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Aus Dung Proteine machen - Insektenzucht könnte Erde stark entlasten

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Die Larven der Fliegen werden schon vielerorts gezüchtet
©RODGER BOSCH, Afp, APA
Würde man weltweit großflächig auf das Züchten von Insekten als Protein-Quelle für Nutztiere setzen, könnte das zur Vermeidung des Treibhausgasausstoßes beitragen. Unter der Leitung von chinesischen Wissenschaftern hat ein Team mit Beteiligung von Shaohui Zhang vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg (NÖ) auch gezeigt, dass sich so die Verwendung von Stickstoffdünger maßgeblich reduzieren ließe, heißt es im Fachjournal "PNAS".

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Die steigende Nachfrage nach tierischen Proteinen in vielen Teilen der Welt hat zu einer deutlichen Zunahme der Viehhaltung und Tierzucht und wiederum einem erhöhten Bedarf an Futtermitteln für selbige geführt. Das bringt viele Probleme mit sich. So benötigen etwa große Tierherden Platz - oft auch zulasten von Regenwaldflächen. Die ungeheure Nachfrage an Tiernahrung fördert wieder die Umwandlung von naturnahen Flächen in landwirtschaftlich genutzte Flächen. Auch der Druck auf bereits bestehende Felder, dort pro Quadratmeter mehr zu produzieren, steigt weiter. Das wird vielfach mit intensivem Einsatz von stickstoffhaltigem Kunstdünger bewerkstelligt, der wiederum Umweltprobleme mit sich bringt.

Das Forschungsteam hat sich angesichts dessen das Potenzial von "Insekten-Farming" zur Proteingewinnung angesehen - unter der auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz wohligen Grundannahme, dass sich die Tierchen von Tierdung ernähren. Wer allerdings hier mit Abscheu reagiert, sei an das traditionelle Düngen auf landwirtschaftlichen Flächen erinnert, nämlich mittels Ausbringen von Jauche, auf der dann mehr oder weniger die Feldfrüchte wachsen. Immerhin ist seit jeher bekannt, dass Tierausscheidungen eine wertvolle, weil nährstoffreiche Ressource sind.

Die Wissenschafter um Baojing Gu von der Zhejiang University in Hangzhou (China) gingen bei ihren Berechnungen nun davon aus, dass der Dung als Nahrung für "Soldatenfliegen" (Hermetia illucens) dient. Die Zucht dieser Insekten, deren Larven als Nutztierfutter dienen, ist mittlerweile verbreitet und auch in der EU zugelassen. In die Analyse gingen Modelle zur globalen Nutztierhaltung, zur Landnutzung, zu Handelsströmen und zu Kosten-Nutzen-Überlegungen in 166 Ländern weltweit ein, schreibt das Team in seiner Arbeit.

Mit einem breiten Ausrollen der Insektenzucht könnten demnach pro Jahr rund 4,2 Millionen Tonnen tierischem Protein erzeugt werden. Dadurch würden den Berechnungen zufolge bis zu 45 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Fläche quasi "frei", auf denen sonst Futtermittel für Nutztiere produziert würden. Insgesamt könne die Insektenzucht rund acht Prozent der jährlichen Futterproduktion für die Viehzucht ersetzen.

Das würde die Stickstoffemissionen um jährlich geschätzte sechs Millionen Tonnen und die Nitratbelastung um elf Prozent reduzieren, die sonst durch die Einlagerung der Gülle und die Futtermittelproduktion entstehen würden. Vor allem könnte der Ausstoß der Treibhausgase in diesen Bereichen stark reduziert werden: um geschätzte rund 1.300 Millionen Tonnen an CO2-Äquivalenten pro Jahr. Würde man den Dung nach dem Teil-Verzehr durch die Insekten wieder auf Feldern ausbringen, könnte man 25 Millionen Tonnen an synthetischem Dünger einsparen, rechnen die Forschenden vor.

Am Reißbrett könnte sich das auch wirtschaftlich mehr als rentieren: Um eine derart breite Insekten-Produktion aufzuziehen, bräuchte es demnach Investitionen in der Höhe von 25 Milliarden Dollar (rund 21,5 Mrd. Euro). Dem stünde ein ökonomischer und ökologischer Nutzen von rund 226 Mrd. Dollar (rund 195 Mrd. Euro) gegenüber. Vor allem in wärmeren Ländern würde diese Art der Insektenzucht besonders gut funktionieren, weil sie mit wenig zusätzlichem Energieaufwand betrieben werden kann. Um das Potenzial tatsächlich zu heben, bedürfte es jedenfalls koordinierter Anstrengungen. Gelingt dies, hätte man eine kostengünstige und dem Gedanken der Kreislaufwirtschaft entsprechende Alternative zu aktuellen Formen der Futtermittelproduktion und Viehzucht zur Hand, die auf die Umweltprobleme unserer Zeit abgestimmt ist, heißt es in der Arbeit.

(S E R V I C E - https://doi.org/10.1073/pnas.2604870123 )

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