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Unmut über geplante Kürzung bei Latein an Gymnasien

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Lateinunterricht wird gekürzt
©A2942, APA, dpa, Ingo Wagner
Der Plan von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS), an den AHS-Oberstufen in Latein bzw. der zweiten lebenden Fremdsprache Stunden zu kürzen und stattdessen dem Umgang mit KI mehr Raum zu geben, hat am Freitag weiter für Unmut gesorgt. Die ÖVP-nahe Österreichische Professoren Union (ÖPU) warnte vor einer" Schwächung der Allgemeinbildung", Studierendenvertreter fürchten Zusatzprüfungen, die FPÖ sieht grundlegende Bildungsstandards in Gefahr. Das Ministerium beruhigt.

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Der Plan des Bildungsministeriums sieht vor, dass an den AHS-Oberstufen ab 2027/28 aus Informatik das Fach "Informatik und Künstliche Intelligenz" wird sowie dessen Stundenausmaß von zwei auf drei Wochenstunden über die gesamte Oberstufe gerechnet erhöht werden soll. Zusätzlich soll ein neuer Gegenstand "Medien und Demokratie" mit zwei Wochenstunden (ebenfalls über die gesamte Oberstufe gerechnet) eingeführt werden.

Im Gegenzug soll es im Gymnasium in der vierjährigen Oberstufe nur noch acht statt bisher zwölf Stunden Latein geben, pro Schulstufe würden damit nur mehr zwei statt drei Stunden Latein pro Woche auf dem Stundenplan stehen. Besuchen Jugendliche ein Realgymnasium und haben statt Latein eine zweite lebende Fremdsprache gewählt, werden hier zwei Stunden gekürzt, wie Wiederkehr in der ZiB2 am Donnerstagabend ausgeführt hat. Über eine Stunde, die durch die Reform frei wird, sollen die Schulen autonom entscheiden können.

Während die Bundesschülervertretung aufgeschlossen reagierte, formierte sich unter den ÖVP-nahen Lehrern prompt Widerstand gegen die geplanten Änderungen. Die ÖPU warnte per Aussendung vor Kürzungen auch bei den Wahlpflichtgegenständen. AHS-Direktorensprecherin Isabella Zins sieht die in den vergangenen Jahren entwickelten Schulprofile in Gefahr und kritisierte, dass gerade erst in einem aufwendigen Prozess mehr KI-, Medien- und Demokratiebildung in die neuen Lehrpläne aller Gegenstände integriert worden sei. Kürzungen bei Latein und den Fremdsprachen nannte die aktive Latein-Lehrerin "unverständlich", immerhin trage Latein nicht nur zu Demokratiebildung, sondern auch einem vertieften Sprachbewusstsein in Deutsch bei. Für FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl wird mit Latein wiederum ausgerechnet bei einem Fach gekürzt, das eine zentrale Grundlage für Sprachverständnis, Logik, Systemdenken und regelbasierte Strukturen sei und damit "für Programmieren, Algorithmen und einen kritischen Umgang mit KI unverzichtbar ist".

Im Bildungsministerium war man unterdessen um Beruhigung bemüht: Die Änderungen betreffen nur jene Standorte, die nicht im Rahmen der Schulautonomie eigene Schwerpunkte gesetzt haben, betonte Wiederkehr ebenso wie sein Generalsekretär Martin Netzer. Jedes Gymnasium habe pro Jahrgang drei bis vier Unterrichtsstunden zur Verfügung und an den autonomen Stundentafeln, wie sie von den meisten Schulen genutzt würden, ändere sich nichts. "Das heißt, die Schulen, die weiterhin sagen, uns ist Spanisch wichtig, aber auch uns ist Latein wichtig, haben die Möglichkeit natürlich, aus diesem autonomen Topf Stunden draufzulegen", so Netzer im Ö1-"Morgenjournal" vom Freitag.

Noch in Arbeit ist eine Lösung für einen problemlosen Übergang an die Universitäten. Derzeit ist bei einigen Studien wie Medizin, Jus oder gewissen geisteswissenschaftlichen Fächern das sogenannte "Latinum" eine Aufnahme- bzw. Abschlussvoraussetzung. Hatte man in der Oberstufe mindestens zehn Wochenstunden Latein, erspart man sich die Zusatzprüfung. Die ÖVP-nahen Studierendenvertreter der AktionsGemeinschaft (AG) befürchten durch die Kürzungen beim Lateinunterricht in den Schulen "neue Hürden" für Studierende.

Wiederkehr sprach sich in dem Zusammenhang dafür aus, die Anforderung beim "Latinum" auf acht Stunden zu reduzieren und verwies auf "gute Gespräche" mit dem Wissenschaftsministerium. Zur "Presse" hieß es dort am Freitag, man stehe dem Vorschlag "aufgeschlossen gegenüber".

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