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Ein Pompeji-Opfer war vermutlich Arzt

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Blick auf Pompeji und den Vesuv (Archivbild)
©Afp, APA, FILIPPO MONTEFORTE
Mehr als 60 Jahre nach den Ausgrabungen im sogenannten "Garten der Flüchtenden" in Pompeji haben Forscher einem der Opfer des Vesuvausbruchs von 79 n. Chr. vermutlich erstmals einen Beruf zuordnen können. Nach neuesten Untersuchungen handelt es sich wahrscheinlich um einen Arzt, der während seiner Flucht medizinische Instrumente mit sich trug. Die Entdeckung geht auf die Analyse eines kleinen Behälters zurück, der im Inneren eines Gipsabdrucks verborgen war.

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Der Fund stammt aus Grabungen unter der Leitung des Archäologen Amedeo Maiuri im Jahr 1961. Damals wurden in einem ehemaligen Weinberg die Abdrücke von 14 Menschen entdeckt, die starben, als sie versuchten, aus der Stadt zu fliehen. Neue Untersuchungen an Materialien aus den Depots des Archäologischer Park Pompeji brachten nun persönliche Gegenstände des Opfers ans Licht: eine kleine Schachtel mit Metallteilen, eine Stofftasche mit Bronze- und Silbermünzen sowie mehrere Instrumente, die zu einer medizinischen Ausrüstung passen könnten.

Röntgen- und Tomografieuntersuchungen zeigten im Inneren des Behälters eine Schieferplatte, die vermutlich zur Herstellung medizinischer oder kosmetischer Substanzen diente, sowie kleine Metallinstrumente, die chirurgische Werkzeuge gewesen sein könnten. Dies stützt die Annahme, dass es sich bei dem Opfer um einen Arzt handelte.

Bei der Forschung kamen moderne Diagnosemethoden wie CT-Scans mit Unterstützung durch Künstliche Intelligenz und dreidimensionale Rekonstruktionen zum Einsatz. Dadurch konnte der Inhalt des Gipsabdrucks untersucht werden, ohne ihn zu beschädigen. Die Analysen lieferten zudem neue Details über die aufwendig konstruierte Schachtel mit einem komplexen Verschlusssystem.

Der Direktor des Archäologischen Parks, Gabriel Zuchtriegel, erklärte, der Mann habe seine Instrumente vermutlich mitgenommen, um sich anderswo eine neue Existenz aufzubauen - oder um weiterhin anderen Menschen helfen zu können. Die neuen Funde unterstreichen nach Angaben der Forscher erneut den großen wissenschaftlichen Wert der Depots von Pompeji, in denen sich noch zahlreiche, bisher unerforschte Zeugnisse aus der Antike befinden.

Im 19. Jahrhundert begannen Archäologen, diese Hohlräume mit Gips zu füllen, um die ursprüngliche Form der Opfer sichtbar zu machen. Diese Technik wurde 1863 erstmals systematisch vom Archäologen Giuseppe Fiorelli angewendet. Nachdem der Gips ausgehärtet und die Asche entfernt worden war, erschienen erstaunlich detaillierte menschliche Figuren, oft mit den Knochen im Inneren erhalten. Pompeji ist der einzige Ort der Welt, an dem solche Zeugnisse in dieser Form rekonstruiert werden konnten.

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