von
Dazu verglichen die Wissenschafterinnen und Wissenschafter die Gehirne von 30 Personen mit chronischen primären Schmerzen mit denen von 30 gesunden Kontrollpersonen. Das Forschungsteam um die Neurowissenschaftlerin Salome Häuselmann fand dabei strukturelle Unterschiede in den Gehirnen. In der linken Hirnhälfte der Schmerzpatienten war ein Areal, das Emotionen und Erinnerungen verarbeitet, stärker gefaltet als bei der Vergleichsgruppe. In der rechten Hirnhälfte zeigten sich hingegen in Regionen für Sinnesverarbeitung und Schmerzbewertung flachere Furchen.
"Dies passt zu der Annahme, dass beim Übergang von akuten zu chronischen Schmerzen zunehmend auch emotionale und kognitive Prozesse an Bedeutung gewinnen", erklärte Häuselmann. Es könne ein Teufelskreis aus Schmerzverarbeitung, Stress und negativen Emotionen entstehen. Die Studie sei eine Momentaufnahme. Es bleibe unklar, ob die Hirnstruktur sich durch die Schmerzen veränderte oder ob die Betroffenen bereits zuvor eine Veranlagung dafür hatten. Um dies zu klären, seien Langzeitstudien notwendig, von denen es in der Schmerzforschung erst wenige gebe.
Hoffnung biete jedoch die Anpassungsfähigkeit des Gehirns. Es sei möglich, dass sich die Hirnstruktur im Verlauf einer erfolgreichen Schmerztherapie wieder der von schmerzfreien Personen annähere. "Chronische Schmerzen müssen nicht als unveränderbarer Zustand betrachtet werden", sagte Häuselmann.
Ingo Wagner/dpa (zu dpa «PISA-Experte: Deutschland muss mehr für Bildungsgerechtigkeit tun» vom 23.11.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
