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"In Großbritannien bekommen die Ärzte für viele durchgeführte Influenza-Impfungen Boni. In Irland ist das Impfen sehr niederschwellig. Genau das ist es, was uns fehlt. Dänemark und Großbritannien haben bei den Senioren Durchimpfungsraten von 70 bis 80 Prozent. Weil sie etwas tun", sagte die Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes, Ingrid Korosec. "Die Impfung soll zu der impfwilligen Person kommen, nicht die Person zur Impfung", ergänzte Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Pensionistenverbandes Österreichs.
An sich gab es in den vergangenen Jahren in Österreich bei der Influenza-Impfung durchaus Fortschritte. "Die Situation ist allerdings sehr heterogen", sagte Martin Koch vom führenden Pharma-Anbieter (CSL Behring) eines speziell für Senioren gedachten adjuvierten, also durch einen Zusatz verstärkten, Influenza-Impfstoffes, den Österreich bestellt hat. Sowohl was die Altersgruppen als auch die regionale Verteilung betrifft, gebe es große Unterschiede.
Vergangene Saison waren 23 Prozent der Babys und Kleinkinder im Alter zwischen sechs Monaten und zwei Jahren gegen die Influenza geimpft. Bei den Zwei- bis 17-Jährigen lag diese Quote bei zwölf Prozent. Die 18- bis 59-Jährigen waren mit 7,3 Prozent deutlich schlechter. Unter den 60- bis 64-Jährigen betrug die Durchimpfungsrate 14,6 Prozent, bei den über 65-Jährigen dann 24,4 Prozent.
"Bei den Kindern war die nasale Influenza-Vakzine (Spray; Anm.) der 'Game Changer'", erklärte Rainer Wolschner, Leiter des Impfreferats der Wiener Ärztekammer. Dass in der vergangenen Saison der ehemals eingehobene Fünf-Euro-Selbstbehalt für die Influenza-Immunisierung weggefallen sei, habe sich sehr positiv ausgewirkt. Wolschner betonte die Bedeutung, sich bei der Influenza-Impfung auf die wichtigen Bevölkerungsgruppen zu konzentrieren: Die Kinder als infektiöse Multiplikationsfaktoren bei der Verbreitung und die Senioren, weil sie am meisten durch schwere Komplikationen gefährdet sind. "Zwei Wochen nach Beginn der Influenzawelle steigen die Spitalsaufnahmen wegen der Pneumonien."
Bei der Verbreitung der Influenza-Impfung bei den österreichischen Senioren mit der für sie am besten geeigneten adjuvierten Vakzine, einen ähnlich stärkeren Schutzeffekt als der Standardimpfstoff haben auch hoch dosierte Vakzine für diese Bevölkerungsgruppe, kommt man in Österreich langsam voran. Hier wäre eindeutig noch Luft nach oben, so der CSL Behring-Manager, weil ein Teil der Senioren noch den in der Wirkung schwächeren Standard-Impfstoff erhalte.
In der Influenza-Saison 2023/2024 waren es rund 290.000 bestellte und ausgelieferte Dosen. 2025/2025 kam man auf 340.000 Dosen, in der vergangenen Saison waren es 445.000 Dosen. Kommendes Jahr dürften es laut der Bestellung durch die öffentliche Hand rund 500.000 werden. Doch es wird bereits für die Zeit danach verhandelt. "Wir haben für die Bestellungen eineinhalb bis zwei Jahre Vorlaufzeit", sagte Koch. Das ist produktionsbedingt, weil die Vakzine derzeit vor allem auf Basis von infizierten Eiern oder in Zellkulturen hergestellt werden. Mittelfristig im Kommen sind wohl auch mRNA-Influenza-Vakzine.
Das Tauziehen um den für die österreichischen Impfwilligen optimalen Schutz gegen die Influenza umfasst aber auch organisatorische Komponenten. So gab es Probleme bei der Online-Impfstoffbestellung der Ärzte via Bundesbeschaffungsagentur. Von niedergelassenen Ärzten wurde berichtet, dass sie zeitweise mitten in der Nacht am Computer die nächst mögliche Bestellung "abpassen" mussten. Auch mit der Dokumentation dürfte es Schwierigkeiten gegeben haben. "Wir brauchen ein besseres Bestellsystem. Was ein Arzt einmal bestellt hat, sollte er wieder bekommen", betonte dazu Fiona Fiedler, Seniorensprecherin der NEOS.
Wolschner mit einem pragmatischen Vorschlag: Ärzte, welche im vergangenen Jahr viel bestellt und somit auch geimpft haben, sollten einfach 80 Prozent der alten Menge abrufbar reserviert bekommen und dann noch eventuell zusätzlich nachfordern können. Erwin Rebhandl, oberösterreichischer Allgemeinmediziner und Präsident der AM-PLUS-Ärzteinitiative, wünscht sich vor allem eine bessere Information der Bevölkerung: "Zum Anfang ist es wichtig, dass die Menschen zeitgerecht aufgeklärt werden. Ich würde mir wünschen, dass das Gesetz geändert wird und auch die Pflegekräfte über Impfungen aufklären können." Pflegekräfte dürften zwar impfen, aufklären aber derzeit nicht.
Weltweit werden jedes Jahr rund eine Milliarde Influenza-Infektionen registriert. Die Zahl der schweren Erkrankungen schwankt je nach Saison zwischen drei und fünf Millionen, die Zahl der Todesfälle weltweit zwischen etwa 300.000 und 650.000.
BILD zu OTS - Die Durchimpfungsraten sind besorgniserregend niedrig





