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Warum es weniger Geburten gibt

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Johannes Huber

©Matt Observe

Nur noch jede vierte junge Frau und gar nur jeder siebente junge Mann wünscht sich zeitnah ein Kind. Das hat auch mit geänderten Lebensentwürfen zu tun und ist für die Politik schwer beeinflussbar.

Der Appell mag gut gemeint sein und das eine oder andere Paar auch überzeugt haben: Claudia Bauer hat als Familienministerin versucht, Mut zum Kind zu machen und dazu aufgerufen, sich weniger zu überlegen, ob alle Umstände passen, sondern sich mehr aufs „G’spür“ zu verlassen.

Ob das zu einer Trendwende führt, ist jedoch fraglich. Die offizielle Bevölkerungsprognose für Österreich ist stark nach unten revidiert worden. Bei der „Statistik Austria“, die sie erstellt hat, geht man nicht mehr davon aus, dass vom Boden- bis zum Neusiedlersee in ein paar Jahrzehnten über zehn Millionen Menschen leben werden, sondern dass es nur noch einen leichten Anstieg von 9,2 auf 9,4 Millionen geben wird und dann ab Anfang der 2040er-Jahre sogar einen Rückgang. Grund ist die Annahme, dass die Zahl der Geburten nach dem jüngsten Einbruch auf Dauer kleiner bleiben wird als die der Sterbefälle und dass Zuwanderung nicht ausreichen wird, um das auszugleichen.

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 © Waltl & Waltl

Die Erklärungen für den Geburtenrückgang sind zahlreich. So weist das Institut für Demografie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in einer Studie für die Stadt Wien auf Krisenfolgen hin: Wirtschaftliche Unsicherheit und „inflationsbedingter Stress“ haben demnach negativen Einfluss auf die Familienplanung.

Wäre das allein ausschlaggebend, könnte es früher oder später wieder mehr Nachwuchs geben; jedenfalls sobald sich die Verhältnisse wieder stabilisiert haben. Es kommt aber eben mehr ins Spiel. Darüber hinaus haben sich zum Beispiel Lebensentwürfe* geändert, sodass es immer später und zum Teil sogar zu spät wird für eine Familiengründung.

Zunächst stehe etwa Bildung mit oft ein oder zwei Hochschulabschlüssen im Vordergrund, wie Norbert Neuwirth vom Österreichischen Institut für Familienforschung erklärt. Das trage dazu bei, dass sich laut einer Erhebung, an der er 2023 mitgewirkt hat, nur noch jede vierte 18- bis 29-jährige Frau und überhaupt nur jeder siebente gleichaltrige Mann in absehbarer Zeit ein Kind wünscht. Ende der 2000er-Jahre hatte es sich noch um deutlich mehr gehandelt. Für die Politik ist das schwer beeinflussbar.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 18/2026 erschienen.

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