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Dialysepatienten mit zumeist dreimal pro Woche mehrstündigen "Blutwäsche"-Behandlungen haben oft mit zusätzlichen Komplikationen und Gesundheitsproblemen zu tun. Das bedingt auch eine erhöhte Sterblichkeit. Um das Risiko genauer zu bestimmen und besser vorbeugen zu können sind möglichst viele Marker notwendig, die ein möglichst genaues Gesamtbild von der Situation der Betroffenen ergeben.
Die Wissenschafter um Nora Hannane vom Klinikum Rechts der Isar (Technische Universität München) und mit Christopher Mayer (Austrian Institute of Technology/AIT) als einem der Co-Autoren gingen in ihrer Studie von der Notfallmedizin aus. "Vitalparameter wie die Atemfrequenz sind etablierte Vorhersage-Indikatoren für die Mortalität in der Notfallmedizin. Bei Hämodialysepatienten wird die Atemfrequenz durch verschiedene Faktoren beeinflusst, darunter kardiovaskulärer Stress und eine gestörte renale (die Nieren betreffende; Anm.) Säure-Basen-Regulation", schrieben sie jetzt im "Journal of Nephrology" (doi: 10.1093/joneph/aajag206).
Ob das auch eine Möglichkeit wäre, um das Sterberisiko bei Dialysepatienten vorherzusagen, untersuchten die Wissenschafter an insgesamt 364 Betroffenen. Mit einem 24-Stunden-EKG-Gerät wurde auch die Atemfrequenz zwischen Mitternacht und fünf Uhr früh bestimmt. Dies wurde dann zur Mortalität nach drei und sechs Jahren in Verbindung gesetzt. Nach sechs Jahren waren bereits 177 Patienten gestorben, 39 hatten eine Nierentransplantation bekommen. Binnen drei Jahren waren 39 Patienten an Herz-Kreislauf-Versagen gestorben, 64 durch andere Ursachen, nach sechs Jahren waren es 68 Herztote und 109 aus anderen Gründen Verstorbene.
Normalerweise schwankt die Atemrate in Ruhe zwischen zwölf und 20 Atemzügen pro Minute. Mehr als 22 werden in Notfallmedizin als problematisch angesehen, zum Beispiel bei Lungenentzündungen, nach Schlaganfällen oder Verletzungen.
In der Gruppe der Dialysepatienten stellte sich laut den Beobachtungen der Wissenschafter folgender Effekt ein: "Patienten im höchsten und niedrigsten Viertel der Atemfrequenz wiesen im Vergleich zu Patienten in den beiden mittleren Quartilen (Vierteln; Anm.) eine 2,7-fach erhöhte Herz-Kreislauf- und eine 1,4-fach erhöhte Gesamtmortalität nach drei Jahren auf." Nach sechs Jahren war das allerdings bezüglich der Herz-Kreislauf-Sterblichkeit nicht mehr signifikant.
Im Mittel lag die Atemfrequenz bei den Dialysepatienten bei 20,2 Atemzügen pro Minute. Die Patienten mit einer höheren Atemfrequenz waren eher jünger, hatten auch eine erhöhte Herzfrequenz und Laborwerte, die auf Entzündungsprozesse hinwiesen. Eine größere Sterblichkeit innerhalb von drei Jahren zeigte sich demnach bei Atemfrequenzen von weniger als 18 und mehr als 22 Atemzügen pro Minute.
"Hämodialysepatienten weisen eine mittlere nächtliche Atemfrequenz oberhalb des physiologischen Bereichs auf, die mit der Dreijahresmortalität in U-Form korreliert. Diese Ergebnisse könnten auf eine erhöhte kardiopulmonale (Herz-Lunge; Anm.) Belastung in der Hämodialysepopulation hinweisen. Die nächtliche Atemfrequenz könnte wertvolle Zusatzinformationen für die Bestimmung des Risikos liefern", stellten die Fachleute in ihrer wissenschaftlichen Arbeit fest.
ARCHIV - 16.01.2013, Sachsen, Dresden: Eine Dialyse-Patientin sitzt an einem herkömmlichen Dialysegerät im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus und erhält eine Blutreinigung. (zu dpa «Etwa 2800 Menschen im Land brauchen Dialyse») Foto: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++.
