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Der neue Motor soll die Leistung und die Nutzlastkapazitäten der Trägerraketen Ariane 6 und Vega-C steigern und Europa im Wettbewerb mit internationalen Anbietern konkurrenzfähiger machen. Die beiden Trägerraketen haben unterschiedliche Aufgaben. Während Ariane 6 größere und schwerere Satelliten in den Orbit bringen soll, ist Vega-C vor allem für leichtere Nutzlasten und wissenschaftliche Missionen gedacht. Beide setzen derzeit auf den P120C-Motor, einem der weltweit größten Feststoff-Monoblock-Triebwerke aus Kohlefaser. Der P160C ist die Weiterentwicklung. Der erste Start mit P160C ist mit Ariane 6 noch für Juni geplant, weiß Damien Darriet von der Firma Europropulsion. Wann der neue Motor in einer Vega-C-Rakete ins All starten soll, ist noch ungewiss.
Zuletzt hieß es vergangene Woche deshalb noch: "Trois, deux, un, top. Allumage P120 et decollage." Also in etwa: "Drei, zwei, eins, null. Zündung des P120 und Start." Die Vega-C startete mittels P120C-Motor mit dem SMILE-Satelliten an Bord. Für die Mission, mit der die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) gemeinsam mit der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) den Sonnenwind erforschen will, musste die Rakete zusätzlich "geboostet" und adaptiert werden. Weil sie noch nie so einen schweren Satelliten - mehr als 2.000 Kilogramm - getragen hat, wie die ESA-Wissenschaftsdirektorin Carole Mundell nach dem erfolgreichen Start im Gespräch mit der APA verriet.
Der P160C soll künftig ohne zusätzliche Anpassungen mehr leisten können. Auf dem Gelände von Europropulsion wird der Motor mit den gefährlichen Gasen mithilfe eines blauen Roboters in die Rakete integriert. Dabei müssen die einzelnen Bauteile millimetergenau aufeinander abgestimmt werden. Rund sechs Stunden dauert der Vorgang. Besucher - in dem Fall eine Gruppe von Journalisten - müssen vor Betreten der Halle sämtliche elektronischen Geräte und Feuerzeuge abgeben.
An diesem Tag im Mai regnet es im Nordosten Südamerikas immer wieder, kurz und in Strömen. Abkühlung bringt das keine, die Luftfeuchtigkeit ist hoch, die Temperatur liegt bei um die 30 Grad. "So ist das bei uns", erklärt Renata Bragance vom Europäischen Raumfahrtzentrum und zuckt die Achseln. Das Gute an der Regenzeit: "Man nennt sie auch Samenzeit, alle Palmen tragen Früchte, die wir essen können." Renata Bragance meint Palmfrüchte wie die orangefarbene, süßlich-nussige Awara und die dunkelviolette Açaí-Beere mit ihrem leicht erdigen Geschmack. Palmen gibt es auf dem Gelände des Weltraumbahnhofs unzählige. Ebenso wie Wildtiere, darunter auch Jaguare. Nur zehn Prozent der Fläche sind von Gebäuden besetzt, der Rest ist Natur - Savanne und Dschungel. 660 Quadratkilometer groß ist der Bereich. "Sechs Mal Paris", vergleicht Renata Bragance. Der Weltraumbahnhof mit seinen aktuell 1.500 Mitarbeitern entstand hier in den 1960er-Jahren unter Charles de Gaulle. Auch die Seychellen standen damals als möglicher Standort zur Diskussion. "Ich hätte die Tour auch gern auf den Seychellen gegeben", scherzt Bragance.
Für Kourou sprach letztlich vor allem die Lage. Durch die Nähe zum Äquator profitieren Raketen von der Erdrotation, benötigen weniger Treibstoff und können größere Satelliten transportieren. Gestartet wird außerdem über dem offenen Atlantik, wodurch das Risiko für die Bevölkerung minimiert wird. Hinzu kommen vergleichsweise stabile Wetterbedingungen sowie das Fehlen von Erdbeben und tropischen Wirbelstürmen.
Viele Komponenten für Europas Raketen legen dennoch Tausende Kilometer zurück, bevor sie hier ankommen. Sie werden in verschiedenen europäischen Ländern gefertigt und per Schiff nach Französisch-Guyana transportiert. Das gilt auch für Teile des neuen P160C-Motors.
