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Vorarlberg setzt bei Antisemitismus und Rassismus auf Dialog

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Das Jüdische Museum Hohenems
©APA, ANGELIKA GRABHER-HOLLENSTEIN
Das Land Vorarlberg und das Jüdische Museum Hohenems (JMH) wollen den Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus weiter gemeinsam angehen. Die beim JMH angesiedelte Projektstelle "#Ohne Angst Verschieden Sein" setzt präventiv bei Kindern und Jugendlichen an. Zentral sei, im Dialog zu bleiben, hieß es am Donnerstag bei der Vorstellung des Berichts 2022-2024. Die Landesregierung stellte über 2027 hinaus eine Budgetierung in Aussicht, denn das Thema bleibe auch in Zukunft wichtig.

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Rund 30 Prozent der Menschen in Vorarlberg haben einen Migrationshintergrund. Zugewanderte wie Mehrheitsgesellschaft haben unterschiedliche Perspektiven, Vorurteile und Haltungen, was Zusammenleben, Flucht, Migration, Rassismus, Erinnerungskultur und die Sicht auf internationale Krisen wie den Nahost-Konflikt betrifft. In den Schulen brechen die oft emotional geführten Debatten dazu auf. Seit 2022 bieten Vermittler und Vermittlerinnen des Jüdischen Museums daher im Rahmen von "#Ohne Angst Verschieden Sein" Workshops in Schulen, Fortbildungen und Materialien für Lehrpersonen und die Jugendarbeit an.

Rund 1.900 Jugendliche und 1.200 Erwachsene nutzten bisher das Angebot. Besonders gut gebucht war 2023 und 2024 mit rund 1.600 Teilnehmenden - Jugendliche ab 14 Jahren - der Workshop "Über Israel und Palästina reden", so JMH-Vermittlungsleiterin Anita Niegelhell und Projektstellenleiterin Franziska Völlner. Der 7. Oktober sei für die Arbeit der Projektstelle geradezu eine Zäsur gewesen. Wichtig sei, niemanden zu beschämen, Scheu abzubauen und einen Raum für Fragen entstehen zu lassen. Dabei wolle man unterschiedliche Rassismen "zusammendenken" und "diese menschenfeindlichen Haltungen gemeinsam bearbeiten", stets zugeschnitten auf die Lebensrealität der Menschen, so Niegelhell.

Der Dialog darüber auf Augenhöhe, bei dem beide Seiten voneinander lernen, soll sensibilisieren, transformative Prozesse bei den Beteiligten anregen und sie in die Lage versetzen, eine eigene Position zu entwickeln, erklärte Völlner. Derzeit arbeite man an einem Ausbau, etwa einem Workshop zu antisemitischen Verschwörungstheorien, die seit Corona im Netz Konjunktur haben, sowie Angebote für Volksschulen. Die Informationsaufnahme Jugendlicher auf Social Media erfolge oft unreflektiert, was zu stark polarisierten Meinungen beitrage. Hier wolle man mehr kritische Medienkompetenz vermitteln.

Die Auseinandersetzung mit Antisemitismus und Rassismus sei aufgrund der Geschichte in Österreich und Europa ein "besonderes Minenfeld", so JMH-Direktor Hanno Loewy. Die Themen würden teils im politischen Ringen missbraucht und instrumentalisiert, Minderheiten gegeneinander ausgespielt. Das Sprechen mit jungen Menschen darüber leiste sicherlich einen Beitrag, dass manche Diskussion im Land "weniger hysterisch" ablaufe als anderswo, war Loewy überzeugt.

Schullandesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP) betonte, man wolle die Schulen mit diesen Debatten nicht allein lassen. Sie und Integrationslandesrat Daniel Allgäuer (FPÖ) stellten eine weitere Finanzierung für die mit 70.000 Euro jährlich unterstützte Projektstelle in Aussicht, die unter Schwarz-Blau bis 2027 gesichert wurde. "Die Themen werden nicht verschwinden", so die Landesrätin.

Landesrat Allgäuer sprach von einem "Leuchtturmprojekt", ganz im Sinne des Integrationsleitbildes des Landes. Man habe in Vorarlberg bereits früh begonnen, die Themen präventiv zu bearbeiten und einer Polarisierung entgegenzuwirken. Angesprochen auf den jüngsten DÖW-Rechtsextremismusbericht, der Vorarlberg einen deutlichen Anstieg rechtsextremer Tathandlungen attestierte und auch die FPÖ kritisierte, betonte Allgäuer, jeder für sich müsse Verantwortung übernehmen. Den Zuwachs wolle er "nicht kalmieren", für Vorarlberg spiele hier aber der Einfluss des süddeutschen Raums ebenso eine Rolle wie das Internet.

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