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Voraussetzung für eine Promotion unter den Auspizien des Bundespräsidenten sind ein Vorzug in allen Oberstufenklassen, eine Reifeprüfung mit Auszeichnung, ein Studienabschluss, in dem alle Teile der Diplom- bzw. Bachelor- und Masterprüfungen sowie das Rigorosum mit "Sehr gut" benotet werden, sowie Bestbeurteilungen der Diplom- bzw. Masterarbeit und Dissertation. Dazu darf eine "im Durchschnitt normale Studiendauer" nicht überschritten werden.
Seit Wiedereinführung der Auszeichnung in der Zweiten Republik 1953 wurde exakt 1.286 Personen das Doktorat unter den Auspizien des Bundespräsidenten verliehen. Die mit Abstand meisten Ausgezeichneten (416) haben an der Uni Wien promoviert, was aber auch an deren schierer Größe liegt. Die Universitäten Graz, Innsbruck und die Technische Uni (TU) Wien kommen bei einem Drittel der Studierenden auf bisher je rund 190 Sub-Auspiciis-Ehrungen. An der Uni Salzburg wurden bisher 89 dieser Auszeichnungen vergeben, an der TU Graz 74 und an der Uni Linz 70. An der Uni Klagenfurt waren es 16, an der Montanuni Leoben - einer der kleinsten Unis des Landes - immerhin neun, an der Wirtschaftsuni acht. An den 2004 aus den früheren medizinischen Fakultäten gegründeten Medizin-Unis gab es in Wien 12 Sub-Auspiciis-Promotionen, in Graz zehn und in Innsbruck drei. Auch an Kunstunis findet man in einer Auflistung der Präsidentschaftskanzlei vereinzelt Ausgezeichnete, an der Uni für Bodenkultur drei.
Die Zahl derjenigen, die ab der Oberstufe exzellente schulische und akademische Leistungen erbringen, hat trotz deutlich mehr Studierender und Doktoratsabschlüsse über die Jahrzehnte nicht zugenommen, in den 1980ern gab es bei damals jährlich 500 Promotionen ähnlich viele Auszeichnungen wie in den 2010er-Jahren (mit rund 2.000 pro Jahr). Männer sind unter den Ausgezeichneten - wie unter den Doktoratsabschlüssen insgesamt - immer noch überrepräsentiert.
Bei den Doktoratsstudien gibt es laut Daten des Wissenschaftsministeriums insgesamt einen Schwerpunkt auf den immer noch männlich dominierten Ingenieurs-, Naturwissenschaften und Medizin. An Unis mit Technikschwerpunkt werden nicht nur vergleichsweise oft Doktoratsstudien inskribiert, sondern vor allem auch erfolgreich abgeschlossen.
Bundespräsident Alexander Van der Bellen nutzte seine Rede in der Geheimen Ratsstube für ein Plädoyer für eigenständiges, kritisches Denken gerade auch in Zeiten von Künstlicher Intelligenz. Die KI könne vielleicht große Datenmengen effizienter analysieren. Ob sie aber Neugier kenne oder den Drang, Dinge zu verstehen, etwas Neues zu erschaffen oder Verantwortung zu übernehmen, stellte der Bundespräsident in Frage. "Sie bringen all diese Fähigkeiten in höchstem Maße mit. Ihre akademischen Leistungen sind auch deshalb so viel wert, weil sie ihre eigenen sind", so Van der Bellen in Richtung der Ausgezeichneten. Es sei ein Qualitätsmerkmal von Wissenschaft, unsicher zu sein und Antworten zuerst einmal nicht zu wissen und im Notfall auch alles umzukrempeln. Wissenschaft sei eine stetige Suche. "Sie alle tragen mit Ihrer Leistung dazu bei, dass wir es eben immer besser wissen."
An die anwesenden Uni-Spitzen richtete Van der Bellen einen Appell für Vielfalt. In den USA werde gerade bei Forschungsfeldern, die die Regierung nicht mag, gekürzt oder gestrichen. Doch Wissenschaft brauche Diversität, denn: "Je mehr Blickwinkel auf diese Welt wir zulassen, desto besser verstehen wir sie."
Auch Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) gratulierte den Ausgezeichneten in einer Stellungnahme zu deren herausragenden Leistungen. "Die Auszeichnung macht deutlich, dass wir in Österreich über starke Institutionen verfügen, die exzellente Ausbildung und wissenschaftlichen Diskurs ermöglichen. Und dass es engagierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind, die diese Strukturen mit Leben erfüllen und ihr Wissen in unsere Gesellschaft tragen", betonte sie gegenüber der APA. Sie würden damit einen wichtigen Beitrag für die Demokratie und gegen wissenschaftsfeindliche Strömungen leisten.
ZU APA-TEXT CI - Der Ehrenring "sub auspiciis Praesidentis rei publicae" aufgenommen am Dienstag, 29. März 2011, ist die höchste Auszeichnung für exzellente Promovenden in Österreich. Voraussetzung für eine sub-auspiciis-Promotion sind exzellente Leistungen im Studium, wo alle Diplomprüfungen und die Dissertation mit "sehr gut" absolviert werden müssen. Auch alle Klassen der Oberstufe sowie die Matura müssen mit "Auszeichnung" abgeschlossen worden sein. APA-FOTO: BUNDESHEER/Andy Wenzel






