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Die Arbeiterkammer Oberösterreich erhebt in Kooperation mit dem Institut für Empirische Sozialforschung (IFES) jedes Jahr die Situation der institutionellen Kinderbetreuung im Bundesland. Der aktuelle Atlas weise mehr weiße Flecken als im Vorjahr auf, "weil immer mehr Bürgermeister und Bürgermeisterinnen die Auskunft verweigern", kritisiert Wiednig, zuständig für Frauen- und Gleichstellungspolitik in der AK, in einer Pressekonferenz am Dienstag Intransparenz. Heuer beteiligten sich 279 von 438 oberösterreichischen Gemeinden, 159 Gemeinden stellten keine Daten zur Verfügung. Im Vorjahr hatten noch 313 Kommunen teilgenommen.
Für den Atlas werden in den drei Altersgruppen Unter-Dreijährige, Drei- bis Sechsjährige und Volksschulkinder jeweils drei Kriterien - also insgesamt neun Kriterien - erhoben: Öffnungszeiten, Mittagessen und Schließzeiten. Für die Bestnote A1 des AK-Atlas muss man acht oder neun der drei mal drei Kriterien schaffen. Heuer erreichten dies 157 Gemeinden, im Vorjahr waren es noch 184 Gemeinden. Die meisten 1a-Bewertungen gab es in den Statutarstädten Linz, Wels und Steyr sowie deren Umland.
Besonders kritisch sei die Situation bei den Unter-Dreijährigen, moniert die AK: Denn bei den Kleinsten gab es nur in 31 Gemeinden ein VIF-konformes Angebot (VIF = Vereinbarkeitsindikator für Familie und Beruf, Anm.). "Bemerkenswert ist, dass in 80 der teilnehmenden Gemeinden die Kindergärten länger als die gesetzlich erlaubten fünf Wochen pro Jahr geschlossen sind", so Wiednig.
Zudem kritisiert die AK die monatlichen Kosten: Die Nachmittagsbetreuung schlage sich mit bis zu 137 Euro zu Buche. Hinzu komme das Essensgeld - hier reiche der Preis bis zu 6,50 Euro pro Mahlzeit - sowie Bustransfers und Bastelgeld, was unter dem Strich bis zu 321 Euro ausmachen könne, rechneten Wiednig und Stangl vor.
Dass das Land argumentiert, man bewege sich in vielen Gemeinden knapp unter den VIF-Kriterien, weil die Nachfrage für ein so weitreichendes Angebot nicht da sei, wischt Stangl als "Ausrede" vom Tisch. Wenn andere Bundesländer wie Tirol oder Vorarlberg massive Fortschritte erzielen würden und Oberösterreich nicht, "dann braucht man mehr Anstrengungen", sich als "Kinderland Nummer eins" hinzustellen, sei ein "Marketingschmäh".
Die AK forderte einmal mehr einen "Rechtsanspruch auf einen qualitätsvollen Betreuungsplatz ab dem zweiten Lebensjahr bis zum Ende der Volksschule", flächendeckend bedarfsgerechte und vollzeittaugliche Betreuungsangebote, eine verpflichtende und professionelle Bedarfserhebung, mehr Geld für die Kinderbetreuung und eine Ausbildungsoffensive.
"Es hat schon einen Grund, warum Oberösterreich eine so hohe Teilzeitquote hat", reagierte der Grüne Bildungssprecher Reinhard Ammer. Vollzeitarbeit könne "bei dieser Kinderbetreuung einfach nicht funktionieren". Eine wirkliche Vereinbarkeit von Job und Familie "bleibt ebenso Wunschdenken wie das viel beschworene Kinderland Oberösterreich".
