbaren, betonen zwei Forschende in einer Analyse in Nature Reviews Clean Technology. Große Treiber sind KI-Rechenzentren oder der Konsum von Luxusgütern.

Solar- und Windkraftausbau stark vorangeschritten

Wind- und Solarenergie hat in den etwas mehr als zehn Jahren seit der Einigung auf die Pariser Klimaziele dahingehend, die Erderhitzung auf 1,5 oder zumindest zwei Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, einen von vielen nicht für möglich gehaltenen Aufschwung erlebt.

Diana Ürge-Vorsatz von der Central European University (CEU) in Wien und Felix Creutzig vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (Deutschland) verweisen in ihrem Beitrag auf rund 3.550 Terawattstunden (TWh) an mittlerweile jährlich zur Verfügung stehender Energie aus erneuerbarer Quelle. Wie stark der Solar- und Windkraftausbau vor allem in den vergangenen Jahren vorangeschritten ist, überrascht selbst viele Expertinnen und Experten. Die Studienautoren sprechen von einer "beispiellosen" Entwicklung.

Energiehunger weiter im Steigen

Aus Klimaschutz-Sicht will aber dennoch nicht wirklich Jubelstimmung aufkommen, da die Treibhausgasemissionen aus dem Energiesektor trotzdem merklich angestiegen sind: Weltweit nahm der CO2-Ausstoß, der der Stromerzeugung zuzurechnen ist, seit 2015 um 1,8 Gigatonnen zu. Das liegt am in dem Zeitraum stark gestiegenen globalen Strombedarf: Das Plus von in etwa 6.930 TWh kann auch der massive Erneuerbaren-Ausbau nicht decken, fossile Energieträger, deren Verbrennen viel Treibhausgas verursacht, spielen also weiter eine große Rolle, zeigen die Autoren auf.

Beim Blick auf die Treiber dieser Entwicklung stechen einige Faktoren besonders ins Auge, so die beiden Experten. Einer davon ist der massive Aufschwung bei Anwendungen auf Basis von KI-Systemen. Diese brauchen exorbitant viel Rechenleistung, was sich in immer größeren Datenzentren mit massivem Kühlbedarf äußert.

KI als einer der Antreiber

Die Datenzentren, die solche Anwendungen ermöglichen, verbrauchen mittlerweile ungefähr 415 TWh – was immerhin 1,5 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs im Jahr 2024 entsprach. Sieht man sich an, wie drastisch KI-basierte Anwendungen ausgebaut werden sollen und welche ambitionierten politischen Förderprogramme viele Staaten schnüren und umsetzen, erscheint die Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA), dass sich der Energieverbrauch von Rechenzentren alleine bis zum Jahr 2030 auf rund 945 TWh erhöhen wird, alles andere als unrealistisch.

Ein weiterer Antreiber des Verbrauchs ist eine direkte Reaktion auf die klimawandelbedingte Temperaturerhöhung: Es wird alljährlich merklich mehr Strom für Gebäudekühlung eingesetzt. Auch die etwas Fahrt aufnehmende Mobilitätswende mit langsam größer werdenden Anteilen an E-Kraftfahrzeugen erhöht den Verbrauch. Im Jahr 2024 schlug die E-Mobilität mit einem Stromverbrauch von circa 180 Terawattstunden zubuche – Tendenz steigend.

Zudem geht der Trend im Individualverkehr – egal, ob elektrisch oder Verbrenner – zu groß dimensionierten SUV-Fahrzeugen mit entsprechendem Energiebedarf. Außerdem erwähnen die Autoren, dass auch der gestiegene Konsum von Luxusgütern den Energieverbrauch zunehmend antreibt bzw. der Einsparung von Treibhausgasen entgegenwirkt.

EU als positive Ausnahme

Kurzum: Wenn nicht der Energieverbrauch an sich durch Maßnahmen eingedämmt wird, droht auch der Effekt des fortschreitenden Erneuerbaren-Ausbaus bis 2030 erneut zu verpuffen. Dass es auch anders geht, zeige sich zumindest regional am Beispiel der EU. So hat sich in dem Länderverbund – entgegen dem globalen Trend – der Energiebedarf seit dem Jahr 2008 um rund zehn Prozent oder 270 TWh reduziert. Und das nicht zulasten der Wirtschaftsleistung, die seither um 24 Prozent angestiegen ist, wie Ürge-Vorsatz und Creutzig betonen.

Gleichzeitig erhöhte sich die Wind- und Solarstromproduktionskapazität EU-weit seither massiv. Dadurch wurden rund 800 TWh, die aus fossilen Energieträgern gewonnen wurden, quasi ersetzt, was die Treibhausgasemissionen aus Europas Energiesektor um rund 600 Megatonnen abgesenkt habe.

Global betrachtet stimme vor allem das vergangene Jahr optimistisch. In den ersten neun Monaten legte die Solarstromproduktion im Jahresvergleich um satte 31 Prozent zu. In Kombination mit dem verhalteneren Plus bei der Windkraft konnte somit zum ersten Mal überhaupt mehr als der gesamte Neuzuwachs beim Strombedarf abgedeckt werden, halten die Forschenden fest.

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