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Chemotherapie bei Kindern mit Leukämie teilweise ersetzbar

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Neue Therapie steht bevor
©Keystone, APA, GEORGIOS KEFALAS
Ein relativ neues Biotech-Medikament als sogenannter bispezifischer Antikörper kann bei bestimmten Kindern mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL) bisher verwendete hoch toxische Chemotherapiezyklen mit sogar besserem Erfolg ersetzen. Das hat eine internationale Studie mit österreichischer Beteiligung ergeben. In der Untersuchung ging es um Kinder mit neu diagnostizierter akuter lymphatischer Leukämie mit einem hohen Risiko für einen Rückfall nach anfänglicher Chemotherapie.

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"Die an das individuelle Risiko angepasste Behandlung der akuten lymphatischen B-Zell-Leukämie (ALL) im Kindesalter hat bei einem ständig steigenden Anteil der Patienten zur Heilung geführt", schrieben Martin Schrappe (Universitätsklinik Schleswig-Holstein/Kiel) und seine Co-Autoren, unter ihnen Andishe Attarbaschi vom St. Anna Kinderspital (MedUni Wien) im "New England Journal of Medicine" (DOI: 10.1056/NEJMoa2604166).

Die wissenschaftliche Untersuchung lief in Australien, Österreich, Tschechien, Deutschland, Israel, Italien, in der Slowakei und in der Schweiz und war Teil eines noch viel größeren Rahmenprojekts zur Untersuchung möglichst genau an die individuelle Situation der Patienten angepasster Therapien. Es ging dabei um Erkrankte bis zum Alter von 18 Jahren, die 33 Tage nach Beginn der ersten medikamentösen Behandlung mit Chemotherapeutika noch kein vollständiges Verschwinden der Krankheitszeichen oder andere Marker für ein hohes Risiko aufwiesen.

Insgesamt wurden 709 Kinder mit der Erkrankung in die Studie aufgenommen. 351 der Patienten erhielten unter anderem zwei Zyklen einer hoch toxischen intensiven Chemotherapie, 358 bekamen stattdessen eine Behandlung mit dem bispezifischen Antikörper Blinatumomab. Dabei handelt es sich um ein Biotech-Medikament, das ursprünglich in München entwickelt wurde. Ein Teil des Antikörpers dockt gezielt an den B-Zellen an, welche durch bösartige Veränderung dieser Immunzellen überhandnehmen. Der zweite Teil hingegen geht in direkten Kontakt mit den T-Abwehrzellen im Blut. Sie sollen die bösartigen B-Zellen bekämpfen.

Die neue Strategie zeigte bessere Erfolge als die Chemotherapie. Die Wissenschafter veröffentlichten jetzt die Ergebnisse bei einer geplanten Zwischenanalyse nach einer mittleren Beobachtungszeit von 2,9 Jahren. Man konnte eine Überlebensrate ohne mit der Krankheit in Verbindung stehenden Ereignissen (Rückfall) für vier Jahre von 83 Prozent in der Blinatumomab-Gruppe und 70,3 Prozent in der Gruppe mit Chemotherapie berechnen. Lebensbedrohliche unerwünschte Ereignisse traten bei zwei Patienten (0,5 Prozent) in der Blinatumomab-Gruppe auf, darunter ein Todesfall (0,3 Prozent), und bei 16 Patienten (4,7 Prozent) in der Kontrollgruppe mit Chemotherapie auf.

"Bei Kindern mit neu diagnostizierter B-Zell-ALL mit hohem Risiko führte der Ersatz von zwei Zyklen einer hoch toxischen konventionellen Chemotherapie durch Blinatumomab zu einem signifikant höheren Anteil an Patienten mit ereignisfreiem Überleben nach vier Jahren", schrieben die Wissenschafter. Die Studie wurde unter anderem von der Deutschen Krebshilfe gefördert.

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