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Forschungsrat will Studium verbindlicher gestalten

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Henzinger gefällt Idee von Teilzeitstudium
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Der Rat für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung (FORWIT) schlägt in einer Empfehlung mehr Verbindlichkeit im Studium vor. Dafür soll das Studienrecht so flexibel wie möglich, aber so stringent wie nötig weiterentwickelt werden. Unter anderem soll über ein Teilzeitstudium nachgedacht werden. Außerdem sollte der Bezugskreis von Studienbeihilfen vergrößert und im Gegenzug eine höhere Mindeststudienleistung für Vollzeitstudierende eingeführt werden.

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Leitgedanke der Rats-Überlegungen sei, dass künftig in Österreich mehr Menschen eine tertiäre Ausbildung haben sollen, meinte FORWIT-Vorsitzender Thomas Henzinger zur APA. Und zwar aus drei Gründen: "Wir brauchen endlich Chancengerechtigkeit in unserem Hochschulsystem." Österreich liege beim Zugang von Menschen aus Nicht-Akademiker-Familien schlechter als vergleichbare westeuropäische Staaten. Außerdem gebe es kein besseres Mittel gegen Populismus und Wissenschaftsfeindlichkeit als tertiäre Bildung.

Und schließlich sprächen auch noch Arbeitsmarktgründe dafür: "Ich kann Ihnen nicht sagen, wie die Zukunft des Arbeitsmarkts in 10 Jahren aussieht, das kann niemand. Aber eines kann ich mit Sicherheit sagen: Tertiär Ausgebildete sind am besten darauf vorbereitet." Wichtigste Eigenschaft werde die lebenslange Lernfähigkeit sein - "und niemand lernt später besser als die, die schon in jungen Jahren viel gelernt haben, egal, ob Technik oder Geschichte."

Derzeit leiste sich Österreich ein liberales System, um Chancengleichheit herzustellen, konstatiert der FORWIT. Curricula, Studienrecht, Prüfungsordnung etc. seien maximal flexibel, um jeden erdenklichen Sonderfall unterbringen zu können. Folge: Es fehle an Verbindlichkeit: "Wenn man in Österreich ein Studium an einer Uni beginnt, weiß man nicht, wann man fertig wird." Das sei in anderen Staaten nicht so.

Insofern sei man erfreut, dass Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) den Ratsvorschlag eines Teilzeitstudiums aufgegriffen habe, so Henzinger. Dieses solle man ernsthaft prüfen. Studierende könnten sich dann aussuchen, ob sie Vollzeit oder nur Teilzeit studieren möchten und dann etwa die doppelte Zeit zur Verfügung haben. Unis umgekehrt könnten ihre Lehrveranstaltungen danach ausrichten - also etwa, was sie tagsüber und was am Abend anbieten. Derzeit müssten alle dieselben Lehrveranstaltungen besuchen.

"Wenn man das macht und Sonderfälle flexibel gestaltet, kann man auch den Regelfall stringenter gestalten", ist Henzinger überzeugt. Für die Vollzeitstudierenden seien dann auch deutlich höhere Vorgaben bei der Mindeststudienzeit möglich. Gekoppelt werden müsse dies auch mit einer ausreichenden, leistungsorientierten Studienbeihilfe: Wer Vollzeit in der Regelstudienzeit studiere, solle auch eine deutlich höhere Unterstützung bekommen als jetzt - dann würden auch mehr in der Regelstudienzeit abschließen.

Das würde zwar etwas kosten, konzedierte Henzinger. "Aber das jetzige System kostet ja auch viel und bringt zu wenig." Profitieren würden davon vor allem Studierende aus Nicht-Akademikerfamilien. "Weil die überlegen sich zweimal, ob sie ein Studium anfangen, wenn nicht klar ist, wie lange das dauert." In diesem System müssten dann logischerweise die Vorgaben an den Studienfortschritt bei Vollzeitstudierenden höher sein. Wer das nicht leisten könne oder wolle, dem stehe das Teilzeitstudium offen. Dort würden die Vorgaben niedriger sein: "Warum es dann aber Beihilfen für Teilzeitstudierende geben soll, erschließt sich mir nicht."

Daneben könnte es noch weitere Möglichkeiten zur Unterstützung geben, so Henzinger. Als Beispiel nannte er Studienkredite. Diese könnten dann zum Beispiel erlassen werden, wenn das Studium zügig abgeschlossen werde und man anschließend in Österreich arbeite.

Daneben hat der Rat auch noch zahlreiche andere Vorschläge erarbeitet: Diese betreffen etwa die Einführung verbindlicher Bildungs- und Berufsorientierungsformate und von Online-Self-Assessments schon an den Schulen. Auch eine Reform der Studienberechtigung gehört dazu: So sei die derzeitige Studienberechtigungsprüfung für Personen ohne Matura ein "selten begangener, langwieriger Pfad mit ungewissem Ausgang, ergo kein Vorbild an Niederschwelligkeit". Stattdessen könnten neben der Matura auch alternative Wege wie standardisierte oder uniautonome Zulassungstests geprüft werden.

In einem Pilotprojekt könnte außerdem wie in den Niederlanden ein gemeinsames Eingangsjahr in Studienfeldern wie Technik oder Wirtschaft für Uni- und Fachhochschulstudierende erprobt werden. Dies ermögliche eine fundierte Orientierung zwischen den Hochschultypen erst nach den ersten Hochschulerfahrungen und könne Fehlentscheidungen bei der Studienwahl reduzieren.

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