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Das Auftreten der Feuer in Österreich zeichnet ein Team um Mortimer Müller vom Institut für Waldbau der Universität für Bodenkultur (Boku) auf. Die kurzfristige Waldbrandgefahr-Prognose, die rund drei Tage in die Zukunft reicht, liefern Expertinnen und Experten der Geosphere Austria, während ein Team um Kraxner und Andrey Krasovskiy vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien ein ausgeklügeltes System mit dem Modellnamen "FLAM" betreibt und weiterentwickelt, das auf tagesaktuellen Daten basierend weiter in die Zukunft blickt, um künftige Waldbrand-Hotspots im Land zu identifizieren.
Mittelfristig ist für Österreich eine "konstante Steigerung" der Waldbrände zu erwarten. Als Beschleuniger dahinter wirkt der fortschreitende Klimawandel, dessen Beitrag in der auch medialen Berichterstattung über die riesigen Brände des heurigen Sommers in Frankreich oder Spanien bzw. zu den heimischen Brandereignissen bisher zu wenig herausgestrichen werde, meint der Wissenschafter. Dass es auch hierzulande aufgrund der im internationalen Vergleich sehr ausgeprägten treibhausgasbedingten Temperaturerhöhung häufiger zu Situationen wie der aktuellen beispiellosen Hitze- und Dürrephase kommen wird, liege auf der Hand: "Wer jetzt noch nicht aufwacht, hat es wirklich nicht kapiert", so Kraxner.
Dass der Groß-Waldbrand im niederösterreichischen Kiefern- und Föhrenwald von entsorgter Munition aus dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst wurde, sei nicht überraschend gewesen. Diese verursache dort nahezu jedes Jahr einen Brand, weiß Kraxner aus Begehungen mit den Förstern. Unter den heurigen Bedingungen erreichte das Feuer schnell deutlich größere Ausmaße. Genau daran sehe man, wie sich die Bedingungen in Richtung Begünstigung von Waldbränden verändern.
So ist 2026 bereits die rund fünffache Menge an Wald abgebrannt, die in einem sonstigen Durchschnittsjahr vernichtet wird. Aktuell ist davon auszugehen, dass die extreme Trockenheit noch wochenlang bestehen bleiben könnte. Im Vergleich ist aber erst der Herbst die Jahreszeit mit den meisten Waldbränden in Österreich.
"Der Link zum Klimawandel ist eindeutig", selbst wenn es sich heuer um ein Extremjahr - auch in Verbindung mit dem Wetterphänomen "El Niño" - handeln dürfte, so Kraxner. Von der großen Wetter- und Klimaperspektive schließt man auf die Brandsituation der Zukunft, in Gesamt-Österreich und mit besonderem Fokus auf Niederösterreich. Im Rahmen des Forschungsprojekts "Austria Fire Futures" (AFF) in Kooperation mit der Boku und dem Bundesforschungszentrum Wald (BFW) zeige sich: "Dort, wo es immer schon brennt, wird es noch mehr brennen", was vor allem auf Teile Niederösterreichs und Tirols zutreffe.
Laut den Modellen steigt aber auch in neuen Gegenden die Brandwahrscheinlichkeit: So zum Beispiel entlang der Donau in etwa zwischen Wien und Bratislava. Wenn dort die Dürre in Zukunft für ausgeprägte Niedrigwasserstände sorgt - ähnlich wie gerade jetzt -, könnten auch Nebenarme des Stromes kaum mehr Wasser führen und kaum mehr Feuchtigkeit an potenziell brennbares Material abgeben. "Die Möglichkeit, dass es dort brennt, wird in zukünftigen Jahren höher werden als bisher", so Kraxner.
Wer gedacht hat, dass der Klimawandel und seine mannigfaltigen Auswirkungen an uns quasi vorbeiziehen, liege falsch: "Österreich wird auf keinen Fall verschont." Der Alpenraum und Zentraleuropa erwärmt sich bekanntlich vergleichsweise sehr stark und rasch. Sehe man sich an, wie gerade das 1,5-Grad-Ziel verfehlt wird, stelle man sich die Frage, ob die Politik in Krisenzeiten hier tatsächlich vorausschauend die richtigen Schritte in Richtung Dekarbonisierung setzt.
Der aktuelle Rekordsommer und die Rekordtrockenheit, die eigentlich bereits im Winter bzw. in den vergangenen Jahren mit tendenziell im Schnitt zu wenig Regen in vielen Regionen begann, "könnten" vielleicht helfen, dass das Bewusstsein für die beunruhigenden Abläufe steigt. Spreche man mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedenster wissenschaftlicher Fachrichtungen, dann würden alle im Prinzip die gleiche Geschichte erzählen. Sieht man sich die momentanen Schäden in der Landwirtschaft und den nachvollziehbaren Ruf nach Hilfen an, dann frage man sich, wie oft künftig solche Pakete noch geschnürt werden können. "Wir können uns ja nicht einmal Umwelt- und Klimaschutz leisten", so Kraxner.
(S E R V I C E - Waldbrandstatistik: https://fire.boku.ac.at/firedb/de/ , https://waldbrand.at ; Link zur FLAM-Modell Homepage: http://www.iiasa.ac.at/flam; Infos zu "Austria Fire Futures"-Projekt: https://iiasa.ac.at/projects/austria-fire-futures und https://www.klimafonds.gv.at/projekt/austria-fire-futures ; SITCA-Allianz: www.sitca.earth )
Brände größer als 1 Hektar pro Jahr, 2026 Stand Anfang August, Quelle: BOKU;.Die Auslieferung der APA-Grafiken als Embed-Code ist ausschließlich Kunden mit einer gültigen Vereinbarung für Grafik-Pauschalierung vorbehalten. Dabei inkludiert sind automatisierte Schrift- und Farbanpassungen an die jeweilige CI. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an unser Grafik-Team unter grafik@apa.at. GRAFIK 0981-26
