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Wie viel UV-Strahlung in Bodennähe ankommt, ist neben der Sonnenhöhe zu Mittag und der sich im Jahreszyklus ändernden Tageslänge vor allem von der Wolkenbedeckung, aber auch von der Dicke der Ozonschicht und den in der Luft befindlichen Schwebestoffen (Aerosolen) abhängig, die die einfallende Strahlung streuen oder absorbieren können. Ein weiterer Faktor ist die Reflexion von Schnee- oder Wasserflächen auf dem Boden. An mehreren Standorten in Europa wurden in den vergangenen Jahren Veränderungen der UV-Belastung festgestellt, die vor allem durch veränderte Wettermuster wie verminderte Wolkenbedeckung verursacht werden.
Das weitverzweigte Forschungsteam um Schmalwieser von der Abteilung für Medizinische Physik und Biophysik der Veterinärmedizinischen Universität Wien untersuchte nun in einem "einzigartigen Vergleich", ob dies auch im größeren Maßstab zutrifft, wie die Wissenschafterinnen und Wissenschafter in ihrer Arbeit schreiben. Unter den 40 Messstellen, an denen die gewichtete tägliche "erythemische" - also hautwirksame oder sonnenbrandverursachende - UV-Belastung aufgezeichnet und analysiert wurde, sind aus Österreich Stationen in Dornbirn, Wien und am Sonnblick mit Daten vertreten.
Dort zeigte sich im Untersuchungszeitraum durchwegs ein Plus, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß, wie Schmalwieser der APA erklärte: So ist in Dornbirn der Anstieg im Mai und Juni am stärksten. Dort steigt der Jahresmittelwert um 1,28 Prozent pro Jahr - also sogar stärker als das Plus im Europa-Schnitt von exakt 1,16 Prozent jährlich. "In Wien ist der Anstieg im Juni signifikant. Das Jahresmittel steigt um 0,64 Prozent pro Jahr", so der Forscher. Da am Observatorium am Sonnblick die größten Anstiege im Jänner, Februar und Oktober verzeichnet wurden, diese Monate aber "nur wenig Beitrag zur UV-Jahressumme" liefern, fällt das Plus dort nicht statistisch signifikant aus. Die Daten aus Österreich würden insgesamt im Europa-Trend liegen, erklärte Schmalwieser.
Alles in allem registrierte man UV-Strahlungszuwächse in einem weiten Gebiet Europas: Von Griechenland bis zum mittleren Teil Skandinaviens sowie von den Britischen Inseln im Westen bis nach Polen und der Slowakei im Osten, schreiben die Forschenden. Im hohen Norden und weit im Süden fallen die Zuwächse geringer aus. Eine Ausnahme bildet der mittlere und südliche Teil der Iberischen Halbinsel, wo kein Anstieg registriert wurde. Der Großteil des Zuwachses dürfte auf die abnehmende Wolkenbedeckung im sich erwärmenden Klima vielerorts zurückzuführen sein. Die Rolle der Aerosole und von Ozon in der Atmosphäre sei hingegen vernachlässigbar.
Die Beobachtungen an den Messstellen passen auch gut mit "Trends der globalen Solarstrahlung und Sonnenscheindauer aus Satellitendaten" zusammen, wird Schmalwieser in einer Vetmed-Aussendung zitiert. Das lasse laut den Forschenden darauf schließen, dass es sich um Entwicklungen handelt, die nicht nur rund um die Messstellen, sondern auch in den umliegenden größeren Regionen ablaufen. Ab wann sich dieser Trend einstellte, versuchte man dadurch abzuschätzen, dass man bei sechs Standorten noch längere Messreihen zur Verfügung hatte. Dem zufolge dürfte der Anstieg in etwa ab den Jahren 2010 bis 2013 Fahrt aufgenommen haben.
"Auch wenn die prozentualen Zuwächse im Winter teils am größten sind: Für den Gesundheitsschutz bleibt für die Zuwächse der Sommer die entscheidende Jahreszeit, weil er den größten Anteil an der jährlichen UV-Dosis liefert", so Schmalwieser. Insgesamt gelte es jetzt, diesen Trend und seine Auswirkungen genauer zu untersuchen, da ein Plus bei der UV-Strahlung auch zu einer höheren Gefahr für Hautkrebserkrankungen führt. Außerdem können sich Veränderungen auch auf Land- und Wasserökosysteme auswirken, wo sie die Photosynthese-Balance und landwirtschaftliche Produktivität beeinflussen können, halten die Forscherinnen und Forscher in der Arbeit fest.
(S E R V I C E - https://doi.org/10.1007/s43630-026-00971-4 )
