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"Die Auswirkungen des Klimawandels auf die neurologische Entwicklung von Kindern sind noch unzureichend erforscht, insbesondere die Rolle der Temperaturexposition in der frühen Kindheit auf die Gehirnentwicklung. Wir untersuchten den Zusammenhang zwischen Hitze- und Kältebelastung von der Schwangerschaft bis zum Alter von 8,5 Jahren und strukturelle Veränderungen des Gehirns in der Altersgruppe der Neun- bis 15-Jährigen", schrieben jetzt Laura Granes von der Abteilung für Psychiatrie an der Universitätsklinik Bellvitge in Spanien und ihre Co-Autoren in "Environment International".
Die wissenschaftliche Untersuchung lief im Rahmen einer großen niederländischen Studie, in der 3.251 Kinder aus Rotterdam mit der Schwangerschaft ihrer Mütter in der Dekade zwischen den Jahren 2001 und 2011 langfristig begleitet und untersucht wurden. Wohnortdaten und die Temperaturen (zwischen minus 7,9 Grad Celsius und 31,3 Grad Celsius) wurden analysiert. Im Alter von durchschnittlich rund zehn und 14 Jahren erfolgte eine Magnetresonanzuntersuchung des Gehirns der Heranwachsenden. Dabei wurden auch die Volumina von Gehirnregionen gemessen.
Das Hauptergebnis, so die Wissenschafter: "Die Exposition gegenüber einer monatlichen Durchschnittstemperatur von 20,5 Grad Celsius während der Schwangerschaft und im Säuglingsalter war mit einem verlangsamten Wachstum des Thalamus verbunden." Die Thalamus-Gehirnregion gehört zu jenen Teilen des menschlichen Gehirns, die sich im Rahmen der Embryonalentwicklung am frühesten herausbilden. Der im Zwischenhirn liegende Thalamus spielt eine zentrale Rolle in der Filterung von Signalen, die aus dem Körper ins Gehirn kommen und dann zur Verarbeitung an die Großhirnrinde weitergeleitet werden.
Hatte die Hitzebelastung die Föten im ersten Schwangerschaftsdrittel getroffen, zeigte sich später eine um 25,80 Kubikmillimeter kleinere Thalamus-Region. Bei Hitze im zweiten Schwangerschaftsdrittel waren es im Vergleich zu keiner Belastung minus 25,60 Kubikmillimeter, im dritten Trimester minus 22,92 Kubikmillimeter. Hohe Temperaturen innerhalb der ersten drei Lebensmonate der Babys führte langfristig zu einem um 5,31 Kubikmillimeter geringerem Thalamus-Volumen.
"Wir konnten keine Perioden erhöhter Empfindlichkeit anderer Hirnstrukturen gegenüber Kälteexposition feststellen. Eine hohe Umgebungstemperatur während der Schwangerschaft und im Säuglingsalter wurde mit einem langsameren Wachstum des Thalamus im späteren Kindesalter in Verbindung gebracht, was auf langfristige Auswirkungen von Hitze auf die Entwicklung des Thalamus hindeutet. (...) Steigende Temperaturen erfordern Maßnahmen zur Reduzierung der Hitzebelastung bei Schwangerschaft und Säuglingen", stellten die Wissenschafter unter anderem fest. Kälteperioden blieben übrigens ohne Auswirkung auf die Gehirnentwicklung.
In der wissenschaftlichen Studie ergaben durch nachfolgende Analysen auch Hinweise auf mögliche Verhaltensstörungen der betroffenen Kinder. Im Alter zwischen 13 und 16 Jahren wurden nach Hitzebelastung in der Schwangerschaft vermehrt sogenannte "externalisierende Symptome" registriert. Darunter werden stärkere Impulsivität, Aggressivität und weniger regelkonformes Verhalten verstanden. Aber der Zusammenhang war offenbar nicht eindeutig genug für endgültige Aussagen.
Die Wissenschafter sehen Politik und Gesellschaft gefordert: "Angesichts der Klimaprognosen zu den globalen Temperaturen könnten politische Maßnahmen und Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, die darauf abzielen, die Exposition von Schwangeren und Säuglingen gegenüber hohen Umgebungstemperaturen zu reduzieren, entscheidend für den Schutz der frühkindlichen Gehirnentwicklung sein."
S E R V I C E - Studie online: https://doi.org/10.1016/j.envint.2026.110385
