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"Im Jahr 2023 litt fast jede fünfte Person an einer psychischen Erkrankung, wobei ungefähr drei Viertel davon auf Depressionen, Angststörungen und Substanzgebrauchsstörungen entfielen", berichtete Michael Müller von der OECD Anfang der Woche. Die realen Zahlen über die aktuelle Verbreitung von psychischen Erkrankungen dürften allerdings noch weitaus höher liegen. "Die Prävalenzzahlen dürften dabei noch unterschätzt sein." Viele leichtere Erkrankungen blieben aufgrund anhaltender sozialer Stigmatisierung und anderer Einschränkungen unerkannt. "Der Zugang zur Versorgung ist dabei nach wie vor unzureichend", betonte der Experte, so das "Deutsche Ärzteblatt".
Die Zahlen bestätigen de facto auch wissenschaftliche Erhebungen aus Österreich. Erst vor kurzem hat der ehemalige Chefarzt der Wiener Psychosozialen Dienste (PSD) Zahlen aus der ersten umfassenden wissenschaftlichen Untersuchung zur Häufigkeit psychischer Leiden in Österreich des Wiener Sozialpsychiaters Johannes Wancata präsentiert: "Innerhalb eines Jahres haben 20,3 Prozent der Männer und 25,1 Prozent der Frauen eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung. Das sind 22,7 Prozent der gesamten Bevölkerung, also fast ein Viertel." Die Studie sei noch vor Covid-19 durchgeführt worden. Es gebe viele Hinweise, dass die psychische Gesundheit vieler Menschen durch die Pandemie erst recht beeinträchtigt worden ist.
In Grafiken der OECD (https://go.apa.at/PK9gN6ao) wird die schlechte Position Österreichs in diesen Belangen deutlich. Unter den verglichenen EU-27-Ländern liegt Österreich bei der durchschnittlich verlorenen Lebenserwartung in Gesundheit und verlorener Lebenserwartung insgesamt für die Jahre 2025 bis 2050 durch psychische Erkrankungen nach Schweden (minus 3,37 Jahre) mit im Durchschnitt 3,33 Jahren weniger Lebenserwartung in Gesundheit an zweitletzter Stelle. Im EU-27-Durchschnitt sind es 2,5 Jahre, in Griechenland und Bulgarien an den besten Positionen rund 1,2 Jahre.
Dabei bekommen viel zu wenige Betroffene die notwendige medizinische und therapeutische Hilfe. "Basierend auf vorangegangenen OECD-Surveys und Surveys der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzen wir, dass im EU- und OECD-Schnitt rund 60 Prozent der Menschen, die psychotherapeutische oder psychiatrische Hilfe benötigen, keinen Zugang dazu haben", sagte Müller laut der deutschen Ärztezeitung.
Wichtig sind laut der OECD auch geschlechterspezifische Charakteristika. Frauen leiden öfter unter Angststörungen und Depressionen. Bei Männern stehen häufig Alkohol- oder anderer Substanzmissbrauch im Mittelpunkt. Angststörungen sind mit einem Anteil von insgesamt 40 Prozent am häufigsten. 20 Prozent der psychischen Erkrankungen entfallen auf Depressionen, 17 Prozent auf Substanzmissbrauch bzw. Abhängigkeit.
In der EU kommt es jährlich zu rund 28.000 vorzeitigen Todesfällen durch psychische Erkrankungen. Zwischen 2025 und 2050 droht laut den Schätzungen eine Reduktion des Bruttoinlandsproduktes um 1,7 Prozent allein durch die geringere Erwerbsbeteiligung der Betroffenen. Schlechte psychische Gesundheit koste die Volkswirtschaften Europas demnach jedes Jahr rund 76 Milliarden Euro. Das entspricht etwa sechs Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben.






