Google rollt Gemini 4 Argon weltweit in der Gemini-App aus. Das neue KI-Modell soll komplexe Aufgaben von Anfang bis Ende erledigen und sogar weiterarbeiten, wenn niemand am Computer sitzt. Was es kann, wo es schwächelt und wer Zugang hat.
Was Google gestartet hat
Google hat sein neues KI-Modell Gemini 4 Argon für ein breites Publikum geöffnet. Seit 13. Oktober 2026 wird es laut Google weltweit in der Gemini-App für Abonnentinnen und Abonnenten von Google AI Pro und Google AI Ultra ausgerollt. Vorgestellt hatte der Konzern das Modell bereits am 30. September, zunächst nur für ausgewählte Fachleute aus der Cyberabwehr.
Google beschreibt Argon als sein neuestes Spitzenmodell, gebaut, um die komplexesten Aufgaben von Anfang bis Ende zu erledigen. Als Beispiele nennt der Konzern die Analyse eines umfangreichen Finanzberichts, das Erstellen einer Präsentation aus verstreuten Quellen oder das Bauen eines interaktiven 3D-Modells. Im Mittelpunkt stehen Softwareentwicklung, Wissensarbeit in Unternehmen, etwa in Recht und Finanzen, sowie die Abwehr von Cyberangriffen.
Neuer Aufgaben-Modus in der Gemini-App
Für Nutzerinnen und Nutzer der App ist ein neuer Schalter im Chatfenster die auffälligste Änderung. Damit lässt sich vom normalen Chat in einen Aufgaben-Modus wechseln. In diesem Modus kann Gemini nach Angaben von Google weiterarbeiten, auch wenn man gerade nicht am Computer sitzt, und meldet bei längeren Arbeiten häufiger den Zwischenstand.
Auch der Ton soll sich ändern. Argon antworte direkter, relativiere weniger und verzichte auf unnötige Wiederholungen und Floskeln, schreibt Google. Zudem lässt sich Gemini nun mit mehr als 40 Apps verbinden, darunter Adobe, Shopify, Instacart und OpenTable. Wer programmiert, kann in der Gemini-App für macOS zwischen Chat und der Programmierumgebung Google Antigravity wechseln.
Wie Argon in Tests abschneidet
In der technischen Modellbeschreibung vergleicht Google Argon mit den stärksten Modellen der Konkurrenz, darunter GPT-6 Astra von OpenAI sowie Claude Opus 5.5 und Claude Fable 5.1 von Anthropic. Beim Programmiertest DeepSWE erreicht Argon demnach 77,9 Prozent, beim Automatisierungstest AutomationBench 51,3 Prozent und beim Vals Index 68,9 Prozent, jeweils der beste Wert im Vergleich.
Eine klare Führung über alle Disziplinen weist aber auch Google selbst nicht aus. Beim Terminal-bench 4.0 liegt Argon mit 57,4 Prozent hinter Claude Opus 5.5 mit 66,4 Prozent, beim FrontierSWE und beim Computer-Bedienungstest OSWorld vorne liegt jeweils GPT-6 Astra. Solche Testergebnisse stammen vom Hersteller und sagen nur begrenzt etwas über den Nutzen im Alltag aus.
Technisch handelt es sich laut Google um ein komplett neues Modell und nicht um eine Weiterentwicklung eines Vorgängers. Argon verarbeitet Text, Bilder, Audio und Video, kann mit bis zu einer Million Tokens auf einmal umgehen und hat einen Wissensstand bis März 2026.
Wer Argon in Österreich nutzen kann
Da Google von einem weltweiten Start spricht, betrifft das auch Österreich. Voraussetzung ist allerdings ein kostenpflichtiges Abo von Google AI Pro oder Google AI Ultra. Ob und wann Argon auch in der Gratisversion von Gemini verfügbar wird, hat Google nicht mitgeteilt.
Für Unternehmen und Entwicklerinnen und Entwickler ist Argon über die Gemini-Programmierschnittstelle, Google AI Studio und Gemini for Business erhältlich. In einer Einführungsphase verlangt Google zwei US-Dollar pro Million eingegebener Tokens und zehn US-Dollar pro Million ausgegebener Tokens. Danach sollen sich die Preise auf vier beziehungsweise 20 US-Dollar verdoppeln.
Schrittweiser Start aus Sicherheitsgründen
Google begründet den gestaffelten Start mit den Fähigkeiten des Modells. Spitzenfähigkeiten auf diesem Niveau sicher zu veröffentlichen, erfordere einen schrittweisen Ansatz, schreibt Koray Kavukcuoglu, Senior Vice President bei Google DeepMind und Chief AI Architect von Google. Nach eigenen Angaben nimmt Google auch an einem freiwilligen Vorabprüfverfahren der US-Regierung teil.
Die veröffentlichte Sicherheitsbewertung ist bemerkenswert offen. Bei Cyberangriffen und im Bereich biologischer Risiken könne Google nicht ausschließen, dass kritische Schwellen erreicht werden, und habe deshalb zusätzliche Schutzmaßnahmen eingebaut, die das Risiko nach eigener Einschätzung darunter halten. Wie gut diese Vorkehrungen im breiten Einsatz funktionieren, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.
