Die Klimakrise ist eines der größten Probleme unserer Zeit. Wir müssen alle mit ihren Folgen, früher oder später, umgehen lernen. Im Zuge dieser erzwungenen Konfrontation tut sich auch die Frage auf, ob der Klimawandel nicht auch ein paar positive Effekte hat.
Einer der offensichtlichsten „Vorteile“ am Klimawandel ist, dass sich durch mildere Winter die Heizperiode verkürzt. Doch wer mit dem dadurch freigewordenen Budget gleich den nächsten Urlaub buchen möchte, der sollte kurz innehalten.
Denn dem entgegen steht, dass das Kühlen im Sommer zunehmend wichtiger wird. „Gerade kurz- und mittelfristig wird man wohl mehr Energiekosten haben, weil man verstärkt sowohl heizen als auch kühlen muss“, gibt das Climate Change Center Austria auf Nachfrage Bescheid.
Alpenregionen als Rückzugsort
Finanzielle Vorteile könnte dafür die Tourismusbranche in Österreich haben. Die milderen Winter führen zwar zu schwerwiegenden Risiken für den Wintertourismus. Insbesondere betroffen seien, durch den wenigen Naturschnee, Lagen unterhalb von 1.500 Meter Seehöhe. Jedoch könnte Österreich, vor allem im Vergleich zu den Mittelmeerregionen, als klimatisch gemäßigterer Standort dennoch profitieren.
Vor allem die Alpinregionen könnten im Sommer an Attraktivität gewinnen, wie der Leiter des Departments für Klima-Folgen-Forschung an der Geosphere Austria, Mark Olefs berichtet: „Mit zunehmender Seehöhe sinken Hitze- und Pollenbelastung deutlich. Hochlagen können daher als kühlere Rückzugsräume an Bedeutung gewinnen, insbesondere im Sommertourismus und in den Übergangsjahreszeiten Frühjahr und Herbst. Gleichzeitig steigen aber auch Naturgefahren wie Muren, Steinschlag oder Permafrostprobleme.“
Ein weiterer „Vorteil“, der aus den veränderten Klimabedingungen resultiert, ist die längere Vegetationszeit von Pflanzen, welche in manchen Regionen für frühere Aussaaten, spätere Ernten und das Entstehen neuer Pflanzenkulturen führen kann. Leider ist das auch nicht gebührend zu feiern, da Trockenstress* und die zunehmende Zahl von Schädlingen dem entgegenstehen.
Trockenstress
Als Trockenstress oder auch Wasserstress wird ein Stress, der durch Wassermangel auf lebende Organismen und insbesondere auf Pflanzen hervorgerufen wird, bezeichnet.
Gesellschaftliches Neudenken
Die Suche nach positiven Auswirkungen der Klimakrise selbst scheint ein bisschen deprimierend. Optimistischer kann man eventuell dem gesellschaftlichen und politischen Umgang mit der Klimakrise entgegenblicken. Karl Steininger, Professor für Klimaökonomik und Nachhaltige Transition an der Universität Graz, meint dazu: „Herausforderungen sind für uns Menschen Anlass, Veränderungen anzugehen. Insofern ist ein wesentlicher 'Nebeneffekt' des uns herausfordernden Klimawandels, dass wir Aspekte unseres (Alltags-)Lebens zu überdenken angehalten sind.“
Wollen wir beispielsweise in grauen Städten voller Autos leben oder ist das Fahrrad vielleicht sogar die bessere Möglichkeit zur Arbeit zu kommen? Es kann durch dieses Hinterfragen zu Innovation kommen, sei es in der Mobilität, der Gestaltung von öffentlichem Raum, der Energiepolitik oder sogar in sozialen Beziehungen. Steininger zitiert diesbezüglich eine Teilnehmerin an einem Klimabürgerrat: „Es ist für mich klar, Klimawandel bedeutet nicht Furcht vor schlimmer Zukunft, sondern das Bewusstsein, dass wir unsere Zukunft in der Hand haben und wählen können, wie wir in Zukunft leben wollen“ – das ist eine ganz hoffnungsvolle Perspektive.
Infobox: Klimakrise – zentrale Begriffe und Fakten
Klimakrise: Bezeichnet die schwerwiegenden Folgen der menschengemachten Klimaveränderung. Seit Beginn der Industrialisierung ist die globale Durchschnittstemperatur bereits um rund 1,1 °C gestiegen. Ein Anstieg über 1,5 °C hinaus gilt als hohes Risiko für unumkehrbare Schäden.
Ursachen: Haupttreiber sind menschliche Aktivitäten im Industriezeitalter, vor allem die Verbrennung fossiler Brennstoffe, Abholzung und intensive Viehzucht. Sie erhöhen die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre.
Erderwärmung: Anstieg der durchschnittlichen Erdoberflächentemperatur durch Treibhausgase, die mehr Wärme in der Atmosphäre zurückhalten.
Klimawandel: Langfristige Veränderungen des Klimasystems mit Folgen für Ökosysteme, Biodiversität und menschliche Gesundheit. Sichtbar wird er unter anderem durch häufigere und intensivere Extremwetterereignisse, Meeresspiegelanstieg sowie Gletscher- und Eisschmelze.
Kipppunkte: Schwellen im Klimasystem, ab denen Veränderungen unumkehrbar werden können. Als besonders kritisch gelten etwa das Absterben von Wäldern und Korallen, das Tauen von Permafrost sowie die Erwärmung und Versauerung der Tiefsee.
Klimaüberschreitung: Zeitraum, in dem die globale Erwärmung vorübergehend über 1,5 °C hinausgeht, bevor sie wieder sinkt. Wissenschaftliche Szenarien erwarten eine solche Phase um die Mitte des Jahrhunderts. Dauer und Ausmaß gelten als entscheidend für die Schäden.
Pariser Abkommen: Rechtsverbindlicher Vertrag von 196 Staaten mit dem Ziel, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C, möglichst auf 1,5 °C, gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Entscheidend sind rasche und tiefgreifende Emissionssenkungen in diesem Jahrzehnt.
Quelle: UNRIC






