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Erdogan lässt liberale Universität in Istanbul schließen

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Erdogan geht wieder gegen oppositionelle Kräfte vor
©Afp, MARCO SIMONCELLI, APA
Mitten im akademischen Jahr hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Schließung einer bedeutenden privaten Universität in Istanbul angeordnet. Wie aus einem am Freitag im Amtsblatt veröffentlichten Dekret hervorgeht, wurde der liberal ausgerichteten Bilgi-Universität mit mehr als 20.000 Studierenden die Betriebsgenehmigung entzogen. Gesetzlich besteht die Möglichkeit, eine private Bildungseinrichtung bei "unzureichendem" Bildungsniveau schließen zu können.

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Die 1996 gegründete Bilgi-Universität nahm bisher am Erasmus-Austauschprogramm der EU teil und empfing jedes Jahr zahlreiche europäische und internationale Studierende. Die Universität war zuletzt in Vorwürfe rund um Geldwäsche und Steuerbetrug verwickelt und wurde darum seit 2025 von einem gerichtlich bestellten Verwalter geleitet.

Die Schließung der prominenten Istanbuler Universität erfolgte einen Tag, nachdem die türkische Regierung massiv gegen die politische Opposition vorgegangen war: Am Donnerstag war die Führung der türkischen Oppositionspartei CHP durch ein Gericht in Ankara abgesetzt worden.

Die CHP hatte der Regierungspartei AKP des islamisch-konservativen Präsidenten Erdogan bei den Kommunalwahlen 2024 eine schwere Niederlage zugefügt. Seitdem steht die Oppositionspartei zunehmend im Visier der türkischen Justiz. Mit dem jüngsten Urteil wird der Druck auf die Opposition weiter verstärkt.

Der ehemalige Istanbuler Bürgermeister und beliebte CHP-Politiker Ekrem Imamoglu sitzt seit mehr als einem Jahr im Gefängnis. Er gilt als wichtigster Rivale Erdogans und war von der CHP zu ihrem Präsidentschaftskandidaten gekürt worden.

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