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Michael Sieber vom Max Planck Institut für Evolutionsbiologie in Plön im deutschen Bundesland Schleswig-Holstein und seine Co-Autoren haben öffentlich verfügbare Daten zu selbst berichteten symptomatischen Atemwegsinfektionen, ärztlich behandelten akuten Atemwegsinfektionen, Spitalsaufnahmen wegen schwerer akuter Atemwegsinfektionen sowie zur Gesamtmortalität in Deutschland über einen Zeitraum von 14 Jahren analysiert. Dies erfolgte jeweils für eine Woche. Gleichzeitig berücksichtigte man die wöchentlich aufgetretenen Fälle von Influenza, RSV-Erkrankungen und schließlich auch von Covid-19.
Vor der Pandemie erreichten die Atemwegsinfektionen ihren Gipfel im Februar und März. In den Saisonen 2020/21 bis 2022/23 verschoben sich Beginn und Höhepunkt der Atemwegsinfektionssaison dagegen um acht bis zwölf Wochen nach vorne, schrieb das Deutsche Ärzteblatt jetzt zu der Studie. Sie ist in "PLOS Global Public Health" erschienen (https://doi.org/10.1371/journal.pgph.0006376). Im Winter 2020/21 sei diese Verschiebung zunächst durch Covid-19 geprägt gewesen, nachdem Influenza und RSV-Infektionen wegen der Einschränkungen des öffentlichen Lebens fast vollständig ausgeblieben waren.
RSV-Infektionen (Respiratory Synzytial Virus) traten 2021/22 bereits im September wieder auf, Influenza erreichte 2022/23 ihren saisonalen Höhepunkt im Dezember. In der kälteren Jahreszeit 2023/24 und 2024/25 näherten sich Influenza und RSV-Infektionen wieder ihrem früheren, "gewohnten" saisonalen Verlauf an.
"Besonders auffällig ist ein zweites wichtiges Ergebnis. Mit den Atemwegsinfektionen verschob sich auch der saisonale Höhepunkt der allgemeinen Sterblichkeit. Vor der Pandemie lag er meist im Februar oder März, während der Pandemiejahre dagegen bereits im Dezember oder frühen Jänner. Ein ähnliches Muster zeigt sich bei Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Deren saisonaler Höhepunkt verschob sich nahezu parallel zu den Atemwegsinfektionen um zwei bis drei Monate nach vorne und später wieder zurück", schrieb das deutsche Max Planck Institut zu der wissenschaftlichen Arbeit. "Diese zeitliche Übereinstimmung unterstützt die Annahme, dass Atemwegsinfektionen das Risiko schwerer kardiovaskulärer Ereignisse beeinflussen können."
Die Forschungsergebnisse der deutschen Wissenschafter unterstreichen den Nutzen der Impfungen gegen die Influenza- und RSV-Infektionen. Sie könnten aber auch dazu führen, die Impfkampagnen gegen diese Erkrankungen inklusive Covid-19 anzupassen.
Das Max Planck Institut: "Für die Prävention hat vor allem der veränderte Zeitpunkt der Infektionswellen praktische Bedeutung. Nach einer ungewöhnlich schwachen oder ausgefallenen Saison oder bei einem neuen Erreger kann die nächste Epidemie erheblich früher einsetzen. Impfkampagnen sollten deshalb nicht ausschließlich nach einem festen Kalender geplant werden, sondern die aktuelle epidemiologische Situation berücksichtigen. Die Autoren nennen insbesondere die Influenza-Impfung."
ILLUSTRATION - Ein Mann liegt mit Taschentüchern, Teetasse, Nasenspray und Tabletten im Bett (gestellte Szene). Derzeit bewegt sich die Rate akuter Atemwegserkrankungen in der Bevölkerung weiter auf einem relativ hohen Niveau im Vergleich zu früheren Jahren.