Die Verbundstruktur wird vom italienischen Unternehmen Avio gefertigt. Die Düse kommt von ArianeGroup aus Frankreich. Sie muss Temperaturen von bis zu 3.000 Grad Celsius standhalten und die Verbrennungsgase mit hoher Geschwindigkeit ausstoßen. Der Zünder wiederum wird in Norwegen hergestellt. Erst die Betankung und die Endmontage erfolgen in Französisch-Guyana.
Bevor der Motor bei Europropulsion montiert wird, durchläuft er mehrere Stationen. Eine davon liegt nur wenige Autominuten entfernt. Auf dem Gelände von Regulus entsteht jener Feststofftreibstoff, der später den Motor antreiben wird. Ein futuristisch aussehender, metallen glänzender Mixer mit drei Mixsäulen vermischt Aluminiumpulver, Ammoniumperchlorat und ein Bindemittel zu einer zähflüssigen Masse. "Von diesen Mixern gibt es nur vier in der Welt. Der fünfte ist in den USA explodiert", erzählt Dominique Lamotte von Regulus. Anschließend wird die Masse in die leere Struktur des Motors gegossen und über mehrere Tage ausgehärtet. Aufgrund der verarbeiteten Stoffe gelten strenge Sicherheitsvorschriften. Der Motor wird dann in aufrechter Position mittels eines riesigen Transporters weiter zu Europropulsion gebracht.
Wenn der neue Motor mit Ariane 6 im Juni startet, fliegt auch österreichische Technik mit. In der Ariane 6 stecken Beiträge des Wiener Hightech-Unternehmens TTTech, von Test-Fuchs Aerospace Systems aus Niederösterreich, von Hage Sondermaschinenbau aus der Steiermark sowie von den Unternehmen ISW und Böhler.
Ebenso hat Österreich beim SMILE-Satelliten mitgemischt: Ausgestattet ist dieser mit vier wissenschaftlichen Instrumenten: einer Röntgenkamera, einer Ultraviolettkamera, einem Ionenspektrometer und einem Magnetometer. Die Hardware für den Steuercomputer der Röntgenkamera wurde vom Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Graz geliefert. Dort wurde die Datenverarbeitungseinheit auch getestet. Die Software stammt vom Institut für Astrophysik der Universität Wien. Das niederösterreichische Unternehmen Space-Lock lieferte einen Haltemechanismus für die Kamera.
Doch bevor SMILE seine Reise ins All antreten konnte, musste im Kontrollzentrum von Kourou erst grünes Licht gegeben werden. Rund 13 Kilometer von der Startrampe der Vega-C-Rakete entfernt sitzt das Team im Kontrollzentrum vor einer Wand voller Bildschirme. Hier wird entschieden, ob ein Start grünes oder rotes Licht erhält. Zwischen Monitoren, Checklisten und Kommunikationssystemen steht auf einem Tisch eine große Plastikbox voller Fruchtgummi. "Futter fürs Gehirn", scherzen Ignasi Pardos Biarnes von der ESA und Gabriele Mazzoni von Avio. Das italienische Unternehmen Avio, Hauptauftragnehmer der Vega-C-Rakete, trat beim SMILE-Start erstmals selbst als Startdienstleister auf.
Die Entwicklung in Kourou soll in den kommenden Jahren weitergehen. Auf die Vega-C-Rakete sollen zum Beispiel leistungsfähigere Varianten wie Vega-C+ und Vega-E folgen. Gleichzeitig wird die Infrastruktur des Weltraumbahnhofs ausgebaut. Ein neues Kontrollzentrum entsteht bereits.
Derzeit sind Starts ungefähr alle elf Tage möglich. Künftig soll dieser Rhythmus deutlich erhöht werden. Ziel ist es, Raketenstarts theoretisch bereits alle fünf Tage durchführen zu können.
Während draußen also die Regenzeit Palmenfrüchte reifen lässt, arbeitet Europas Raumfahrtindustrie in den Hallen von Kourou bereits an der nächsten Generation ihrer Trägerraketen. Der P160C-Motor soll dabei helfen, mehr Satelliten und schwerere Nutzlasten ins All zu bringen - und Europas Zugang zum Weltraum weiter auszubauen.
(Von Anna Stockhammer/APA)
Transfert P160C - QM3 du BIP au BEAP, le 20/03/2025.




