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"Medienberichterstattung über Suizide kann die Suizidraten in der Bevölkerung beeinflussen. Während Berichte über Todesfälle häufig mit einem Anstieg von Selbsttötungen einhergehen ("Werther-Effekt"), können Berichte über Überlebende mit einem Rückgang verbunden sein ("Papageno-Effekt"). Am 11. September 2024 berichteten Medien ausführlich über den Musiker Jon Bon Jovi, der in Tennessee den Suizidversuch einer Frau verhinderte", schrieben jetzt Sangsoo Shin (Universität Melbourne/Australien) und Co-Autoren, unter ihnen Thomas Niederkrotenthaler (Public Health/MedUni Wien), der sich seit langem mit Suizidprävention beschäftigt.
Jon Bon Jovi hatte am 11. September 2024 auf der Seigenthaler-Fußgängerbrücke über den Cumberland River in Nashville ein Video gedreht, als man plötzlich auf eine Frau aufmerksam wurde, die bereits über das Geländer gestiegen war und sich offenbar in die Tiefe stürzen wollte. Der Sänger und ein Mitglied seines Teams sprachen die Frau an und überredeten sie, wieder auf die sichere Seite zu kommen. Unmittelbar darauf umarmte Jon Bon Jovi die Gerettete. Medien-Coverage gab es weltweit.
Die an der Publikation (British Journal of Psychiatry; DOI: https://doi.org/10.1192/bjp.2026.10668) beteiligten Wissenschafter sahen in den Geschehnissen im US-Bundesstaat Nashville die Chance, den bereits vor Jahren unter anderem von dem Wiener Suizidforscher formulierten "Papageno-Effekt" einer positiven Medienberichterstattung an einem realen Beispiel zu messen. Unter Verwendung von ausgeklügelten Berechnungsmodellen mit Berücksichtigung verschiedenster Faktoren verglichen sie die Zahl der Suizid-Todesfälle in Tennessee und in 19 anderen US-Bundesstaaten.
Das gute Beispiel Jon Bon Jovis zählte jedenfalls buchstäblich, so die Wissenschafter: "In Tennessee kam es im September 2024 zu einem signifikanten Rückgang der Suizidsterblichkeit (Verringerung um 22 Prozent; Anm.) Der Effekt war bei Männern in Tennessee am stärksten ausgeprägt (Reduktion um 26 Prozent; Anm.) ..." Bei Frauen konnten keine signifikanten Abweichungen beobachtet werden.
"Diese Studie liefert den ersten Beleg für einen 'Papageno-Effekt' nach einer viel beachteten, realen Überlebensgeschichte. Der lokale Effekt deutet auf einen lokalen Einfluss und/oder Resonanzfaktor hin, während der Rückgang bei Männern die Identifikation mit dem Mann, der die Geschichte ins Rollen brachte (z. B. Bon Jovi), widerspiegeln könnte. Überlebensgeschichten stellen möglicherweise eine bisher ungenutzte Möglichkeit zur Suizidprävention dar und sollten in weitere Studien sowie in Richtlinien für verantwortungsvolle Medienberichterstattung integriert werden", stellten die Fachleute in der Zusammenfassung ihrer Arbeit fest.
Service: www.suizid-praevention.gv.at






